Krankenversicherung Privatpatienten tappen in die Zinsfalle

Privatversicherte müssen mit höheren Beiträgen rechnen. Ihre Altersrückstellungen werden künftig niedriger verzinst. Millionen Kunden sind davon langfristig betroffen. Wer schwächelt und was den Versicherten droht.
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Die Altersrückstellungen der meisten PKV-Kunden werden derzeit noch mit mindestens 3,5 Prozent verzinst. Doch diesen Rechnungszins schaffen viele Versicherer nicht mehr. Quelle: Getty Images

Die Altersrückstellungen der meisten PKV-Kunden werden derzeit noch mit mindestens 3,5 Prozent verzinst. Doch diesen Rechnungszins schaffen viele Versicherer nicht mehr.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Serie von Negativnachrichten für die private Krankenversicherung (PKV) reißt nicht ab. Nun wird der Leitzins der Branche wieder zum Thema für die Versicherten. Gemeint ist nicht der Leitzins der Europäischen Zentralbank, der die Sparer derzeit umtreibt, sondern der sogenannte Rechnungszins.

Mit diesem Satz werden die Altersrückstellungen verzinst, die in späteren Jahren den Beitragsanstieg in der PKV dämpfen sollen. Dieser Zins beträgt derzeit für die neun Millionen Altkunden 3,5 Prozent. Er ist damit viel höher als der Garantiezins der Lebensversicherung, der nur noch 1,75 Prozent beträgt.

Doch 18 Unternehmen reißen aktuell diese Marke – und das zum Teil erheblich, wie aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Harald Weinberg hervorgeht, die Handelsblatt Online vorliegt. Die von den Mathematikern der Deutschen Aktuarvereinigung ermittelten Werte lägen zwischen 2,86 Prozent und 3,48 Prozent, schreibt der parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk.

Das heißt: Diese 18 Krankenversicherer müssen den Rechnungszins in ihren Tarifen absenken. Die Folge davon sind höhere Beiträge, denn die Kunden sollen ja in gleicher Höhe wie bisher für niedrige Beiträge im Alter vorsorgen.

Die konkrete Höhe dieser Rücklage ist dabei von Tarif zu Tarif und Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.  Als Faustregel gilt für Verträge ab dem Jahr 2000: Mindestens zehn Prozent des monatlichen Beitrags, in der Regel aber mehr, sollten vom Versicherer in die Altersrückstellung wandern und dann mit dem jeweiligen Rechnungszins pro Jahr bedient werden.

Die Zinsprobleme der 18 Anbieter könnten sich für die betroffenen Kunden frühestens Anfang 2014 auswirken, erwartet das Finanzministerium. Wie stark am Ende in den jeweiligen Tarifen die Beiträge steigen, ist derzeit aber noch unklar. Dies kann von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich sein und hängt auch von der jeweiligen Finanzkraft des Unternehmens ab.

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76 Kommentare zu "Krankenversicherung: Privatpatienten tappen in die Zinsfalle"

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  • Ich hatte mich auf hallogkv.de mit meiner email eingetragen. Die Antwortmail hat zwar etwas gedauert (scheint nicht automatisiert zu sein), aber der Informationsgehalt war hoch bis sehr hoch. Der Anbieter ist tatsächlich ein Versicherungsmakler, der mich anschließend per newsletter über Neuigkeiten zur GKV und PKV gleichermaßen informierte. Insgesamt sehr seriöser Auftritt, gute bis sehr gute KV-Informationen vor allem für die Älteren unter uns. Bislang kein Grund zur Beanstandung.

  • Dieses Gequatsche gewisser Parteien wie SPD ... mit Negativpunkten zu PKVs kann ich langsam nicht mehr hören. Sicherlich gibt es bessere und schlechtere PKVs und nicht jeder ist gleich gut in den PKVs aufgehoben. Ich bin seit mehr als 25 Jahren bei der Debeka (Vollversicherung da Angestellter)und bereue bis heute nicht diesen Schritt. In diesen 25 Jahren habe ich immer deutlich weniger KV-Beitrag bezahlt als im Vergleich zur gesetzlichen KV. Wenn ich diese 25 Jahre Ersparnis zusammenzähle, da kommt dann ein stattliches Sümmchen zusammen. Habe einige Kapitallebensversicherungen, die demnächst ausbezahlt werden. Wäre ich bei der GKV würde sich diese an diesen Geldern auch noch vergreifen und Krankenkassenbeiträge verlangen. Die PKV lässt mich in Ruhe. Die Ärzte verdienen an den PKV Patienten wesentlich mehr als an den GKV Patienten. Trotzdem sind die PKVs nicht alle pleite, obwohl sie mehr an die Ärzte zahlen müssen. Was sagt mir das: die PKVs können besser wirtschaften als die GKVs. Was glauben die Schlaumeier von der SPD und den Grünen eigentlich was passiert, wenn es die PKVs nicht mehr gibt und somit den Ärzten eine große Einnahmequelle wegfällt?
    Wer die Möglichkeit hat wird ins Ausland gehen, wo er mehr verdient. Nur die schlechten Ärzte bleiben dann noch in Deutschland.

