Kfz-Versicherung im Test Günstiger geht’s fast immer

Autobesitzer können bis zum 30. November in eine günstigere Kfz-Versicherung wechseln. Eine Analyse von Franke und Bornberg für das Handelsblatt zeigt, welche Anbieter das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
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Wer 2018 eine andere Kfz-Versicherung haben will, muss die alte bis Ende November kündigen. Quelle: dpa-tmn

Wer 2018 eine andere Kfz-Versicherung haben will, muss die alte bis Ende November kündigen.

(Foto: dpa-tmn)

KölnIn Hamburg gibt es die meisten Autounfälle. Bayern fahren die teuersten Autos. Autokäufer im Saarland sind am sparsamsten. Wenn Vergleichsportale wie Verivox und Check24 ihre Nutzer mit derartigen Trivia bombardieren, wissen Autofahrer: die Wechselsaison ist in vollem Gange. Bis zum 30. November können Autobesitzer ihre Kfz-Versicherung kündigen und für das kommende Jahr zu einem anderen Anbieter wechseln.

Ein Anbieterwechsel lohnt sich in der Tat häufig. So kann etwa ein junges Paar bis zu 838 Euro pro Jahr sparen, haben Experten von Check24 errechnet. Das entspricht einer Ersparnis von 59 Prozent. Für einen Fahranfänger kann die Einsparung noch höher ausfallen: Nach einem Wechsel vom teuersten Tarif in eines der günstigsten Angebote zahlt er bis zu 2328 Euro oder 71 Prozent weniger. Autobesitzer können mit einem Wechsel der Kfz-Versicherung im Schnitt rund 30 Prozent sparen, haben Tarifexperten von Verivox ausgerechnet.

Die größten Irrtümer bei der Kfz-Versicherung
Punktesünder
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Autofahrer mit Punkten in Flensburg müssen für ihre Kfz-Police mehr bezahlen, weil die Versicherer bei ihnen eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit annehmen? Das trifft meist nicht zu. Wie die Auswertung zeigt, fließen Punkte bei der Mehrheit der Versicherer nicht negativ in die Prämie mit ein. Allerdings gibt es einzelne Versicherer, die Einträge im Verkehrszentralregister strenger handhaben. Bei ihnen sind Aufschläge bis zu 20 Prozent möglich. Im Modellfall wären das Mehrkosten in Höhe von rund 140 Euro jährlich.

(Quelle: www.toptarif.de)

Familienstand
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Manchmal können auch kleine Zusatzangaben den Kfz-Beitrag deutlich mindern – allerdings gehört der Familienstand nicht dazu. Bei dem Großteil der Versicherer ist diese Tarifangabe mit keinem speziellen Rabatt verbunden. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel: Es gibt durchaus Versicherer, bei denen Vermählte weniger für ihre Kfz-Police zahlen als ledige Versicherungsnehmer.

Automobilclub
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Eine Mitgliedschaft in einem Automobilclub – etwa beim ADAC – zahlt sich doppelt aus: Autofahrer genießen rund um die Uhr Pannen- und Unfallhilfe und gleichzeitig sinkt ihre Kfz-Prämie – Irrtum. Denn die Auswertung zeigt am Beispiel des ADAC: Eine Club-Mitgliedschaft wirkt sich weder positiv noch negativ auf die Prämie aus. Für den Kfz-Beitrag ist sie meist eine Nullrechnung. Nur einzelne Versicherer gewähren für eine Mitgliedschaft einen kleinen Rabatt im einstelligen Prozentbereich.

Garagenparker
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Steht das Auto bei Wind und Wetter auf der Straße, müssen Versicherungsnehmer für den schutzlosen Stellplatz einen Aufschlag zahlen. Garagenbesitzer sind klar im Vorteil: Ihr Fahrzeug parkt hinter verschlossener Tür trocken und geschützt. Doch den sicheren Parkplatz honorieren die Kfz-Versicherer nur mit durchschnittlich zwei Prozent Nachlass. Im untersuchten Beispiel sind das im Schnitt 14 Euro - weniger als die Miete für eine Garage kostet.

