Hoher Beratungsaufwand
Betriebsrente gedeiht nur langsam

Mit großzügigen Steuergeschenken fördert der Staat seit Januar 2002 die freiwillige Betriebsrente. Als Bestandteil des „größten Programms zur Altersvermögensbildung, das es je in Deutschland gab“, brachte die Bundesregierung sie damals gemeinsam mit der Riester-Förderung auf den Weg.

DÜSSELDORF. Doch nach einer Studie von Infratest haben in den ersten Jahren nach Einführung nur etwa sechs Prozent der Beschäftigten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, über den Betrieb Teile ihres Gehalts steuerfrei in eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds einzuzahlen (Entgeltumwandlung). Experten werten das Ergebnis als mager.

Die Studie, welche den Zeitraum bis Mitte 2004 umfasst, war von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und vor kurzem klammheimlich ins Internet gestellt worden. Das zuständige Bundesgesundheitsministerium hatte zuvor lediglich Gesamtzahlen zur Versorgung der abhängig Beschäftigten mit einer betrieblichen Altersversorgung an die Öffentlichkeit gegeben. In diese Zahlen waren aber auch die Betriebsrentensysteme mit einbezogen, die es bereits vor der Einführung der Förderung gab – wodurch natürlich ein positiveres Bild entstand (siehe „Die Lücken bleiben“).

Die Entgeltumwandlung nach Paragraf 3 Absatz 63 des Einkommensteuergesetzes gilt unter Finanzexperten als lukrative Form der privaten Altersvorsorge. Sie ermöglicht es Arbeitnehmern, vom Bruttolohn bis zu 2 496 Euro im Jahr (2520 Euro ab 2006) frei von Steuern – und bis 2008 auch frei von Sozialabgaben – in eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds einzuzahlen. Erst im Rentenalter, wenn die Steuersätze wesentlich niedriger sind, werden die Einkünfte aus der Zusatzrente versteuert. Die Förderung wurde eingeführt, um Arbeitnehmer angesichts leerer Rentenkassen zur verstärkten privaten Vorsorge zu animieren.

„Damals hatten wir richtige Träume“, sagt Heribert Karch. Der Geschäftsführer der Metall-Rente, des Versorgungswerks der Metallbranche, fügt hinzu: „Wir erwarteten einen regelrechten Ansturm auf die neue Betriebsrente.“ Inzwischen sei Ernüchterung eingekehrt: „Wir müssen jetzt durch die Mühen der Ebene“, sagt Karch. „Insgesamt muss sich noch eine Menge tun“, wertete auch Altersvorsorgeexperte Reinhold Schnabel von der Universität Essen die Zahlen zur Entgeltumwandlung. „Damit kann man die Rentenlücke noch nicht schließen.“ Franz Kollroß vom Verband der betrieblichen Versorgungswerke (BVUK) sagt: „Der Masse der Bevölkerung, für welche die neue Betriebsrente geschaffen wurde, steht sie noch relativ fern.“

Nach der Studie haben zwar zehn Prozent der Unternehmen eine Betriebsrente neu eingeführt, die Beschäftigten aber häufig das Angebot nur zögerlich genutzt. Offenbar sind die Steuervorteile gerade den Beziehern niedriger Einkommen schwer zu vermitteln. „Das ist sehr beratungsintensiv“, sagt Jürgen Kropp von der Unternehmensberatung Profion. Auch für die Vertreter sei das Geschäft komplizierter, als wenn sie einfach nur eine Lebensversicherung verkauften, meint Karch: „Das hat man nicht in zwei, drei Wochen gelernt.“ Hinzu kommt, dass die Provisionen der Vertreter für eine Kapitallebensversicherung doppelt so hoch sind wie für eine Gruppenvertragspolice einer Pensionskasse. Entsprechend wurden allein 2003 und 2004 etwa 20 Mill. Kapitallebensversicherungsverträge verkauft.

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