Krankenkassen Wechsel mit Nebenwirkungen

Wer eine private Krankenversicherung abschließt, bindet sich häufig lebenslang – oder muss den Wechsel teuer bezahlen. Kunden sollten daher die Tarife genau vergleichen. Denn die verlockenden Billig-Angebote schränken die Leistungen oft bedrohlich ein.
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Akupunkturbehandlung: Solche Leistungen bieten die gesetzlichen Krankenkassen häufig nur eingeschränkt an. Quelle: Jochen Zick / Keystone Pressedie

Akupunkturbehandlung: Solche Leistungen bieten die gesetzlichen Krankenkassen häufig nur eingeschränkt an.

FRANKFURT. Viele Versicherungsvertreter wittern schon ein gutes Geschäft. Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin erleichtert Gutverdienern ab 2011 den Wechsel in die private Krankenversicherung. Doch nicht für jeden lohnt der Wechsel.

"Es gibt wahnsinnig viele Fallstricke", sagt Lilo Blunck, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten. "Das ist eine so langfristige Entscheidung." Denn ein späterer Wechsel zu einem anderen Anbieter ist meist mit Verlusten verbunden - oder wenn die neuerliche Gesundheitsprüfung negativ ausfällt, praktisch unmöglich.

Daher warnen Verbraucherschützer, Branchenfachleute und Versicherungsvorstände davor, nur auf den Preis zu schauen. Denn derzeit lautet das Verkaufsargument für eine Privatpolice: "Es geht billiger."

Tatsächlich muss ein Gutverdiener als freiwillig versicherter Kassenpatient derzeit 558,75 Euro im Monat zahlen, Arbeitgeberanteil inklusive. Dagegen fangen Einsteigertarife, wie sie das Hannoveraner Ratinghaus Franke und Bornberg analysiert hat, für einen 35-jährigen Mann schon bei 127 Euro an. Die Billigtarife schränken allerdings die Leistungen ein: keine Kuren oder Reha, keine Psychotherapie, Einschränkungen bei Zahnbehandlung oder Hilfsmitteln. "Ein billiger PKV-Schutz ist eine Illusion", warnt daher Michael Franke, Chef von Franke und Bornberg, der sich durch den Tarifdschungel der Privatversicherer gekämpft hat.

Franke hat Tarife herausgefiltert, die er unter Standardschutz zusammenfasst: möglichst günstige Beiträge ohne bedrohliche Leistungslücken. Diese Tarife haben ihren Preis: Sie kosten teils doppelt und dreimal soviel wie Einsteigertarife. Mit durchschnittlich gut 400 Euro für einen 35-jährigen Mann und rund 490 Euro für eine gleichaltrige Frau sind sie zwar immer noch deutlich günstiger als der Kassenbeitrag für Gutverdiener.

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4 Kommentare zu "Krankenkassen: Wechsel mit Nebenwirkungen"

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  • Es müßte von Seiten des Gesetzgebers mal geprüft werden ob die Geschäftsgebahren der Privaten Krankenkassen überhaupt zulässig sind. Da blickt doch keiner dahinter in welchen Umfang die Kostensteigerungen vertretbar sind. Ein undurchsichtiges Geflecht an Tarifen. Deshalb auf schnellstem Wege eine von höchster Stelle eingesetzte Prüfung machen und wenn nötig per gerichtsbeschluß das ganze verbieten. Am besten die privaten ganz abschaffen und alle bürger sollen in ein gesetzliches System einzahlen müssen. Die privaten hätten genug mit Zusatzversicherungen zu tun. Es kann doch nicht einen Lebenslangen Zwang geben, sich an ein System zu binden in dem nur die Kassen und sonstige Lobbyisten reich gemacht werden.

  • ich habe erfahren, das die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Kunden zusätzlich per Dekret aus berlin, zum kommenden Jahr einen Zusatztarif anbieten müssen, wenn diese z.b. eine ambulante privatärtliche Versorgung wünschen.
    ich sprach daraufhin meine TK Techniker Ersatzkrankenkasse in Hamburg daraufhin an, die nur mit den Schultern zuckte.
    Weiß jemand mehr?

  • Dass Versicherungsberater keine Provision bekommen, ist wenig überraschend. Wofür auch? Das Vermitteln von Verträgen ist dieser berufsgruppe nicht erlaubt (§ 34 e GewO). Nichtsdestotrotz ist der Grundtenor des Artikels sicher nicht falsch - auch wenn das Thema "Altersrückstellungen" nicht einmal angeschnitten wird.

  • Klar, der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung sollte immer gut überlegt sein. Schließlich handelt es sich dabei um eine Entscheidung, die nicht so einfach wieder revidiert werden kann. Zudem, es geht nicht um irgendeine Nebensächlichkeit, es geht um die eigene Gesundheit bzw. die Versorgung im Krankheitsfall. Es geht also um die Absicherung eines elementaren biometrischen Risiko. Wer hier ausschließlich auf Grund eines niedrigeren beitrages wechselt, womöglich in einen billig-Tarif, der wird erleben, dass er sich diese Ersparnis im Falle des Falles SEHR teuer erkauft hat. bei der Frage, ob man in die Private wechseln möchte, geht es zuvorderst um Qualität, um die gewünschte Versorgung im Ernstfall. DAS muss zuerst besprochen werden, danach kann man über Preise reden.

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