Kommentar
Vorsorgepläne: Am Scheideweg

Die betriebliche Altersversorgung müsste künftig attraktiver gestaltet werden, um wieder auf mehr Interesse zu stoßen, meint Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, in diesem Kommentar. Eine Pflichtversicherung sei keine gute Alternative.

Die betriebliche Altersversorgung gilt seit der Einführung eines Rechtsanspruchs der Arbeitnehmer auf Entgeltumwandlung im Jahr 2002 als Hoffnungsträger auf dem Vorsorgemarkt. Doch die anfängliche Begeisterung, mit der sich Arbeitgeber und Versicherungen und Banken für die neuen Betriebsrenten ins Zeug gelegt haben, scheint mittlerweile ein wenig abgekühlt.

Das geschwundene Interesse ist für Kenner der Materie keine Überraschung. Zum einen ist das System der betrieblichen Altersversorgung besonders kompliziert und deswegen beratungsintensiv. Gerade kleinere Unternehmen, eigentlich zu einem Angebot verpflichtet, scheuen den damit verbundenen Aufwand. Viele Arbeitnehmer, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Betriebsrente abzuschließen, sind außerdem durch die Diskussion um das Ende der Sozialabgabenfreiheit verunsichert. Bevor hier nicht fest steht wohin die Reise geht, scheuen sie eine langfristige Bindung an einen Betriebrentenvertrag.

Doch Vorsorge tut Not. Um die betriebliche Altersvorsorge per Entgeltumwandlung zu kräftigen, sollte die Sozialabgabenfreiheit mindestens so lange beibehalten werden, bis ein gleichwertiges Anreizinstrument gefunden ist.

Kein adäquater Ersatz ist die diskutierte Pflicht zur betrieblichen Altersvorsorge über den Arbeitgeber. Wer schon heute nach besten Kräften für sein Alter vorsorgt, würde zum Abschluss eines zusätzlichen Vertrages gezwungen, der möglicherweise gar nicht seinen Notwendigkeiten entspricht. Alle anderen die bisher schon nicht freiwillig sparen wollten, werden versuchen einem Pflichtbeitrag durch Ausweichstrategien zu entkommen.

Die bessere Methode um breite Bevölkerungskreise für die betriebliche Altersvorsorge zu gewinnen, sind "Opting-Out" Modelle - Altersvorsorgepläne, die bei einem Beschäftigungsverhältnis automatisch in Kraft treten, wenn der Arbeitnehmer dies nicht innerhalb bestimmter Fristen ablehnt. Die Erfahrungen aus den USA dazu sind positiv und erste Ansätze in dieser Richtung wie etwa in der Chemiebranche, zeigen, wie einfach Lösungen sein können: Dort haben die Tarifpartner beschlossen, dass die vermögenswirksamen Leistungen ab 2006 nur noch gezahlt werden sollen, wenn diese für den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge verwendet werden.


VERGLEICHSRECHNER

mehr

  

Nutzen Sie hier unseren kostenlosen und unabhängigen Service: Wer bietet Ihnen aktuell die besten Zinsen und Konditionen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%