Kolumne Nachgerechnet Lebensversicherung gekündigt, Tausende Euro Provisionschulden

Bei den Nettopolicen von Atlanticlux und Prisma Life unterschreiben Lebensversicherte nur den Versicherungsvertrag. Die Provision steht auf einem gesonderten Blatt. Wollen Kunden kündigen, sitzen sie in der Kostenfalle.
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Vorsicht Nettopolicen

DüsseldorfStellen Sie sich vor, Sie wollen Ihre Lebensversicherung nach ein oder zwei Jahren kündigen, weil sie Ihnen doch zu teuer wird. Und plötzlich flattern Ihnen Mahnungen über Tausende von Euro ins Haus. Genau das kann passieren, wenn Sie eine „Nettopolice“ unterschreiben. Nettopolice heißt, die Vermittlungsgebühren bezahlen Sie extra. Extra und immer in voller Höhe, gleich ob sie den Vertrag durchhalten oder vorzeitig aussteigen.

So halten es zumindest die beiden bekanntesten Anbieter solcher Nettopolicen in Deutschland, die Luxemburger Atlanticlux und die Liechtensteiner Prisma Life. Bei Atlanticlux schließt der Kunden den separaten Provisionsvertrag mit dem Vermittler ab, bei Prisma Life legt ihn die Versicherung vor. Die Höhe der Provision bezieht sich dabei stets auf die volle Prämiensumme eines zu Ende geführten Vertrags.

Entsprechend hoch fällt die Rechnung aus. Ich kenne mehrere Leute, die aus allen Wolken gefallen sind, als sie nach der Kündigung Mahnungen über 3.500 Euro oder gar 8.000 Euro Provisionsschulden bekamen. Kein Wunder: Das Modell ist in Deutschland unüblich und Sparern ist oft nicht bewusst, was sie da unterschrieben haben.
Bei  Prisma Life dürfte besonders verwirren, dass der separate Provisionsvertrag „Kostenausgleichsvereinbarung“ heißt – ein Begriff, den wohl kein Mensch auf Anhieb versteht. Bei der Atlanticlux steht immerhin

„Vergütungsvereinbarung" drüber. Doch Rechtsanwalt Jürgen Melchior aus Wismar, der Dutzende Atlanticlux-Versicherte vertritt, sagt, das Fatale sei, dass der Provisionsvertrag meist an den Versicherungsvertrag angeheftet sei und viele Kunden gar nicht mehr genau draufschauten, wenn sie diesen Anhang zusätzlich unterschrieben.

Wie weit diese separaten Provisionsvereinbarungen gesetzeskonform sind, ist nicht ganz geklärt. Der BGH hat zwar in mehreren Urteilen zugunsten von Atlanticlux entschieden, dass deren Konstruktion zulässig ist (siehe etwa III ZR 287/04). Aber Voraussetzung sei auch, dass der Makler kundenorientiert und umfassend beraten hat (III ZR 269/06). Bietet der Vertreter nur eine einzige Police an, dürfte das ein bisschen wenig sein.

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13 Kommentare zu "Kolumne Nachgerechnet: Lebensversicherung gekündigt, Tausende Euro Provisionschulden"

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  • Ich bin aus eigenem Interesse zum Vermögensaufbau hier über diesen Artikel und über diesen Videobeitrag gestolpert. Ich bin entsetzt! Und zwar darüber, wie uninformiert Frau Hussla ihren Bericht erstattet.

    Da viele schon ihren Senf dazugegeben haben, möchte ich dem noch etwas hinzufügen.

    Frage 1) Warum schließt man eine auf 20 Jahre abzielende Altersvorsorge ab, wenn man diese nach zwei oder drei Jahren kündigen möchte?

    Frage 2) Die Aussage "Nachgerechnet" setzt meiner Meinung nach Zahlen voraus. Und zwar welche, die sich mit dem §20 und §22 EStG auseinandersetzen. Wo sind diese?

