Kassen-Chef rügt Private
„Die PKV muss eine Reihe von Problemen angehen“

Keine Geschenke für Versicherte, aber mehr Wettbewerb in der Krankenversicherung. Das fordert Christoph Straub, der Vorstandsvorsitzende der größten Krankenkasse Barmer GEK, im Interview mit Handelsblatt Online.
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DüsseldorfHandelsblatt Online: Herr Straub, schwimmen die Krankenkassen im Geld?
Christoph Straub: Nein, die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat nur zwei gute Jahre, 2011 und 2012.

Trotzdem könnten Sie den Versicherten doch Geld zurückgeben?
Dazu sind die Rücklagen bei den meisten Kassen nicht hoch genug. Die Barmer GEK hatte im vergangenen Jahr ein Gesamtvermögen von knapp 700 Millionen Euro. Fast 500 Millionen Euro davon sind in die gesetzliche Mindestrücklage geflossen.

Also hätten Sie rund 200 Millionen Euro, die Sie an ihre 8,7 Millionen Versicherten ausschütten könnten?
Im Vergleich zu den laufenden Ausgaben ist das sehr wenig Geld. Wir geben monatlich 1,9 Milliarden Euro für medizinische Leistungen aus. Pro Kalendertag sind das rund 65 Millionen Euro. Vergleicht man Ausgaben und freie Rücklage, haben wir also verhältnismäßig wenig Geld zur Verfügung.

Infografik

Die größten Krankenkassen

Gesetzlich Versicherte in Millionen


Tatsache ist aber: Sie haben aus roten Zahlen schwarze Zahlen gemacht. Stapeln Sie nicht etwas zu tief?
Nein, die Schere öffnet sich bereits wieder. Wir haben zwar erstmals Rücklagen gebildet, die über das geforderte Mindestmaß hinausgehen. Doch dieses Geld brauchen wir ab 2013, denn es wird schon wieder enger, weil die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen – insbesondere für Arzneimittel und Krankenhausleistungen. Im Trend sieht es so aus: Unsere Ausgaben steigen pro Jahr um drei bis vier Prozent, die Einnahmen dagegen nur um 1,5 bis zwei Prozent.

Erwarten Sie im nächsten Jahr wieder ein Minus in der GKV?
Nein, 2013 wird vermutlich ein Übergangsjahr, es steht ja auch die Bundestagswahl an. Wir erwarten, dass der Gesundheitsfonds zu 100 Prozent gefüllt ist, Ausgaben und Einnahmen sich im System also die Waage halten.

Kommentare zu " Kassen-Chef rügt Private: „Die PKV muss eine Reihe von Problemen angehen“"

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  • Dass die PKV kaum noch junge gesunde Mitglieder bekommt, kann ich nicht bestätigen. Immerhin wechselten im Jahr 2011 231.900 Personen in die PKV und nur 156.800 Personen von der PKV in die GKV. Die Neuverbeamtungen sind tendenziell ja eher rückläufig, so dass diese nicht den Zuwachs der PKV alleine begründen. Was eine Einheits-Grundversorgung für alle bedeuten würde, kann man an anderen Gesundheitssystemen doch deutlich sehen.In einem Einheitssystem ohne jeden Wettbewerb können die Leistungen auf dem Rücken der Kunden noch viel einfacher gekürzt und staatlich rationiert werden, siehe England. Diese Leistungen müssen dann teuer vom Einzelnen hinzugekauft werden. Nicht jeder kann das bezahlen. Zumal die Wartezeiten für Operationen in England durchaus auch mal 6 Monate betragen können. Ist das ein erstrebenswerter Ausblick? Insgesamt würde dadurch gerade ein 2-Klassen Gesundheitssystem eher noch gefördert! Ich glaube dessen sind sich viele noch gar nicht bewusst. Man sollte nicht vergessen, dass uns die ganze Welt um unser duales Krankenversicherungssystem mit GKV und PKV beneidet.

  • "TOP 10
    So betrügen Ärzte, Apotheker und Pfleger"

    Wie kann man dieses Blatt ernst nehmen?

    wie wäre "so morden Journalisten" ? Alles kommt überall vor.

    nein, Pisa hat in der Presse mittlerweile voll durchgeschlagen.

  • Wenn man von deinen Kommentaren auf deinen Bildungsstand schliessen würde, so wärst Du der letzte, der sich über die PKV sorgen machen müsste...

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