  • Ich wäre da vorsichtig.

    Wenn man kurz recherchiert verbirgt sich ein Versicherungsmakler aus Potsdam dahinter.

    Ich denke mal, wenn Sie Ihre E-Mail Adresse angeben, wird er vermutlich versuchen gegen ein Honorar Ihre Private Krankenversicherung günstiger zu machen.

    Das können Sie über einen seriösen Vermittler Ihrer Gesellschaft auch kostenlos haben z.B.Wechsel in einen Tarif mit besserem Preis-Leistungsverhältnis, andere Selbstbeteiligung oder Leistungsinhalte etc.

  • Gibt es einen Weg zurück von PKV zur GKV auch für über 55 jährige.
    Das wird hier behauptet. Kennt jemand diese Seite, ist das ganze seriös.
    www.hallogkv.de

  • Niemand schreibt, dass die PKV den gleichen Schutz wie die GKV bietet. Es ist allerdings einen besseren Schutz zu vereinbaren, wenn das gewünscht wird. Sicherlich kann da auch mal die GKV in "Segmenten" besser sein. Aber Segmente hört sich nicht nach viel an ;)

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die PKV zwangsweise alle behalten möchte und sich einer Rückkehr in die GKV verschließt. Allerdings wird sich die GKV freuen, wenn die Jungen und Gesunden in die PKV flüchten. Schön Beitrag sparen und im Alter die GKV beanspruchen und das auch wieder zu möglichst keinem Geld. Evtl. muss man sich auch mal vergegenwärtigen, dass Gesundheit auch etwas kostet. Und man nicht immer nur sparen kann.
    hound_dog beschwert sich nicht über die PKV, sondern über die kostenlose Familienversicherung in der GKV und die damit verbundenen Ungleichbehandlung.

  • Nicht nur denen die mit der PKV zutun haben sondern ALLEN Bürgern geht es mit der Bürgerversicherung schlechter.

    Schauen Sie sich mal die Niederlande oder England an. Das ist 2-Klassenmedizin in Reinkultur mit der Bürgerversicherung. In England warten bis zu 6 Monaten auf eine OP, wenn denn überhaupt noch operiert wird.

    Staatliche (Zwangs)-Systeme sind leider immer ineffizient und teuer. Allein die Tatsache, dass gesetzliche Reglementierung großen Teien der Bevölkerung zwangsweise eine private Vollversicherung vorenthält zeigt doch, dass die staatliche aufgezwungene Variante nicht die bessere sein kann.

    Es gibt internationale Vergleiche von allen OECD-Ländern wo untersucht wurde, wie ausgeprägt die Rationierung des Gesundheitssystems ist.

    In ALLEN einheitlich organisierten Systemen wird über Wartezeiten, Leistungsausschlüsse und Zuzahlungen und Begrenzung der Wahlleistungen rationiert. Kollektiv finanzierte Systeme führen zu weitaus größeren Versorgungsunterschieden als unser jetziges DUALES System in Deutschland.

    Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass durch die BÜRGERZWANGSVERSICHERUNG das Gesundheitsystem in Deutschland gerechter würde.

    In der Gesamtbetrachtung schneidet Deutschland mit seinem umfangreichen medizinischen Versorgungskatalog, den geringen Wartezeiten und Zuzahlungen sowie der großen Patientenautonomie bei der Auswahl an Ärzten und Krankenhäusern gut ab.