    Frage 3) Hat Frau Hussla ihren zweiten Award jetzt erhalten?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Henning Jürgensen

  • Teil 2:

    Auch dieses lag der Autorin für ihr selbst gewähltes Beispiel vor. Morgen & Morgen stellt dabei die Tarife nüchtern, sachlich - und übrigens inklusive der Vermittlungsgebühren - gegenüber. Das Ergebnis offenbart, dass die vermeintlich teueren Tarife der ATLANTICLUX offensichtlich günstiger sind als die Bruttopolicen anderer Anbieter!

    Auch der Eindruck, dass die Gebühr für die Versicherungsvermittlung zusätzlich fällig wird, ist falsch. Sie wird separat ausgewiesen und sie ist nach 60 Monaten bezahlt. Die pauschalierten Formulierungen des Films, die hier anderes vermuten lassen, sind schlicht falsch. Und schließlich ist der Vergleich mit einem Fondssparplan nach unserer Einschätzung wenig dienlich und eher irreführend. Die Autorin des Beitrags hat schon an anderer Stelle gezeigt, dass sie die laufenden Kosten von Fondssparplänen schlicht ignoriert, schon gar die versteckten. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, lässt eine pauschale Empfehlung zum Investmentfonds als Altersvorsorgeprodukt durch Frau Hussla, unsere Ansicht nach Kosten wie Agio, Abgeltungssteuer, etc., unberücksichtigt. Natürlich sind die einmalig anfallenden, anfänglichen Kosten höher als bei einem Investmentfonds. Wir zeigen jedoch gerne auf, dass sich das Verhältnis über eine gewisse Laufzeit deutlich ausgleicht. Zudem wollen ja gerade Sparer in Fondspolicen einen anderen Zweck erzielen. Langfristig, nachhaltige Renditen bei gleichzeitigem finanziellen Schutz für Hinterbliebene bzw. bei unerwarteten körperlichen Beeinträchtigungen und nicht zuletzt garantierte Rentenfaktoren stehen dem nüchternen Sparen in einem Investmentfonds gegenüber. Außerdem verfügen die Investmentstrategien der ATLANTICLUX beispielsweise im Rahmen der Kapital- oder Gewinnsicherung über Sicherheitsmechanismen vor Kursverlusten. Bei einem typischen Investmentfonds würde der Anleger über ein derartig, zum Teil abgestimmtes Leistungspaket nicht verfügen.
    (FWU-Pressestelle)

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    gerne nehmen wir zur Kenntnis, dass der Beitrag "Nachgerechnet" offensichtlich auch kritisch gewürdigt wird. Wir hatten im Vorfeld umfänglich und kurzfristig auf mehrere Fragen geantwortet, die uns bereits ein fehlendes Verständnis für die Nettopolice gegenüber einem typischen Bruttotarif verdeutlichten. Leider blieben unsere Ausführungen in dem Beitrag inhaltlich weitestgehend unberücksichtigt und muten in der Retrospektive eher als "Alibiveranstaltung" an. Auch wurde kein Gespräch gesucht. Wie auch, wenn Antworten innerhalb eines Tages kurz vor dem Wochenende erbeten werden, da der Beitrag am Montag bereits stehe? Dass man hier nicht an einer fairen, fundierten Auseinandersetzung interessiert war, wird deutlich.

    Wir bemerken dabei mit einer gewissen Genugtuung, dass die Leser des Handelsblattes offensichtlich nicht unkritisch konsumieren, sondern sich eine eigene, wie man den Einträgen entnehmen kann, fundierte Meinung gönnen. Darüber sind wir froh, denn der Beitrag sowie der Film sind bewusst tendenziös und in weiten Teilen inhaltlich suggestiv: Es gibt keine Rechtsunsicherheit bei den Tarifen der ATLANTICLUX Lebensversicherung. Dies wäre - wenn danach gefragt worden wäre - durch mehrfache höchstrichterliche Rechtsprechung zu belegen gewesen. Ebenso ist die sinngemäße Aussage "die Tarife sind zu teuer" gänzlich unqualifiziert, denn teuer fordert einen Vergleich mit einem bestimmten Produkt oder einer Produktgruppe und setzt die Gleichstellung einer Vergleichsgrundlage voraus. Hier wird, wenn überhaupt, eine Betrachtung nach wenigen Monaten vorgenommen, die weder dem Charakter einer Altersvorsorge, noch dem Anlageziel eines Altersvorsorge-Kunden entspricht.

