Ideologischer Kampf Lohnt sich „riestern“ – oder nicht?

Lohnt sich die staatlich geförderte Altersvorsorge? Gegner und Befürworter der Riester-Rente ringen seit Monaten erbittert um die Meinungshoheit in dieser Frage – mit merkwürdigen Argumenten und halbgaren Studien.
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Quelle: Getty Images

DüsseldorfGerhard Krug aus Görwihl hat dem Verkaufsschlager der Versicherungsbranche eine ganze Internetseite gewidmet. Die Kernaussage: „Die Riester-Rente lohnt sich nicht.“ Es handele sich bei diesem Konstrukt um eine milliardenschwere Umverteilung der Einzahlungen durch die Versicherten zugunsten der Versicherungen und Banken.

Letztere seien in diesem Zusammenhang gar keine Versicherungen, da sie gar kein Risiko trügen, sondern Vermögensverwalter spielten. Dafür würden Sie jedoch fürstlich bezahlt. „Es werden unsere Steuergelder und unsere Ersparnisse staatlich unterstützt an die Versicherungs- und Bankkonzerne  verteilt“, sagt der Unternehmer Krug.

Völlig anders argumentiert dagegen der Branchenverband GDV. „Und sie lohnt sich doch!“, stellte der GDV zum zehnjährigen Jubiläum dieser Vorsorgeform Ende 2011 fest. „Für die Allermeisten rechnet sich die Riester-Rente so gut wie keine andere Vorsorge“, heißt es da. Dazu habe der Verband Berechnungen für typische Muster-Biografien vorgelegt. Diese belegten, dass für Geringverdiener und Familien die Riester-Rente eine besonders rentable Altersvorsorge sei. Aber auch für durchschnittlich verdienende Singles biete die Riester-Rente eine interessante Altersvorsorge.

Wer da Recht hat, ist für Außenstehende gar nicht mehr nachvollziehbar. Schließlich ist jeder Fall anders, und jeder Antrag muss gerechnet werden. Und Rentner, die eine Riester-Rente beziehen, gibt es bisher noch so gut wie gar nicht. Für beide Thesen lassen sich daher gute Gründe und Beispiele heranziehen, die die jeweilige Haltung stützen. Und dann eigentlich die Beratung von Kunden erleichtern sollten. Doch darum geht es gar nicht mehr.

Die Debatte hat sich verselbstständigt. Wichtig ist inzwischen vor allem das Bild eines Produktes in der Öffentlichkeit und die Meinungshoheit bei dem Vorsorgeschlager der Versicherungswirtschaft. Die Fronten: Verbraucherschützer und unabhängige Berater gegen Versicherer und deren Vermittler. In diesem Kampf nutzen die Kontrahenten inzwischen jedes Mittel: Von öffentlichen Erklärungen und Studien über Abmahnungen bis hin zu Prozessen.

Ein vorläufiger Höhepunkt in der Meinungsflut war vor kurzem eine Attacke des Bundes der Versicherten und der Verbraucherzentrale Hamburg gegen den größten Versicherer im Lande, die Allianz.

Bund der Versicherten greift die Allianz frontal an
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25 Kommentare zu "Ideologischer Kampf: Lohnt sich „riestern“ – oder nicht?"

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  • "Hier kurz meine leidvollen Riestererfahrungen mit Signal-Iduna bzw.
    Hansainvest: 2002 Abschluss eines auf Fonds basierenden Riestervertrages.
    Eingezahlt wurde bis 2010 jeweils der Höchstförderbetrag, also insgesamt € 10.808, so dass sich einschließlich Zinsen ein Guthaben von insgesamt €
    11.601,22 im Nov. 2011 zur Verrentung ergab. Darin enthalten sind keine staatlichen Prämien. Die hat es auch heute nach 10 Jahren trotz fristgerechter Antragstellung nicht gegeben. Übrigens sind die Prämienanträge für die Jahre 2005 bis 2007 verschwunden. Und die anderen Prämien kümmert sich die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen seit 6 Monaten. Die Bearbeitung des Rentenantrags bei Signal-Iduna dauerte von Sept. 2011 bis zum 14.12.2011. Dann wurde eine Monatsrente von € 43,46 mitgeteilt. Diese wurde dann im Jan. auf € 30,45 vermindert, im Oktober gab es dann nur noch € 15,22 und gestern waren es für Nov. 12 € 19,66!!
    Das einzig Positive war die Auszahlung von 30 % des Guthabens im Dez.2012, aber das war ja schließlich auch nur mein Geld, was ich nur zurückbekam.
    Das alles ohne eine schriftl. oder mündl. Information. Nie mehr Signal-Iduna!!"

