Was wir von den Holländern lernen können

Krankenversicherung
Was wir von den Holländern lernen können

Die Niederlande haben seit 2006 eine Krankenversicherung für alle. Solch eine Bürgerversicherung wollen auch SPD, Grüne und Linke. Eine Blaupause liefern die Nachbarn nicht. Aber die Deutschen könnten es besser machen.
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DüsseldorfAndere Länder, andere Keime. „30 Jahre lang war Hygiene egal, das wird auch an den Unis nur dünn gelehrt“, sagt eine Hygiene-Ärztin. In der Pflege gehört Hygiene fest zur Ausbildung, im Krankenhaus nicht. Ganz im Gegensatz zu unseren Nachbarn. 

In den Niederlanden kommt kein Patient in den OP oder auf eine Station, bis er nicht auf multiresistente Keime gecheckt ist. Ein Schnelltest dauert eine Stunde und kostet 20 Euro. In Deutschland gilt diese Vorsichtsmaßnahme nur für „Risikopatienten“. Die Niederlande überwachen außerdem streng die Antibiotika-Verordnungen. Auch das senkt die Resistenzrate – genauso wie die Zahl der Todesfälle.

Klingt gut, doch genauso gut ließen sich jede Menge Beispiele finden, wo es im Gesundheitswesen der Niederlande nicht rund läuft. Wer nun das deutsche mit dem niederländischen System vergleichen will, steht vor einem Dilemma. „Das zentrale Problem bei diesen Vergleichen ist, dass Gesundheitssysteme ja aus ganz vielen Elementen bestehen, und man in einer soliden, unvoreingenommenen Analyse nicht wirklich solide sagen kann, welche Features mit welchen Merkmalen zusammen hängen“, sagt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, der an der Universität Duisburg Essen lehrt.

Dennoch kommen Systemvergleiche im Gesundheitswesen wieder in Mode. Der Grund: Es steht im Herbst eine Wahl an. Zwar schwimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), in der hierzulande 70 Millionen Menschen versichert sind, derzeit im Geld, dank der guten Beschäftigungslage. Doch das könnte sich auch schnell wieder ändern.

SPD, Grüne und Linke haben sich zudem programmatisch auf irgendeine Form von Bürgerversicherung festgelegt. Vor solch einer Einheitsversicherung im Gesundheitswesen hat vor allem die private Krankenversicherung (PKV) Angst. Rund neun Millionen Menschen sind dort voll krankenversichert. Das ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, allerdings ein wichtiger: Viele Beamte zählen dazu, Selbstständige und gut verdienende Angestellte.

Die PKV ist es auch, die seit einigen Jahren jegliche Ideen zur Bürgerversicherung kritisch hinterfragt. Dabei spielt auch die Niederlande immer wieder eine Rolle, weil dort bereits seit 2006 eine Einheitsversicherung existiert und dieses System auch bei vielen Politikern einen guten Ruf genießt. Eine PKV-Studie kam bereits 2010 zum Ergebnis: „Das System schneidet keineswegs so gut ab, wie in der politischen Diskussion in Deutschland in der Regel vermittelt wird.“

 

Kommentare zu "Was wir von den Holländern lernen können"

Alle Kommentare
  • Vor allem, wie man zur WM fährt ;-)

  • Europa hat uns leider gezeigt, dass man in der Gemeinschaft ausgeraubt wird!!!!
    Europa, ein Bündnis von Schmarotzern!!!

  • und wir können lerne, vor was unsere Freunde, die Bankster wirklich Angst haben.

    Schlimmer als Zuchthaus ist für Politiker, Beamte und BaNKSTER; DASS SIE DAFÜR GERADE STEHEN SOLLEN; WAS SIE ANGERICHTET HABEN:

  • "Verringerung des Bundeszuschusses, was die Krankenkassen natürlich gar nicht gut finden. "
    Aber gestern sprangen die Aktien der Krankenhauskonzerne in die Höhe, weil Herr Bahr 1Mrd. direkt an die Konzerne herüberrreichte. Die gelder gehen also nicht mehr den Umweg über die Krankenkassen, sondern direkt an die Eigner der Unternehmen!

    Aber das ist doch ein Fortschritt!!!!!!!!!!

  • Eine Krankenkasse für alle setzt auch eine andere politische Einstellung und Zielsetzung voraus.
    In Deutschland wäre es unmöglich, den gleichen erfolg damit zu erzielen, weil die bestehenden Strukturen ja nicht saniert würden. Deshalb ist es naiv und fahrlässig so zu tun, als ob eine Einheitskasse die Probleme lösen würde, die sie nicht lösen kann.
    Interessant wäre es mal zu untersuchen, worin der erfolg des holländischen Modells liegt, vor allem hinsichtlich der Kostenstrukturen. Denn bisher kann ich den Erfolg nicht an der Tatsache nachvollziehbar festmachen, das es eine Einheitskasse ist. Dafür muss es andere Gründe geben, die auch ein Mehrkassensystem erst mal verbessern würden.

