Im neuen Jahr gelten einige neue Regeln
Steuern sparen bei Lebensversicherungen und Geldanlagen

Steuerfreiheit für Kapitallebensversicherungen? Das ist bald Vergangenheit. Nur wer noch in diesem Jahr einen Lebensversicherungsvertrag unterschreibt, kann die Überschüsse steuerfrei kassieren. Alle Anleger, die danach abschließen, müssen je nach Fall 50 oder 100 Prozent ihrer Gewinne versteuern.

Die Kapitallebensversicherung ist nur etwas für Anleger, die höchsten Wert auf Sicherheit legen. Sie können sich darauf verlassen, mindestens ihr Geld zurückzubekommen plus eine kleine Verzinsung. Diese kann aber sehr gering sein. Zwar garantieren die Versicherungen einen Mindestzins von 2,75 Prozent. Dieser bezieht sich aber nicht auf den gesamten Kundenbeitrag, sondern nur auf den Teil, den die Versicherung tatsächlich anlegt. Auf den ganzen Beitrag gerechnet ist das je nach Versicherung und Laufzeit nur ein Zins von 0,5 bis 1,5 Prozent. Im schlechtesten Fall bleibt es dabei. Am Schluss kann aber auch deutlich mehr rauskommen - je nachdem, wie gut die Versicherung ihre Kundengelder anlegt.

Bei der Steuerfreiheit bleibt es nur, wenn der Anleger mindestens fünf Jahre in seine Versicherung einzahlt und der Vertrag minimum zwölf Jahre läuft. Selbstständige und Beamte haben einen zusätzlichen Steuervorteil: Haben sie noch Luft bei ihrem Vorsorgefreibetrag, können sie die Beiträge von der Steuer absetzen.

Fondsdepot + Lebensversicherung

Zur klassischen Kapitallebensversicherung gibt es eine Variante: das Fondsdepot mit angehängter Lebensversicherung. Der Anleger zahlt mindestens fünf Jahre Beträge in ein Depot ein und kauft davon Aktien- oder Rentenfonds seiner Wahl. Ein kleine Summe, meist im zweistelligen Euro-Bereich, wird abgezwackt für eine Todesfallversicherung. Der Anleger lässt die Fonds zwölf Jahre für sich arbeiten, danach kann er jederzeit an sein Geld und kassiert alle Gewinne steuerfrei. Zwischendurch kann er die Fonds wechseln. Der Kölner Geldberater Andreas Zittlau vom Finanzplaner CPM sagt: "Das ist das wichtigste Finanzprodukt 2004.`

Um den Steuervorteil zu bekommen, müssen die Verträge vor Silvester unterschrieben sein. Die meisten Banken und viele selbstständige Vermittler verkaufen dieses Kombimodell. Der große Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Kapitallebensversicherung: Der Kunde bekommt bei einer Kündigung nach zwölf Jahren den gesamten Depotbestand ausgezahlt und nicht nur einen mickrigen Rückkaufwert.

Außerdem weiß er, wie viel er an Gebühren zahlen muss. Beispiel DB Vita Plus von der Deutsche-Bank-Tochter DB Vita: Der Anleger muss fünf Jahre je 10.000 Euro einzahlen. 0,675 Prozent des Depotwerts werden jedes Jahr als Gebühr abgezogen. Im Programm sind 127 Fonds von 22 Anbietern. Sie kosten beim Kauf bis zu fünf Prozent Gebühr. Dazu kommen die fondsinternen Verwaltungsgebühren. Ähnliche Produkte bieten auch andere Banken, teilweise aber nur mit hauseigenen Fonds.

Stückzinsen

Das klassische Steuersparmodell für sinkende Steuersätze: Anleihen kaufen. Und zwar Anleihen, die möglichst im Januar ihre Zinsen auszahlen. Der Steuertrick: Der Käufer muss dem Verkäufer einen Teil der im Januar fälligen Zinsen jetzt schon zahlen. Diesen Anteil kann er von seinen zu versteuernden Kapitalerträgen 2004 abziehen. Im Januar muss er dann die Zinsen komplett versteuern. Unter dem Strich heißt das: Dieses Jahr Steuern sparen, nächstes Jahr zahlen - aber dann zum geringeren Steuertarif.

Leider wird diese Idee von vielen Beratern zu euphorisch verkauft, denn viel bringt es nicht. Bei einer Investition von 100.000 Euro, so eine Rechnung der Steuerberater von Ernst & Young in Stuttgart, kommen nur knapp 115 Euro Steuerplus heraus bei einem Zins von fünf Prozent. Hier macht in der Regel nur einer Kasse: die Bank. Der Verschiebebahnhof kann aber dennoch lohnen: für Steuerzahler, die ihre Kapitaleinkünfte 2004 drücken müssen, um unter einem Freibetrag zu bleiben. Das kann beispielsweise das Kindergeld retten (siehe Seite 124).

Zwischengewinne

Vor elf Monaten hat die Regierung die Zwischengewinne auf Renten- und Geldmarktfonds abgeschafft, um sie jetzt wieder für 2005 einzuführen. Anleger sollten reagieren: Steht in diesem Jahr noch eine Ausschüttung an oder endet das Geschäftsjahr des Fonds am 31. Dezember, sollte der Anleger seine Anteile vorher verkaufen, wenn sie bereits länger als ein Jahr im Depot liegen. Dann kann er den aufgelaufenen Zinsgewinn noch steuerfrei einstreichen.

Wer darüber nachdenkt, jetzt Fondsanteile zu kaufen, sollte bis Jahresende besonders umsichtig sein. Denn Anleger zahlen angelaufene Zinserträge mit, ohne sie von der Steuer absetzen zu können. Das ist erst 2005 wieder möglich. Bei der ersten Ausschüttung 2005 müssen Anleger diesen mitgezahlten Betrag jedoch versteuern. Der Einstieg lohnt sich also nur bei Fonds, bei denen noch kein hoher Zwischengewinn entstanden ist.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 050 vom 02.12.2004 Seite 120

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