Eltern am Steuer
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Statistisch gesehen sind Eltern vorsichtiger und achtsamer im Straßenverkehr unterwegs. Viele Kfz-Versicherer belohnen die sicherere Fahrweise auch mit einem Rabatt – so war es zumindest noch vor einigen Jahren verbreitet. Mittlerweile spielt es für die meisten Kfz-Versicherer keine Rolle mehr, ob Kinder unter 17 Jahren mit im Haushalt leben. Es gibt sogar den umgekehrten Fall, dann müssen Eltern für ihre Kinder sogar draufzahlen – 0,5 Prozent.

Methodik
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Die Auswertung basiert auf einem VW Passat 2.0 TDI (Baujahr 2011). Der 35-jährige Fahrer ist ein Angestellter aus Berlin mit der SF-Klasse 12 und 10.000 km Fahrleistung pro Jahr. Er allein fährt das Fahrzeug. Das Auto wurde mit einer Vollkasko/Teilkasko (Selbstbeteiligung: 300 Euro/150 Euro) versichert. Die Berechnung setzt sich aus dem Durchschnitt der 15 günstigsten Versicherer mit den entsprechenden Tarifmerkmalen zusammen.

Günstige Angebote bei der Kfz-Versicherung werden für Autobesitzer immer interessanter, denn der allgemeine Preistrend geht nach oben. Im kommenden Jahr dürften die Durchschnittspreise für die Kfz-Haftpflichtversicherung um ein bis zwei Prozent steigen, prognostizierte Andreas Kelb, Autoexperte beim Rückversicherer Hannover Rück, auf einer Branchenkonferenz in Baden-Baden im Oktober. In der Kaskoversicherung werde es voraussichtlich noch teurer. Die Gründe für den Aufwärtstrend sind vielfältig. Einer der wichtigsten ist, dass Schäden immer teurer werden. Wer etwa heute eine Stoßstange demoliert, zerstört nicht nur ein bisschen Kunststoff, sondern oft die Rückfahrkamera gleich mit.

Gerade Autobesitzer, die lange nicht mehr den Kfz-Versicherer gewechselt haben, sollten die Konditionen ihrer Police überprüfen, rät Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Der Markt ist heiß umkämpft, viele Anbieter werben mit Kampfpreisen um neue Kunden“, sagt er.

Alte Verträge schneiden im Vergleich zu aktuellen Angeboten oft besonders schlecht ab. Auch wenn sich die persönlichen Lebensumstände verändert haben, kann es gute Argumente für einen Wechsel geben. Trotzdem hat rund ein Drittel der deutschen Autobesitzer überhaupt noch nie die Kfz-Versicherung gewechselt, zeigt eine Umfrage des Portals Finanztip aus dem laufenden Jahr.

Wer sich nach einem neuen Anbieter umschaut, sollte nicht nur den Preis im Blick haben. „Man muss auch auf das Kleingedruckte achten“, mahnt Opfermann. Welche Leistungen besonders wichtig sind, hängt zwar stark vom Einzelfall ab. So sollten etwa Neuwagenbesitzer darauf achten, dass Versicherer noch möglichst lange im Schadensfall mit dem Neupreis des Wagens rechnen.

Andere Klauseln sind für alle Kunden von Bedeutung. Eine Kfz-Police sollte zum Beispiel immer auch Schäden abdecken, die aus grober Fahrlässigkeit resultieren. Darüber hinaus sollten sich Versicherungsnehmer nie mit der gesetzlichen Mindestdeckung zufriedengeben, sondern auf eine möglichst hohe Versicherungssumme achten, sagt der Verbraucherschützer. Sein Rat: „In die Vollen gehen.“

Policen im Vergleich
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