Interview
"Riestern lohnt sich für jeden – vor allem für Jüngere"

Die gesetzliche Rente wird nicht ausreichen, warnen viele Experten. Sie empfehlen eine zusätzliche private Vorsorge. Auch Thomas Bieler, Riester-Experte bei der Verbraucherzentrale Düsseldorf, rät, die staatliche Förderung zu nutzen.

Ist die Riester-Rente vollkommen, wenn das Wohneigentum voll einbezogen wird?

Mit der Erweiterung der Riester-Rente auf Wohneigentum deckt die staatlich geförderte private Altersvorsorge nun alle üblichen Säulen des Sparens fürs Alter gleichwertig ab: Immobilie, Versicherung, Fonds- und Banksparplan. Allerdings dürfte der Wohn-Riester einigen zusätzlichen Verwaltungsaufwand in Sachen Steuer bedeuten.

Was erwarten Sie?

Um die Steuergerechtigkeit für alle Riester-Varianten zu wahren, muss auch der Ertrag aus dem Riester-Kapital, das in eine eigene Immobilie fließt, später versteuert wird. Dafür werden die Finanzbeamten für einen Häuslebauer ein fiktives Kapitalkonto führen müssen, das Kapital aufzinsen und im Pensionsalter Steuern auf eine fiktive Rente erheben. Das klingt nach Aufwand und könnte manchen Wohneigner auch zum Irrglauben führen, dass er auf dem fiktiven Konto weiteres echtes Riester-Kapital besitzt.

Lohnt sich ein Riester-Vertrag tatsächlich für jeden Förderberechtigten – man denke an die Grundsicherungs-Debatte?

Das genannte Argument, das Riestern lohne nicht für Menschen mit geringen Mitteln, führt ethisch-sozial in die völlig falsche Richtung und wurde zum Glück auch rasch wieder entkräftet. Eine Aufforderung, sich finanziell aufzugeben und nur auf eine staatliche Grundsicherung zu warten, ist der schlechteste Rat, den insbesondere junge Menschen bekommen können. Grundsätzlich sollte jeder, der riestern kann, die oft üppige Förderung mitnehmen – gerade auch, wenn jemand etwa in einer Zeit der Arbeitslosigkeit nur einen Mindest-Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr einzahlen kann. Die Förderung wirkt sich dann besonders positiv auf die Ansparrendite aus.

Bis zu welchem Alter sollte man einen Vertrag abschließen?

Die meisten Finanzhäuser bieten neue Verträge ohnehin nur bis zum 60. Lebensjahr an. Schon ab Mitte Fünfzig gilt es abzuwägen, ob eine nicht geförderte, aber später frei verfügbare Anlage nicht der bessere Weg ist. Es geht oft um den Steuervorteil, da die meisten dann keine Kinderzulage mehr erhalten.

Wem empfehlen Sie einen Fondssparplan?

Wer in Aktienfonds spart, sollte mindestens zehn bis fünfzehn Jahre Zeit bis zur Rente haben, um Börsen-Schwankungen auszusitzen. Allerdings sollten sich Anleger die einzelnen Angebote genau anschauen. Denn wer jenseits der Vierzig ist, bekommt meist keinen reinen Aktienfondssparplan mehr, ein Großteil des Kapitals fließt in Rentenfonds. Und diese bringen oft nicht mehr Rendite als ein kostengünstigerer Banksparplan.

Was ist beim Thema Kosten zu beachten?

An den Vertragskosten zeigt sich, dass Riester eben nicht gleich Riester ist. Für Anleger ist vor allem bei Versicherungen schwer zu erkennen, ob die Kostenquote etwa sieben oder gar 20 Prozent der Beiträge ausmacht. Zwar müssen auch die Versicherer ihre Kosten offen legen. Doch Anbieter umgehen dies, indem sie Kosten aufspalten. Bei Fonds können die Kosten nachträglich steigen – etwa wenn die Verwaltungsgebühr erhöht wird.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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