Krankenkassen
„Schau Dir Deine Kosten an!“

Die Honorare der Ärzte steigen im nächsten Jahr kräftig an. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, fordert von den Ärzten Transparenz und von den Kassen Effizienz. Versicherte werden bald brisante Post erhalten.
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Die Krankenkassen brauchen im nächsten Jahr tiefe Taschen. Gestern haben Sie sich mit den Vertretern der Ärzte überraschend schnell in der zweiten Verhandlungsrunde über die Honorare geeinigt. Die Belastung der Krankenkassen dürfte bei rund 800 Millionen Euro liegen.

„Mit Blick auf die langfristige Finanzierbarkeit der gesetzlichen Krankenversicherung ist dieses Verhandlungspaket gerade noch vertretbar“, sagt Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen. Auch wenn die Forderungen der Ärzte mit fünf Milliarden Euro deutlich höher ausfielen, ist das längst kein Kleingeld für die Kassen, die in diesem Jahr im Schnitt wahrscheinlich keine Überschüsse erzielen werden.

„Ich begrüße es sehr, dass es keine lange Hängepartie und auch keine Kampfrhetorik gegeben hat, wie wir sie in vergangenen Jahren erlebt haben“, sagt Jens Baas, Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse in einem Interview mit der digitalen Tageszeitung Handelsblatt Live.

Die Belastungen schmerzen. „Höhere Honorare bedeuten natürlich eine finanzielle Belastung für die Krankenkassen, und sie fällt in ein Jahr, in dem die Finanzsituation wieder deutlich schwieriger wird“, sagt Baas. Insgesamt sei das Verhandlungsergebnis aber „verkraftbar“.

Die Kassen sollten effizienter arbeiten. „Ich rate jedem Kassenchef ganz dringend: Schau Dir Deine Kosten an!“, sagt Baas. Kein Kunde möchte laut Baas zu viel zahlen. „Einige Kassen arbeiten an ihren Strukturen und Verwaltungskosten, andere leider noch nicht“, sagt Baas. Bei den Verwaltungskosten läge das Sparpotenzial der gesetzlichen Kassen laut Baas bei 500 Millionen Euro. Nicht zuletzt deswegen verbiete sich jede Diskussion, ob sich bestimmt Operationen ab einem bestimmte Alter noch „lohnen“.

Der finanzielle Druck auf die Kassen steigt. Im nächsten Jahr sinkt der Beitragssatz von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent. Zur Deckung des Finanzbedarfs dürfen die Kassen aber Zusatzbeiträge erheben. Die Kassen müssen dabei eine perfide Vorgabe einhalten. Der Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes ermittelt Mitte Oktober den theoretisch notwendigen Zusatzbeitrag für die gesetzlichen Kassen. „Alle Kassen, die über dem Durchschnitt liegen, müssen ihre Mitglieder anschreiben und erklären, dass sie teurer sind“, sagt Baas.

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„Allmachtsfantasien“, „Bürokratiewahn“

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  • Im Hochloben sind Sie GRANDIOS. Eure Ärzte sind regelrechte Versager. Da Sie die Meinung anderer Ärzte gar nicht akzeptieren. Euer Defizite und Mängel und Euer Nichts können wird Schlimmer vertuscht als in der DDR. Eure Ärzte sind von der Pharmalobby gekauft, günstiger Medikamente mit anderen Wirkstoffen nehmt ihr vom Markt. Jeder Scharlatan kann sich hier seien Namen draußen an die Türe hängen. Auch wird es Zeit, dass Eltern die Versicherung für ihre Kinder selbst bezahlen. Euer miserables faules Prinzip ist durchschaut. Und für Doping und Extremsport wollen wir nicht bezahlen. Bitte nach dem Verursacherprinzip. Ihr seid die Schweine und wir sollen zahlen. Ihr wendet Gewalt an und wir sollen zahlen. Der Spieß gehört umgedreht. Allein Euer Fehlen bei der Arbeit durch Sport. Wir brauchen Euren Kick nicht. Nehmt Eure Kriminellen vom Markt.
    Ihr habt uns alle krank gemacht, [...]
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • es ist absoluter Quatsch immer wieder zu fordern alle müssen einzahlen. Denn jeder der einzahlt bekommt auch was raus. Das würde bedeuten die große Masse der heute gut 50jährigen würde für ein paar Jahre einzahlen um dann 30 Jahre was raus zu bekommen.

    Das kann und darf nicht sein!

    Im Gegenteil, jeder der einmal als Erwachsener die Pflichtversicherung verläßt sollte nie! wieder rein kommen.Dann würde sich endlich mal so mancher 30jährige Schnösel Gedanken machen und lieber weiter in die Pflichtkasse zahlen. Heute geht der in die private. Wenn er 40 ist macht er 3 bis 6 Monate Erziehungsurlaub, läßt sich dann vom Chef fürs halbe Geld einstellen und ist wieder pflichtversichert.
    Denn mit Kind und Kegel ist die Pflicht ja preiswerter. Sein Gehalt geht natürlich danach nach oben und im Folgejahr gibt es noch nen saftigen Bonus.
    10 Jahre hat die PKV daran kräftig verdient und der Pflicht hat das Geld gefehlt.

    Ganz sicher aber brauchen wir kein "Ranking" dieses wäre wohl vom ersten Moment an schon gefälscht.

    Transparenz bei den Kassen würde ich vorziehen - und jedem Patienten seine Rechnung geben zur Freigabe.

  • Herr BL. Se, Sie haben vollkommen Recht. Insbes. gehören die sog. Altersrückstellungen abgeschafft und sofort an die Versicherten zurück gezahlt. Wie überall, wo der Gesetzgeber meint, den Bürger zu entmündigen und ihm finanzielle Vorsorge vorzuschreiben, ist das Geld auch hier anscheinend einfach weg und veruntreut.
    Aber vielleicht noch ein Tipp aus eigener Erfahrung: Solange der Gesetzgeber uns Krankenversicherten nicht das Vertragsrecht zurück gibt und damit zum Kunden der Versicherungen macht, hilft im Streitfall nur eines: Um in einen akzeptablen deutlich billigeren Tarif bei gleichen Leistungen zu kommen, hilft die Einstellung der Prämienzahlungen. Bei mir reichte schon die Drohung. Die Antwort einer Dame der DKV auf meine Beschwerden am Telefon war bezeichnend: Sie meinte, ich könne mir die hohen Prämien doch leisten. Ja, jetzt kann ich sie mir noch leisten. Jetzt kann ich mich aber auch noch wehren. Wenn ich alt bin und wirklich mal ärztliche Hilfe brauche, die wirklich was kostet, kann ich es mir nicht mehr leisten. Und dann kann ich mich vermutlich auch nicht mehr wehren. Und die stärkste Lobby-Gruppe im Gesundheitsministerium sollten Versicherte sowohl der GKV als auch der PKV sein. Die sollten dann auch mit den Ärzten über die Honorare verhandeln und sich dafür einsetzen, nun endlich das Apothekenmonopol abzuschaffen. Dann sähe die Welt schon ganz anders aus.

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