  • Riester lohnt sich - ich habe selbst auch einen Riester-Vertrag, es kommt eben immer darauf an ob man bei einem guten Riesteranbieter oder bei einem schlechten Anbieter ist. Aber nun mal etwas anderes, wer schützt eigentlich die Verbraucher vor den Möchtegern allwissenden Verbraucherschützern??? Schon mal darüber nachgedacht...

  • Individuelle Riester - Renditen sind meist gut.

    Jeder, der im Excel ein paar Zinsberechnungen sowie eine recht einfache Iteration beherrscht, kann sich mit Steuertabellen, Sterbetafeln und der Rentenhöhe seines Vertrages seine individuelle Rendite ausrechnen.

    Das kann dann auch in mehreren Varianten mit verschiedenen Annahmen von Steuersätzen oder Produktrenditen (bei Rentenversicherungen zum Beispiel mit den möglichen höheren oder niedrigeren Rentenangaben im Vertrag) geschehen.

    Und wer dann nicht wichtige Faktoren wie die Rentenbesteuerung (wie oft in der Versicherungsbranche) oder die Vertragsüberschüsse (wie beim DIW geschehen) weglässt, kann errechnen, dass fast alle Riesterverträge gute Renditen zwischen 4,0 % und 7,0 % haben und dass es keinen Vertrag mit negativer Rendite gibt.

    Und man erkennt, dass besonders kinderreiche, aber auch hoch besteuerte Sparer bei durchschnittlicher Lebenserwartung die höchsten persönlichen Renditen haben.

    Bei der gegebenen Sicherheit dieser Anlage sind die individuellen Renditen von Riesterrenten damit ohne Frage besser als alle anderen Altersvorsorgen. Besonders in Zeiten von Niedrigzinsen wie heutzutage.

    Das gilt sowohl für die klassische Rentenversicherung und auch für alle hochgelobten, aber im Alter mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen belegten, betrieblichen Altersversorgungen.

    Und die Riesterrente ist damit für viele auch deutlich besser als zum Beispiel die staatliche Rentenkasse DRV, die in ähnlichen Renditeberechnungen durch die neuen Steuerregeln seit 2006 meist negative Renditen ergibt.

    Christian Sensmeier

  • Zu 2: Wer hohe Zulagen kassiert, bei gleichzeitig niedrigem Einkommen, der profitiert überdurchschnittlich von der Riester-Rente. So hat ein Familienvater mit 6 Kindern und einem Eigenbeitrag von 60 € jährlich eine Zulage von 1.609 €jährlich.

    Wer ein hohes zu versteuerndes Einkommen hat, der hat auch eine Förderquote von über 40 %, was sich auch sehr gut rechnet. Selbst für den Single mit durchschnittlichem Einkommen und einer Förderquote von 30 % rechnet sich die Riester-Rente einigermaßen, vor allem, wenn er später mal Kinder bekommt.

    Zu 3: hier muss man sich in der Tat fragen, ob eine klassische Riester-Rente unterm Strich rentabel ist, zumindest bezogen auf die Verzinsung der eingezahlten Gelder und Zulagen, inklusive Steuervorteile, die man mit einer Sparstrumpf-Ansparung alle nicht hätte. Das liegt zum einen an den Kosten eines Vertrages, aber auch an der niedrigen Verzinsung. Wer hier nur mit der Garantie rechnet, betreibt Augenwischerei. Ich halte das für genauso unseriös, wie mit zu hohen Überschüssen zu rechnen.

