Interview
"Die wettern immer erst"

Der Versicherungsombudsmann Wolfgang Römer über jahrzehntealte Reflexe und neue Spielregeln in der Branche.

Herr Römer, immer häufiger entscheiden die höchsten Gerichte in Streitfällen mit Versicherungen zugunsten der Kunden. Dürfen wir hoffen, dass das so bleibt?

In der Tat, die Tendenz ist eindeutig und dürfte auch so bestehen bleiben. Siehe die Einführung des Transparenzgebotes: Kunden sollen ihre Vertragsbedingungen schlicht auch verstehen können - das ist ja keine absurde Forderung. Aber es ist trotzdem noch viel zu tun, um die Kunden auch nur annähernd auf Augenhöhe mit den Versicherungsunternehmen zu bringen.

Wird die geplante Versicherungsvertragsreform das ab dem Jahr 2008 ändern?

Das ist ein wirklich großer Wurf für den Verbraucherschutz. Einen Haken hat der Optimismus aber noch: Bisher liegt nur der Referentenentwurf vor und bis zur Entscheidung kochen ja wie immer noch viele mit. Ich hoffe sehr, dass diese Reform nicht zerredet wird.

An welchen Punkten sollte auf keinen Fall gerüttelt werden?

Nehmen Sie das Alles-oder-nichts-Prinzip, nach dem ein Versicherter jeden Schutz verliert, wenn er auch nur einen kleinen Fehler gemacht hat. Da wird Übermenschliches verlangt. Künftig soll dagegen gewichtet werde, wie viel Schuld zulasten des Kunden geht - und wie viel nicht. Die Branche wettert wie so oft dagegen. Aber diese Neuregelung ist sinnvoll und fair - und wie so oft wird sich die Versicherungswirtschaft auch damit arrangieren.

Gibt es Punkte, die den Kunden nebensächlich erscheinen, aber die einen wirklichen Fortschritt bedeuten, wenn sie geändert werden?

Oh ja: Wer sich nach einem Schadensfall bislang nach sechs Monaten noch nicht bei der Versicherung gemeldet hat, geht leer aus. Das kommt so unscheinbar daher. Aber aus meiner langjährigen Berufserfahrung kann ich sagen: Die Lebenswirklichkeit ist anders. Da wird zum Beispiel bei einem Hausbrand erst einmal lange die Ursache ermittelt und es folgen monatelange zähe Auseinandersetzungen zwischen Kunden und Versicherungen.

Also Verzögerungstaktik seitens der Versicherungen...

...auch das. Diese Vorschrift muss und kommt mit der Reform weg. Auch wenn die Unternehmen angeboten haben, sie auf neun Monate zu verlängern. Ein weiteres Beispiel: Die Versicherungen dürfen künftig nicht mehr die komplette Jahresprämie des Kunden einbehalten, wenn er im Laufe des Jahres kündigt.

Gibt es auch Punkte, wo die sogenannte VVG-Reform selbst im Sinne der Versicherten übers Ziel hinausschießt?

Bei der Aufteilung der stillen Reserven, die bei den Versicherungen über die Jahre anfallen - oder besser gesagt: in den guten Jahren. Denn das ist die Crux: Sie dienen eben auch als Puffer in schlechten Zeiten, wenn sich am Kapitalmarkt wenig Geld verdienen lässt. Wenn sie wie geplant strikt zwischen Unternehmen und Kunden geteilt werden, hätten die Unternehmen größte Schwierigkeiten, den versprochenen Garantiezins zum Beispiel für Lebens- und Rentenversicherungen sicherzustellen. Aber ich habe Anhaltspunkte, dass diese Regelung noch mal überdacht wird.

Das Gespräch führte Anke Henrich.


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