    Hier stehen in ausreichender Anzahl und auch weitergedachte Argumente, die man sich gut durchlesen sollte, bevor man ein gutes und funktionierendes Gesundheitssystem ohne Notwendigkeit zerstören will:

    https://www.pkv.de/positionen/buergerversicherung



  • @Leser,ich verstehe wenn alle die mit PKV zu tun haben, und davon gut leben in ein Horn blasen, und die PKV als unverzichtbar hinstellen."Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Es geht ja den PKV Kritikern auch nicht darum die PKV abzuschaffen. Sondern eher darum ob man PKV als Vollversicherung in der jetzigen Form braucht. Warum soll der PKV Versicherte für teils identische Leistungen, die auch ein GKV Vertrag beinhaltet dem Arzt einen Mehrfachen Gebührensatz ermöglichen. Diese Mehrleistung muss die PKV zuerst mal erwirtschaften, was bedeutet der PKV Kunde muss dies durch höhere Beiträge leisten.
    Deshalb kann es doch nur logisch sein, dass gleiche Leistungen bei GKV und PKV gleiche Preise haben müssten, und der Kunde die auch bei der PKV erhalten muss. Höhere Beiträge können sich doch nur durch zusätzliche und besser Leistungen generieren. Wenn man nun aber das wirtschaften der PKV betrachtet, so will man sämtliche Lobbygruppen wie Ärzte,Krankenhäuser etc. mit den Beitragseinahmen bedienen und nicht verprellen. Gleichzeitig sind keine großen Zinsgewinne mehr zu erzielen. Die Rechnung kann logischerweise nicht mehr aufgehen, ohne immer höheren Tarifsteigerungen. Deshalb wäre es nur fair wenn man Leistungen die GKV und PKV gleich anbietet auch bei beiden zu gleichen Konditionen erhalten soll. Wie nun die Aufteilung erfolgen soll ist eine Sache des Gesundheitsministeriums. Macht man das ganze nicht, entsteht bald die Situation das die Krankenkassenbeiträge entscheiden, was zum leben übrig bleibt. Wenn dann PKV Rentner zum Bitsteller für zusätzliche Sozialzuschüsse werden, kann man doch nicht von einem guten System reden. Die PKV sollte endlich mal dem Kunden Public machen, wie sie das ganze aufrecht erhalten will, und was in Zukunft auf einen zukommt. Politik und PKV wissen mehr, tun aber nichts. Lobbyerhalt mit aller Macht.
    Kein Thema mehr??????
    http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:private-krankenversicherung-schwer-angeschlagen/60136364.html

  • Die Politik sollte sich endlich mal die Info's und Fakten anschauen und verantwortlich damit umgehen.

    Sie finden Sie auf

    www.buergerversicherung-nein-danke.de

    Kommunisten wollen immer, dass andere, Besserverdienende ihnen die Taschen füllen. Es wurde nicht 40-50 Jahre Aufbauarbeit in der PKV geleistet, um das mir nichts - dir nichts an die Kommunisten zu verlieren (siehe Thema 170 Mrd.Altersrückstellungen in der PKV).

    Wir brauchen keine staatlich verwaltete Einheitskasse die uneffizient und teuer und gänzlich ohne jeden Systemwettbewerb sich ein "ruhiges Leben" macht. Ohne den fehlenden Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV wird es wie in vielen anderen Ländern üblich eine forcierte Rationierung und eine echte 2-Klassen-Medizin in Abhängigkeit vom Geldbeutel geben.

    Es ist doch vollkommen sinnfrei und ein offener Widerspruch einerseits einer einheitlichen Versorgung aller Bürger das Wort zu reden und gleichzeitig eine freiwillige und differenzierte Zusatzversorgung mit Zwei-Klassen-Charakter zu fordern.

    Zudem zeigt die Einführung der neuen Unisextarifwelt in der PKV sehr wohl, dass diese handlungs- und auch zukunftsfähig sind. Es wurde auf die aktuelle Zinssituation reagiert, die Einsteigerprodukte dünnen sich weiter aus, das Angebot ist deutlich übersichtlicher und auch leistungsstärker geworden. Insgesamt hat es eine Reduzierung der Tarifangebote von ca. 50%-65% gegeben, was der Übersichtlichkeit für den Verbraucher sehr zu Gute kommt.

  • @kleineInfo,
    wie auch das Beispiel von hound_dog zeigt, muss unsere Regierung doch endlich mal handeln. Es kann doch nicht sein, dass Menschen die immer arbeiten, durch zu hohe Krankenkassenbeiträge in Armut gelangen. Wenn sich die PKV ihrer Daseinsberechtigung und Kundenzufriedenheit so sicher ist, könnte sie doch den Versicherten in Verbindung mit unserer Politik die Wahl zum Ausstieg bieten. Jeder hätte sein Gesicht gewahrt, und die Diskussionen um die PKV würden verstummen.

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