Krankenkassen werben: Hotline für Organspender

Krankenkassen werben
Hotline für Organspender

Krankenkassen sollen Mitglieder dazu bringen, Organe zu spenden. So will es das Transplantationsgesetz. Prompt läuft die Aufklärung an. Organspender-Hotlines, Mitgliedermagazine – den Kassen ist jedes Mittel recht.
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DüsseldorfNach Göttingen und München, nun also ein weiterer Organspendeskandal in Leipzig. Ärzte hatten am dortigen Universitätsklinikum Lebertransplantationen bei Patienten vorgenommen, deren Akten im Vorfeld manipuliert worden waren. Kranke waren auf dem Papier kränker – und kamen so im Zweifel schneller an das lebensrettende Organ.

Die Serie von Organspendeskandalen kommt für Deutschlands Krankenkassen und private Krankenversicherer zur Unzeit. Denn erst im November hatte der Bundestag eine Reform des bisherigen Gesetzes zur Organspende, des sogenannten Transplantationsgesetzes, verabschiedet. Fortan sollten Versicherer ihre Mitglieder mehr als bisher über die Organspende informieren.

Drei Viertel der Deutschen seien prinzipiell bereit, nach dem Tod Organe zu spenden, doch nur ein Viertel habe dies auch schriftlich festgehalten. Diese Lücke möchte der Gesetzgeber in Teilen schließen, und so die Überlebenschance für die etwa 12.000 Menschen in Deutschland erhöhen, die auf ein geeignetes Spenderorgan warten.

Deutsche müssen einen Organspendeausweis besitzen, wenn sie als entsprechende Spender zur Verfügung stehen wollen. In anderen Ländern, etwa in Spanien, ist es umgekehrt: Wer sich nicht zu dem Thema äußert, wird automatisch als Organspender in Betracht gezogen. Hierzulande argumentieren Politiker, jeder Bürger müsse zumindest selbst die Entscheidung treffen. Ein Jahr lang, jetzt noch bis Ende Oktober 2013, haben Barmer, AOK und Co. Zeit, sich über den Internetauftritt hinaus schriftlich an die Versicherten zu wenden, um für die Organspende zu werben – und gegen die Verunsicherung anzukämpfen.

Dabei verfolgen die Krankenkassen und privaten Krankenversicherer unterschiedliche Strategien, was den richtigen Zeitpunkt dieser „Aufklärung“ angeht. Unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes hat nur eine der großen gesetzlichen Krankenkassen, die Techniker Krankenkasse (TK), an ihre sieben Millionen Versicherten eine Sonderausgabe des Mitgliedermagazins versandt. Die Aktion sei durchaus auf Resonanz gestoßen, heißt es.

Rund 15.000 TK-Versicherte hätten auf der eigens eingerichteten Hotline oder beim Infotelefon Organspende der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA) angerufen und sich vor allem erkundigt, ob sie selbst als Spender in Frage kommen. Allerdings bewegten auch ethische Fragen, etwa ob Hirntod wirklich Tod bedeute, weiterhin die Menschen, sagt ein TK-Sprecher.

Die Barmer-GEK will erst Ende März in die Offensive gehen und ihre rund 8,7 Millionen Versicherten auf das Thema aufmerksam machen. Die DAK will sich im April, ebenfalls vor allem über ihre Zeitschrift, an die rund 5,7 Millionen Versicherten wenden.

Während die AOK Bayern im ersten Quartal 2013 mit entsprechenden Infoschreiben startet, hat die AOK Rheinland/Hamburg bereits zum Jahresende die ersten 125.000 Mitglieder angeschrieben. Um die Versicherten zu motivieren, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen, setzt die Kasse auf eine Hotline sowie auf eine bunte Klappkarte mit Informationen und einem beigelegten Organspendeausweis. 

Die Debeka, Deutschlands größte private Krankenkasse, will noch bis zum Sommer damit warten, ihre rund 4,7 Millionen Versicherten mit dem Thema Organspende zu konfrontieren.

 
Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

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