Krankenversicherung
Geringe Resonanz auf Schuldenerlass

Seit 2007 gilt in Deutschland eine Versicherungspflicht. Wer noch nicht versichert ist, muss die Beiträge eigentlich nachzahlen, sobald er sich versichert. Von der Befreiung der Nachzahlung macht kaum wer gebrauch.
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BerlinKurz vor Ende der Frist zum Schuldenerlass in der gesetzlichen Krankenversicherung haben sich bislang nur wenige tausend Nichtversicherte gemeldet. Wie eine Sprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Freitag in Berlin erklärte, sind seit August rund 5000 Menschen, die bislang nicht krankenversichert waren, bei einer Kasse aufgenommen worden. Ihnen wurden insgesamt Beitragsschulden in Höhe von mindestens 15 Millionen Euro erlassen.

Seit 2007 gilt in Deutschland eine Versicherungspflicht. Seit 2009 gilt dies auch für privat Versicherte. Laut Bundesamt für Statistik sind in Deutschland rund 137.000 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz.

Wer sich bislang noch nicht angemeldet hat, muss die Beiträge samt Säumniszuschlägen eigentlich nachzahlen, sobald er sich bei einer Krankenkasse anmeldet. Dadurch sind bei vielen Betroffenen sehr hohe Schulden aufgelaufen. Der Gesetzgeber erließ daher zum 1. August einen Beitragsschulden-Erlass für diejenigen, die sich bis zum 31. Dezember 2013 bei einer Kasse anmelden. Damit sollte Betroffenen der Ausstieg aus der Spirale aus steigenden Beitragsschulden und Säumniszuschlägen ermöglicht werden.

Der gesetzliche Schuldenerlass stieß aber offensichtlich auf weniger Resonanz als erwartet. So haben sich bei der Barmer GEK nach Angaben eines Sprechers bis Ende November lediglich 345 Nichtversicherte angemeldet. Als ein Grund für die geringe Nachfrage wird in Kassenkreisen vermutet, dass zahlreiche Betroffene, etwa kleine Selbstständige, sich aus finanziellen Gründen nicht melden. Sie befürchten offenbar, auch in Zukunft ihre Beiträge nicht zahlen zu können.

Wer sich erst nach dem 31. Dezember bei einer Kasse meldet, bekommt nicht mehr die vollen Beitragsschulden erlassen, sondern erhält eine Ermäßigung. Auch die inzwischen aufgelaufenen Säumniszuschläge müssen die Betroffenen nicht zahlen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Hallo,
    ich habe in diesem Jahr den Fall gehabt, dass ich nach einem längeren Auslandsaufenthalt eine erhebliche Summe nachbezahlen musste, um wieder der KK beitreten zu können. Kann ich nach dieser neuen Regelung nun auch nachträglich die Schulden erlassen bekommen und die Summe zurück fordern? Freu mich auf Antwort.

  • "EUR 140,00/Monat"? Das ist immer noch sehr teuer.

    60 EUR/Monat waeren wohl von jedem bezahlbar, stattdessen zahle ich 160 EUR pro Monat obwohl ich keine Medikamente brauche und mich kaum mehr als 1, 2 mal im Jahr ein Arzt sieht.

    Fairerweise sollte fuer die gesetzliche KK ein guenstiger Basistarif eingefuehrt werden der wirklich nur das Allernoetigste abdeckt fuer Leute die eigenverantwortlich mit ihrer Gesundheit umgehen, keine riskanten Sportarten ausfuehren und bereit sind einen hoeheren Eigenanteil zu zahlen.

    Stattdessen wird auch viel ueberfluessiger Schnickschnack erstattet oder bezuschusst und die Leidtragenden sind die die Schwierigkeiten haben fuer die ueberteuerten KV-Tarife aufzukommen.

    Z.B. wird jetzt von immer mehr Krankenkassen die prof. Zahnreinigung bezuschusst (siehe
    www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/studie-immer-mehr-kassen-bezuschussen-zahnreinigung/9233386.html ) obwohl erst vor kurzem der Medizinische Dienst der Krankenkassen bestaetigt hat dass sie meist nutzlos ist:

    "Selbstzahler-Angebote in den Praxen bringen dem Arzt zwar Umsatz, den Patienten nach Ansicht der Krankenkassen aber meist keinen klaren Mehrwert. Gerade bei den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die am häufigsten verkauft werden, sei praktisch nichts mit deutlich erwiesenem Nutzen dabei, teilte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) am Mittwoch in Berlin mit.

    Das gelte im Großen und Ganzen etwa für Ultraschalluntersuchungen der Brust zur Krebsvorsorge, der Früherkennung von Grünem Star (Glaukom), der Früherkennung von Prostatakrebs oder der professionellen Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Paradontitis. „Die Mehrzahl der IGeL-Leistungen schneidet nicht gut ab, einige sogar sehr schlecht“, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick."

    siehe www.az-online.de/leben/gesundheit/krankenkassen-halten-selbstzahler-angebote-beim-arzt-sinnlos-zr-2811103.html

  • Nun ja, allzu offensiv wurde das ja auch nicht kommuniziert. Davon ab: wer bis heute keine Mittel hat sich zu versichern wird sie so schnell auch nicht nächstes Jahr haben. Einem nackten Mann (oder einer Frau^^) kann man eben nicht in die Tasche greifen. Wichtiger und zielführender wäre ein kostendeckender personenbezogener Beitrag; dieser liegt bei ca. EUR 140,00/Monat (ohne PV).

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