    Anders als der Bericht nimmt die Ratingagentur Morgen & Morgen diese Parameter als Maßstab und kam zuletzt im August 2011 zu dem Ergebnis, dass mehrere Tarife der ATLANTICLUX Lebensversicherung zu den günstigsten am Markt zählen. (Teil 1)

  • Was denkst sich das Handelsblatt eigentlich bei so was. Oder dürfen deren Journalisten jetzt per se Amok laufen? Ich bin ausgebildeter Versicherungsfachwirt. Habe mich mit beiden Anbietern intensiv beschäftigt. Mal abgesehen davon, dass es lächerlich ist, Atlanticlux keine rechtliche Sicherheit zu bescheinigen, wo die dem Grunde nach Nettopolicen in Deutschland eingeführt haben und jetzt auch in Österreich höchstrichterlich bestätigt wurden, wir uns zudem in einem reglementierten Bereich bewegen, den Frau Hussla vermutlich nicht wirklich versteht. Sie mag es gut finden oder nicht, dass es eine transparentere Version von Nettopolicen gibt oder nicht. Die Argumentation jedenfalls ist so was geprägt von Unwisssen. Das tut echt schon weh.

    Dieter Weingarten

  • Ach ja, für den Fall, dass jemand die Anspielung vom kritischen Leser nicht ganz klar ist: Frau Hussla hat in 2009 die Auszeichnung Goldene saure Gurken Awart für Ihren Beitrag „Volle Fahrt in Richtung Totalverlust“ der anerkannten Research-Firma Fondmedia erhalten. Aus der Begründung: „ein neuer Rekord an Unsachlichkeit, miserabler Recherche und damit verbundener Lesermanipulation.“ Fondsmedia verleiht daher den Preis für maximale Uninformiertheit.

  • Man fragt sich langsam, wohin eine einstmals akzeptiertes Zeitung wie das Handelsblatt hier abdriftet. Der Beitrag hat nicht einmal Bildzeitungs-Niveau und zeigt, dass die Autorin Husla offenkundig weder Ahnung hat noch rechnen kann. Wie lange kann sich ein Handelsblatt so eine Redakteurin noch leisten? Oder ist es wie seinerzeit bei ihrer Kollegin Dr. Carina Junghans, der man nachweisen konnte, dass sie – sagen wir mal – empfänglich war? Mich würde interessieren, welche Fragen sie denn an Atlantic Lux und Prisma Life gestellt hat. So ich das Prinzip richtig verstanden habe, vergleicht sie hier Äpfel mit Birnen und Birnen. Richtig ist doch, dass es gänzlich unterschiedliche Ansätze sind. Natürlich bin ich bei Allianz & Co. in den ersten Jahren nur meine Kohle los und muss die Vermittlung ggf. nicht selbst mehr bezahlen. Aber meine Entscheidung bezahlen doch die Kunden, die bei der Allianz geblieben sind und sind damit die Gearschten. Frau Hussla: Man nennt das Stornoreserve und die belastet nicht unerheblich die BRUTTO-Policen-Versicherten. Nicht aber diejenigen, die eine Nettopolice abgeschlossen haben. Und alleine deshalb ist Ihr Kostenvergleich schon falsch. Mal abgesehen davon, dass Sie begünstigen, dass offen ausgewiesene Kosten schlechter sind, als die Mogelpackungen von Allianz & Co. Aber vielleicht haben die die besseren Incentives für Journalisten.

  • Sehr geehrte Frau Hussla,

    ich kann mich den Aussagen der/des Vorredner/s nur anschließen; die Berichterstattung in diesem Beitrag ist so oberflächlich und vor allem kontra Versicherungen, dass man glauben könnte, Sie haben einen Nebenjob.

