Kapitalerträge der Versicherer teilen sich auf Kunden und Anleger
"Aktionäre haben ein legitimes Interesse an Zinsen"

Im Interview äußert sich Allianz-Leben-Vorstand Maximilian Zimmerer über sinkende Garantien und 110 Milliarden Euro Anlagekapital.

Herr Zimmerer, aller Voraussicht nach wird der Garantiezins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen von 2,75 Prozent auf 2,25 Prozent gesenkt. Geht es der Branche so schlecht?

Nein, der Branche geht es nach dem Börsendebakel wieder besser. Die Zinssenkung hängt mit den niedrigen Zinsen am Markt zusammen. Sie bekommen noch 3,2 Prozent für festverzinsliche Wertpapiere. Aus dem Gesetz ergibt sich, dass der Rechnungszins für Neugeschäft angepasst werden muss. Da ist eine künftige Senkung dieser Garantie unumgänglich. Bis sie sich nennenswert im Bestand, der im Schnitt mit 3,5 Prozent verzinst wird, auswirkt, vergehen 10 bis 20 Jahre.

Zugleich verringert sich die Überschussbeteiligung der Kunden.

Abwarten. Die Entscheidung wird Ende des Jahres gefällt und hängt von der Zins- und Aktienentwicklung ab. Bei der Allianz Leben erreicht der Kunde immer noch eine Verzinsung von 4,5 Prozent, bezogen auf den Sparanteil seiner Prämie. Das kann ein privater Anleger am Kapitalmarkt bei vergleichbarem Risiko kaum schaffen.

Kunden, die einen Versicherungsvertrag vorzeitig auflösen müssen, verlieren oft viel Geld. Der Gesetzgeber denkt über garantierte Rückkaufwerte nach.

Das halte ich für absolut unsinnig. Wenn Kunden jederzeit aussteigen und dabei eine garantierte Summe bekommen könnten, können wir nicht mehr langfristig anlegen, weil wir mehr Geld kurzfristig brauchen. Das heißt, es kostet am Ende allen Kunden Rendite.

Nicht allein das ist das Problem. Alle Unternehmenskosten werden den Kunden zu Beginn der Laufzeit in Rechnung gestellt, was den Rückkaufwert in dieser Zeit erheblich schmälert. Ein anderer Diskussionspunkt: Das Gesetz schreibt vor, mindestens 90 Prozent der Kapitalerträge an die Kunden, maximal 10 Prozent an die Aktionäre auszuschütten. Die Aktionäre machen Druck und fordern mehr Rendite. Wird sich die Quote zu Lasten der Kunden bei der Allianz verschieben?

Das Thema wird in der ganzen Branche diskutiert. Aktionäre haben ein legitimes Interesse an Zinsen auf ihr eingesetztes Kapital. Aber sie wissen auch: Unsere Produkte müssen wettbewerbsfähig sein - sonst leidet auch ihre Rendite.

Viele Versicherer reden derzeit ihren Kunden fondsgebundene Produkte ohne Garantie schön. Ein prima Deal: Das Risiko trägt ja der Kunde.

Bei diesem Produkt steigt sowohl die Chance auf eine höhere Rendite als auch das Risiko durch schwankende Kurse. Unserer Erfahrung nach wollen die Kunden derzeit aber vor allem Sicherheit und Garantien.

Angela Merkel hat erklärt, als Kanzlerin den steuerfreien Verkauf von Beteiligungen einkassieren zu wollen. Wie halten Sie es mit den vielen Beteiligungen der Allianz Leben?

Als langfristiger Investoren legen wir unser Geld auch in Beteiligungen an, solange das Gewicht einer einzelnen Position am Gesamtportfolio nicht zu hoch wird. Mit 5,5 Milliarden Euro sind rund 30 Prozent unserer Aktienanlagen in Beteiligungen oder ähnlich langfristigen Positionen investiert. Bei diesen Entscheidungen spielen steuerliche Überlegungen keine Rolle.

Ihre Aktienquote liegt bei 15 Prozent, rund 50 Prozent höher als im Branchenschnitt.

Dank unserer Finanzstärke können wir uns eine höhere Aktienquote leisten. Wir fahren gut damit, und unsere Kunden auch: Ihre Rendite liegt ebenfalls über dem Branchenmittel.

Mit 110 Milliarden Euro Anlagekapital: Wie und wo investieren Sie?

Schwellenmärkten wie Asien und Osteuropa bleiben interessant. In China sehe ich bei gleichen Chancen größere Risiken als in Indien. Bei Aktien setzen wir auch auf hohe Dividendenrendite - ich schätze daher Telekomwerte sehr. Vorsichtig bin ich bei einigen Technologiewerten, insbesondere bei Internetaktien, die zum Teil sehr teuer sind. Immer noch Luft nach oben haben Ölwerte, sie gleichen Verluste bei ölabhängigen Werten aus. Rohstoffwerte bleiben ein Thema. Wir schätzen aber auch Investments in alternativen Energien wie Windkraft.

Wo sind Sie unzufrieden?

Pharmawerte waren bisher eher enttäuschend. Mittelfristig bleibt das aber ein boomender Markt - schon wegen der definitiv zunehmenden Langlebigkeit.

Womit wir bei der Allianz-Aktie wären?

So ist es. Die Allianz ist auf gutem Wege. Ich gehe davon aus, dass der Markt das früher oder später honorieren wird.

Das Gespräch führte Anke Henrich.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 29 vom 14.07.2005 Seite 087

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