Krankenversicherung
Privat schlägt gesetzlich

Die Privaten werden wieder konkurrenzfähiger – dank Unisex. Während die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen, senken einige private Anbieter sogar ihre Prämien. Was Privatpolicen jetzt kosten.
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DüsseldorfOhne Krankenversicherung geht es nicht, egal ob privat oder gesetzlich. Doch ärgerlich bleibt für viele, dass dieser Schutz immer teurer wird. Und da ist es völlig egal, ob man in der in der privaten oder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist. Für Unmut sorgt zudem immer wieder, dass einige Patienten still und heimlich in den Praxen der Ärzte bevorzugt werden.

2013 schien es sogar so, als könne die private Krankenversicherung (PKV) abgeschafft werden. Doch nach der Wahl ist davon keine Rede mehr. Im Gegenteil. Die Privaten haben ihre Hausaufgaben gemacht und ihr Tarifwerk gründlich überarbeitet. Und die Krankenkassen schwimmen im Geld – dank der guten Konjunkturentwicklung.

Also Seligkeit auf allen Seiten? Das dürfte nicht mehr lange so bleiben. Experten fürchten schon, dass es im kommenden Jahr wieder zu Zusatzbeiträgen in der GKV kommen könnte. Und gut verdienende Mitglieder der Krankenkassen haben bereits festgestellt: Sie zahlen wieder mehr. Denn wie in jedem Jahr steigen die Grenzen, an denen sich die Beiträge bemessen. 

Das heißt: Wer 4050 Euro oder mehr im Monat verdient, zahlt nun 627,75 im Monat an seine gesetzliche Krankenkasse. Das sind rund 18 Euro oder drei Prozent mehr als bisher. Rechnet man noch für einen Kinderlosen die Pflegeversicherung hinzu, dann steigt die monatliche Belastung auf rund 720 Euro. Das sind stolze Beträge, auch wenn die Steigerung eher unter dem langjährigen Mittel liegt.

Um Gutverdiener kämpfen GKV und PKV vor allem. Schlecht für die Krankenkassen ist da, dass die Privaten bei ihren aktuellen Tarifen derzeit durch große Stabilität glänzen. Bei drei Viertel der mehr als 1000 Unisex-Tarife bleibt der Beitrag konstant. Bei knapp einem Viertel sinkt er sogar, teilweise sogar zweistellig. Nur in relativ wenigen Tarifen haben einige wenige Versicherer die Prämien angehoben.

Dies geht aus einer Auswertung hervor, die die Freiburger KVpro.de GmbH für Handelsblatt Online erstellt hat. Basis dafür waren 1123 Unisex-Tarife der PKV. Insgesamt nahmen die Spezialisten 1173 Tarifkombinationen unter die Lupe. 828 davon sind echte PKV-Tarife mit Einzel- oder Mehrbettzimmer sowie Privatarzt. Doch nicht nur beim Thema Beitrag punktet die PKV im Vergleich zur GKV.

 

Kommentare zu " Krankenversicherung: Privat schlägt gesetzlich"

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  • Zum Stichwort "Niedrigzinsumfeld" ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass wir bereits im Jahr 2012 eine Trendwende bei den Kapitalanlageergebnissen hatten. Der Branchenschnitt der PKV erhöhte sich um 0,13% auf 4,21%!
    Spitzenreiter war eine PKV, die durchschnittlich 5,16% erwirtschaftete.

    Das genannte Beispiel des Beamten mit den "hohen zu erwartenden Beiträgen" im Alter ist in soweit nicht korrekt, da sich der Beihilfeanspruch als Pensionär von 50% auf 70% erhöht. Insofern muss er nur noch 30% statt 50% im Alter privat versichern, sein Beitrag wird dadurch im Alter sogar deutlich günstiger.

  • Nun, die Niedrigzinspolitik führt dazu, dass sich die Altersrückstellungen der PKV schlechter verzinsen. Wenn sich 40.000 Euro mit 1,5% statt 4,5% verzinsen, fehlen monatlich 100,00 Euro und die Rückstellung verbraucht sich schneller. Rechnet man dann noch den techn. Fortschritt ein und ein allg. Kostenansttieg im Gesundheitswesen, dann kann es in 10 - 20 Jahren wirklich eng werden. Ich bezahle bei 50% iger Absicherung meiner Kosten für mich alleine 310 Euro/Monat. Bei der GKV ist im Beitrag die gesamte Familie enthalten. Also, wenn man 1 +1 zusammenzählen kann, dann wird der Spaß für mich im Alter richtig teuer werden wird, wobei man der vielgescholtenen Debeka zugute halten muss, dass sie ihre Altersrückstellungen realitätsorientiert kalkuliert. Bei der GKV spielen die Rückstellungen keine Rolle, im Zweifel kann man noch die PKV abschaffen und sich deren Rückstellungen krallen.

  • Andere Umfragen ergeben ein anderes Ergebnis als das von "KvPro".

    "Die Privaten werden wieder konkurrenzfähiger."
    Das verstehe ich nicht. Die PKV ist und war doch bisher schon konkurrenzlos.

    Was ist mit Versicherten ab 55 Jahren. Wo sollen die denn hin, wenn ein PKV Anbieter nur zwei unterschiedliche Tarife anbietet, und der Versicherte bei einem Wechsel zu einer anderen PKV die Altersrückstellungen verliert.

    Im Leistungsumfang unterscheiden sich GKV und PKV nicht großartig. Einzig der Faktor höherer Gebührensatz für Ärzte von der PKV bedingt eine schnellere Behandlung.

    Alle Umfragen zu GKV oder PKV kann man schön reden oder negativ bewerten.

    Lasst doch die Versicherten mal reden.
    Warum werden die Versicherten in Deutschland egal ob GKV oder PKV nicht mal befragt, wie sie ihre Krankenversicherung bewerten.
    Man kann die beiden Systeme nicht vergleichen.
    GKV hat zuviele Versicherte die nichts für die Behandlungen bezahlen müssen. Die PKV plant mit Lebenserwartungen und Ausgaben die kein Mensch überprüfen kann, und am Ende reichen weder Altersrückstellungen noch die hohen Beiträge um über die Runden zu kommen.
    Gewiss ist nur eines, einzig das GKV System ist auch in Zukunft für den einzelnen Versicherten bezahlbar, weil sich die Tarifsteigerungen wohl immer an dem Einkommen und den Renten orientieren werden.
    Die Tarife der PKV werden wohl ausufern, ohne dass die Alten und Kranken etwas unternehmen können. Da wird es wohl keine Deckelung nach oben geben.

    Das schlimme daran ist, dass jetzt endlich eine Reform des Gesundheitssystems erfolgen muss.

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie weit man Versicherte zwingen kann, ihre Rente alleine für Kranken und Pflegeversicherung hinzulegen.

    Mich wundert es, warum die Politik sich nicht an Krankenversicherungssystemen in anderen Ländern orientiert.
    Oder warum macht man sich nicht für einen EU weiten
    Versorgungsmarkt in der Gesundheitsversorgung stark.
    Irgendwie muss das ganze doch für alle bezahlbar sein.

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