    Ich begrüße es, dass Sie einen Fondssparplan empfehlen und hoffe, dass viele Berater und Banker in Ihrem Beratungsprotokoll als Empfehlungsgrund die Quelle Ihres Berichts bzw. Videos angeben. Vor allem wenn in Zeiten von Finanz- bzw. Bankenkrisen die Kunden bei Ihnen bzgl. eines Beratungsfehlers aufschlagen.

    Wenn ich die Unterlagen richtig in Erinnerung habe, sind die separaten Provisionsvereinbarungen nach 5 Jahren bezahlt und werden nicht zusätzlich fällig. Das genau aber suggerieren Sie mit Ihrer Aussage, dass Tausende von Euro Provision bei Kündigung fällig werden.
    Was bleibt eigentlich bei der Kündigung einer Allianz Ergo & Co nach Kündigung übrig? Oder aber nach der Abgeltungssteuer bei einem Fondssparplan? Und warum redet jeder immer von Kündigung; ich glaube von Kündigungen erhält man keine Altersvorsorge, oder?

    Dieser Artikel bestätigt Sie, Ihrem Ziel zur nächsten Anwärterin auf die Auszeichnung 'Goldene saure Gurke-Award" näher gekommen zu sein.

    Schöne Grüße
    Der kritische Leser

  • Liebes Team von Handelsblatt,

    ich bin entsetzt über so viele Falschaussagen in diesen Bericht.
    Halten wir fest:
    Kosten (Abschluss, Verwaltungs- und Beitragsrückerstattung)Allianz: 29,55 %*
    HDI-Gerling: 26,96 %*
    Nürnberger: 40,23 %*
    Prisma Life: 9,91 %

    Macht bei einen Beitrag von 100 € über 35 Jahre macht das folgende Kosten:
    Allianz: 12.411 €
    HDI-Gerling: 11.323 €
    Nürnberger: 16.896 €
    Prisma Life: 4.158 €

    Vergleich Fondspolice vs. Fondssparplan
    Kosten Prisma Life: 4.158 €
    Kosten Fondssparplan bei Ausgabeaufschlag 2,5& / Verwaltungsgebühr: 1% ergibt nach 35 Jahre, Gesamtkosten von 16.859
    Die Behauptung ein Fondsparplan sei günstiger stimmt also nicht. es wäre schön, wenn dieser Bericht richtig gestellt wird.

    *Quelle: Bafin

  • Alle gewinnen, einer verliert und zwar der Einzahler.
    Der Makler kassiert seine Provision, die Versicherung verleiht das Geld profitabel, u.a. gegen Bonds, das Kapital daraus wiederum beleiht der Staat , mit Hebelwirkung und daraus resultierender Inflation, um ein Vielfaches in politisch opportune Projekte, möglichst um entweder wiedergewählt zu werden oder wenigstens parteipolitische genehme Machtstrukturen zu festigen.
    Bis zum Auszahlungstermin der Police ist der nominelle Auszahlungbetrag in seiner Kaufkraft
    so weginflationiert worden, das man nach 30 Jahren froh sein kann, wenn man sich noch´ne Weile ein paar belegte Brötchen von dem " Ertrag" aus der Police leisten kann.

  • Im Gegensatz zu dem Eindruck der erweckt wird, ist der Kunde einer Nettopolice nicht gänzlich schutzlos gestellt. Er muss sich an den Makler halten.

    Das OLG Karlsruhe hat am 15.09.2011 entschieden:

    "Der Versicherungsmakler hat bei der Empfehlung einer Nettopolicenlebensversicherung, die den Abschluss einer Vergütungsvereinbarung für die Vermittlung notwendig macht, nachdrücklich über die Gefahren der damit verbundenen Abweichung vom "Schicksalsteilungsgrundsatz" aufzuklären."

    Mit freundlichen Grüßen
    RA Jens Schneider, Frankfurt am Main

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