Internationale Sparstudie: Die Deutschen sind Meister im Horten

Internationale Sparstudie
Die Deutschen sind Meister im Horten

Obwohl sich die meisten Deutschen von der Finanzkrise finanziell nicht betroffen fühlen, steht das Horten von Ersparnissen und Notreserven derzeit hoch im Kurs. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle ING-DiBa-Sparstudie.
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DüsseldorfObwohl die Warnungen vor einer Verschärfung der Euro-Schuldenkrise nicht abebben, sind deren Auswirkungen in Deutschland einer aktuellen Studie zufolge bisher kaum spürbar. Laut der Internationalen Sparstudie 2012 fühlten sich 48 Prozent der Bundesbürger finanziell nicht von der Krise betroffen, sechs Prozent sprachen sogar von einer Verbesserung der eigenen Lage. Sowohl im europäischen als auch im internationalen Vergleich fühlen sich die Deutschen damit neben den Niederländern (55 Prozent) am krisensichersten.

Von den 1.000 befragten Deutschen gaben lediglich 9 Prozent an, direkt oder indirekt von Arbeitslosigkeit oder Gehaltskürzungen betroffen zu sein. In keinem anderen Land war der Wert so niedrig. 32 Prozent der Bundesbürger machen schneller als das Einkommen steigende Preise dafür verantwortlich, dass sich ihre finanzielle Situation zuletzt verschlechtert hat. In Frankreich (56 Prozent), Italien (55 Prozent) und der Slowakei (51 Prozent) fühlen sich sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Inflation betroffen. Arbeitslosigkeit trifft der Studie zufolge insbesondere Spanier und Rumänen. In China und Indien profitieren hingegen viele Menschen vom asiatischen Aufschwung. Die finanzielle Situation hat sich dort für 25 beziehungsweise 27 Prozent der Befragten verbessert.

Die Auswirkungen der Finanzkrise haben auch Einfluss auf das Sparverhalten. In den meisten Ländern können Großteile der Bevölkerung krisenbedingt weniger Geld zur Seite legen. 64 Prozent der Italiener und Spanier sparen weniger als noch zu Beginn der Finanzkrise. In Deutschland sind es lediglich 34 Prozent der Befragten. Dagegen hat sich das Sparverhalten bei 51 Prozent nicht verändert und 15 Prozent der Deutschen sparen sogar mehr.

Auch wofür die Befragten sparen, wurde innerhalb der Studie ermittelt. 62 Prozent der Deutschen ist vor allem daran gelegen, Notreserven für unerwartete Ausgaben zu bilden. Lediglich die Hälfte der Bevölkerung spart für größere Anschaffungen, 42 Prozent haben den nächsten Urlaub im Blick. "Das sogenannte Angstsparen spielt noch immer eine große Rolle, die Deutschen hüten ihre Ersparnisse wie einen Augapfel. Ersparnisse werden nicht schnell verprasst, sondern liegen auf der hohen Kante für schlechte Zeiten", sagt Carsten Brzeski, Senior Economist der ING-DiBa.

Die größten „Angstsparer“ sind laut der Befragung aber nicht die Deutschen, sondern die Luxemburger. Dort schaffen sich 78 Prozent der Bürger sogenannte Notreserven, auf den nächsten Urlaub sparen 49 Prozent. Große Anschaffungen haben mit 54 Prozent vor allem die Holländer im Blick. Es gibt in allen Nationen aber auch Menschen, denen am Monatsende nicht genügend Geld zum Sparen bleibt. In Deutschland gaben 14 Prozent der Befragten an, nicht sparen zu können – in Luxemburg trifft das nur auf vier Prozent zu, in Rumänien hingegen auf 21.

Doch was machen die Deutschen mit dem zur Seite gelegten Geld? Neben einer Urlaubsreise (39 Prozent) lautet hier die Devise vor allem „Horten“. 32 Prozent der Befragten gaben an, ihr Erspartes in den kommenden 12 Monaten nicht anrühren zu wollen. International der Spitzenwert, der auch in den USA erreicht wurde. Dort gaben zudem 29 Prozent an, Ersparnisse zum Schuldenabbau nutzen zu wollen.

 

Kommentare zu " Internationale Sparstudie: Die Deutschen sind Meister im Horten"

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  • Widerspruch! @RD1
    Bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken wird nicht mein zur Bank getragenes Geld weiterverliehen, sondern neues Geld geschöpft. Das eingezahlte Geld füllt lediglich die Reserven der Bank auf, sie ist damit in der Lage, einfach mehr Geld durch Kreditvergabe zu schöpfen, vorausgesetzt es finden sich auch willige Schuldner.
    Zweitens ist es unerheblich, ob ich Geld als Bargeld halte oder als Giralgeld, beides ist damit dem Wirtschaftskreislauf entzogen, entzogen damit auch den Schuldnern, die damit Schwierigkeiten bekommen, ihre Kredite zurückzuzahlen. Merke: die Summe aller Schulden ist gleich der Summe aller (Geld-)Guthaben.

  • "Die Deutschen sind Meister im Horten"

    Eine der dümmsten Überschriften die ich bisher gelesen habe.
    Kennt die Aurorin nicht den Unterschied zwischen Horten und Sparen ?
    Ich horte Geld, wenn ich es nicht in Umlauf bringe (Sparstrumpf). Bringe ich es aber zur Bank dann kommt es in Umlauf durch Kreditvergabe der Bank.



  • Also raus die wertlosen Zettel und rein in EM.

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