    Fazit: Riester lohnt sich (fast) immer

  • In der ganzen Diskussion, die eigentlich unnötig ist, wird sowieso alles durcheinander geworfen. Man muss unterscheiden zwischen der politisch gewollten Einführung der Riester-Rente (1), der grundsätzlichen Rentabilität durch die Förderung für verschiedene Bevölkerungsgruppen (2) und dann noch die einzelnen Produktanbieter und Anlagewege (3).

    zu 1: Wer argumentiert, dass man erst ein bestimmtes Alter erreichen muss, um tatsächlich sein eingezahltes Geld zurück zu bekommen vergisst, dass die gesetzliche Rente genauso gestrickt ist. Wer einen Tag nach Rentenbeginn stirbt, hat auch für die Katz eingezahlt. Die Riester-Rente wurde eingeführt, um eine Rentenkürzung von ein paar Prozent auszugleichen. Für Sparer, die früh genug anfangen, ergibt sich sogar ein wesentlich größerer Effekt. Fazit: die Einführung der Riester-Rente macht also Sinn, da die gesetzliche Rente ohnehin noch viele weitere Kürzungen gebracht hat.

  • Erstaunlich, dass der HB-Redakteur nur Positionen referiert ohne ein einziges Mal sich eine eigene Meinung zu bilden. Ein Blick in die DIW-Studie (Tabelle 5) hätte genügt, um zu sehen, dass die Hauptkritik auf Zahlen gestützt wird, die ohne Überschüsse gerechnet werden.

    Die website des "Kritikers" Krug ist total veraltet (Bundesanleihen bei 4,5%, zentrale Links zu den Beispielrechnungen sind tot). Nicht überprüft? Ich würde mir mehr journalistische Mühe bei Recherche und Urteilsfindung wünschen.

  • Mich nervt eigentlich viel mehr das man beim Handelsblatt Artikel einkaufen kann wie man möchte.

    Sehr beliebt auch das Pro & Conta Bashing zum Thema PKV.

  • Wieso denkt bei Riester eigentlich jeder immer gleich an Versicherungen und macht Riester schlecht, weil Versicherungen schlecht sind?
    Das ist /eine/ Klasse von Riester-Produkten und, wie jede Versicherung, keine besonders gute.
    Schon bei Banksparplaenen sieht's anders aus und es gibt, zumindest laut Stiftung Warentest 2 sehr brauchbare Fondsprodukte.

    Klar, auch die Fondssparplaene koennten besser sein, z.B. eher auf ETFs setzen als auf die Fonds, die die Banken nienamdem sonst mehr andrehen koennen, aber besser als die Versicherungsdinger sind die trotzdem allemal.

    Was die Auszahlphase angeht, da werden nicht nur Zinsen ausgezahlt, sondern es gibt einen Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr und erst dann wandert der Rest in eine Sofortrente, die dann, wie normale Sofortrenten auch, fuer dieses Alter Renditen um die 10% liefert. (Weil dann der meiste Erloes aus den Policen der Sterbenden kommt und nicht mehr aus den Anleihen selbst.)

  • Der Hauptgrund fuer mich war der Insolvenzschutz.
    Insofern mueste man in ein etwaiges Modell "Geld einfach so ansparen" eine zeitabhaengigen HartzIV-Wahrscheinlichkeit reinrechnen.

    Noch dazu, wo es eine zumindest muendliche Aussage der Bundesregierung gibt, dass man auch aus einem uebersparten Riester-Vertrag im HartzIV-Falle nix rausnehmen muss.

    Fuer jemanden, der sich mit Geldanlagen ein bisschen auskennt, duerfte allerdings der "Gegenentwurf", der fuer mich einfach wie eine Kopie des amerikanischen "401(k)"-Kontos aussieht, das bessere Modell sein.

  • Riester Rente, find ich gut! Irgendwer muss die Eurorettung doch bezahlen, da werden die Riester Sparer in vorderster Front dabei sein. Man bedenke nur die ganzen faulen Staatsanleihen.

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