Glosse: Versicherer fürchten sich vor Kamelle

Glosse
Versicherer fürchten sich vor Kamelle

Der Karneval verbreitet unter den Versicherern Angst und Schrecken. Der Gesamtverband mahnt zur Vorsicht und enthüllt: Ohne Versicherungsschutz drohen Gefahren für Leib und Leben. Eine Glosse.
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DüsseldorfDas Leben steckt voller Risiken. Überall lauern Gefahren. Und das nicht nur in Libyen oder Ägypten, sondern auch in den vermeintlich wohl geordneten Verhältnissen deutscher Klein- und Großstädte.

Damit diese Tatsache niemand vergisst, gibt es den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. „Vorsicht an den närrischen Tagen“, warnt der GDV. In vielen Städten herrsche ab heute „Ausnahmezustand“, hat der Verband aus seiner Berliner Zentrale beobachtet. Doch die Versicherer lassen die Narren nicht allein: Damit sie den Karneval heil überstehen und damit der „Spaß kein jähes Ende findet“ steht die Assekuranz mit Ratschlägen bereit.

Und er fördert Überraschendes zutage: Alle Zuschauer der Rosenmontagszüge müssten für Schäden haften, die sie selbst verursachen. Karnevalisten sollten deshalb niemals ohne private Haftpflichtpolice feiern. Mitglieder des Festkomitees brauchen natürlich mindestens eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung. Nur dann sind auch Schäden abgedeckt „die durch Werfen von vorher genehmigten kleinen Gegenständen (z. B. „Kamellen") entstehen“.

Doch es geht noch weiter. Reiter, so die Experten, sollten sich nicht ohne Tierhalter-Haftpflichtversicherung auf den Zugweg wagen. Der Veranstalter müsse laut GDV allerdings dafür sorgen, dass nur „umzugsgeeignete“ Pferde eingesetzt werden.

Auch einen wirklichen Geheimtipp hat der Verband parat: Wer lieber mit dem Auto anreist, sollte auf Alkohol verzichten. Altbekanntes erscheint durch die Brille eines Versicherers brisant: „Bei einer Kontrolle riskiert man nicht nur Bußgelder und Punkte in Flensburg, sondern bei einem Unfall auch den Versicherungsschutz des Kaskoversicherers“. Gut, dass das mal einer sagt.

Ein Schelm, wer hinter diesen Tipps Geschäftsinteressen vermutet. Wahrscheinlich wirkt aus dem weitgehend spaßfreien Berlin, die ausgelassene Fröhlichkeit in Köln oder Mainz einfach nur rätselhaft bedrohlich.

Immerhin: Wer diese Mitteilungen liest, hat die vergangenen Ausnahmezustände überlebt. „Prosit Neujahr: Aber Vorsicht mit Feuerwerk und Böllern“, warnte der GDV vor Silvester. Und: „Zur Adventszeit steigt die Brandgefahr“. Ein Zehn-Punkte-Plan sollte den Weihnachtsbaum vor dem Brand schützen. Auch der Winter hatte seine Tücken. „Kalt, warm – warm, kalt: Temperaturschwankungen lassen Wasserrohre platzen“. Und, Autofahrer mit vereisten Scheiben aufgepasst: „Kratzmuffel haben schlechte Karten“.

Das Leben steckt eben voller Risiken.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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  • sehr zynisch Herr Hagen - Versicherer sollen nicht aufklären, das darf nur Stiftung Warentest. Die haben das Monopol der Verbrauchermeinung

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