    H.

  • An karstenberwanger, was Sie da schreiben lässt jeden halbwegs intelli-

    genten Menschen erkennen woran er bei Ihnen ist.

    Ihre Formulierung kann ich gut verstehen, trifft die nicht auch auf Sie zu?



    Das Problem ist "Hausgemacht" von der Politik und betrifft nicht nur

    "Randgruppen", bei denen geht es ganz einfach um "Überleben"



    Es gibt in allen Völkern "Solche" und eben auch "Andere" Sie dürfen

    sich gerne aussuchen zu "Welchen" Sie gehören und ob die "Anderen"

    etwas mit Ihnen zu tun haben wollen oder Sie aus reiner Nächstenliebe

    nicht Ihres Landes verweisen und auch keine "Stütze" mehr sind.



    An die Redaktion,

    Die prozentualen Steigerungen in der PKV haben Sie sich bestimmt von

    der selbst unterschieben lassen und sind auf deren "Fake" reingefallen

    oder Sie machen Männchen und biedern sich einfach nur an.

    Diese Zahlen stimmen so nicht, aber vielleicht bin ich ja nur einer von

    Allen und eine Ausnahme.....

    Denn mit dem Jahr 2000 und der danach folgenden Euroeinführung,

    (Mit dem Wort "Einführung" lassen sich hübsche Wortspiele machen...)

    hat das Preiskarussell Spiel- und Zockerbanken- Gestalt angenommen



    Ich wäre schon froh, wenn die Angabe Ihrer "Prozentualstatistik" auch

    meinen Beitrag betroffen hätte.



    Lug - Betrug - Statistik, oder glaube keiner Statistik, ausser du hast Sie

    selbst erstellt (bzw. gefälscht, beschönt, verpackt und die Leute einfach

    an der Nase rumgeführt und ver....scht... wie der Maschmeier ohne "M",

    aber mit "errrrrr"...)



    Anscheinend leben wir in einem Land von "Schwanzgesteuerten" SUV

    Fahren und so ist auch deren Politik. Die sind alle zu klein gewachsen

    und müssen sich andersweitig profillieren.



    Mal im Ernst lustig ist anders, Leben und Leben lassen, das zählt

    alles nichts mehr, statt dessen geht es nur um Macht und die möglichst

    perfide als Missbrauch einzusetzen ohne Maß aber mit Kalkül schön
    manipuliert.

  • Als Durchschnittsrentner und PKV- Versicherter macht der PKV- Beitrag bei mir die zweitgrößte Kostenposition aus.
    Die dreisten Beitragserhöhungen, bei mir die DKV, gegen die man sich ja nicht wehren kann sind ein permanentes Ärgernis- sind es nicht die Monatsbeiträge die sich erhöhen, steigert sich die Selbstbeteiligung. Zudem werden Tarifwechsel mit Leistungsausschlüssen/Zuschlägen erschwert, sodass man wieder auf den alten Zahlungen hängen bleibt.
    Allein aus Finanznanzierungsgründen wird die Bürgerversicherung kommen - bei einer Stichtags-
    lösung, meint raus außer PKV und rein in die Burgerversicherung die wohl in der Diskussion ist- bin ich sofort dabei.
    Das Abkassiermonopol der PKV und der Gesundheitsindustrie ist überholt, ungerecht und unsozial.
    Obwohl eher der CDU zugeneigt, werde ich im September nur der Partei die Stimme geben, die die Burgerversicherung am ehesten durchsetzen kann.
    Vielleicht schleift Frau Merkel aber ja auch noch die Bastion der PKV, nachdem ihr das ja auch bei Atomenergie und Wehrpflicht gelungen ist.

  • Die Idee der "Bürgerversicherung" ist im Wesentlichem der Versuch die Altersrückstellungen der PKV zu enteignen und auszugeben, um durch einen kurzfristigen Boom einen Wahlsieg zu erreichen.
    Die PKV wird wohl durch Kapitalmarktturbulenzen Probleme bekommen, dies ist jedoch nichts gegen die zu erwartenden demografischen Probleme der GKV. Schon in den heute sehr günstigen demografischen Situation kann die GKV die gewohnten Leistungen nur über Quersubvention durch PKV-Patienen und Substanzverzehr der Versorgungsinfrastruktur aufrechterhalten. Anders als im Artikel angedeutet, ist die GKV nicht nur in Arztpraxen subventionsbedürftig, sondern in den meisten anderen Versorgungseinrichtungen (Krankenhaus, Apotheken, Pharma) ebenfalls.
    Meine Prognose: Die PKV wird überleben, die GKV wird zu einer Grundversorgung die mit privaten Zusatzversicherungen aufgestockt werden muss.

  • mondahu hat immer noch seine deutsche PKV, die ihm ohne wenn und aber auch seine ausländischen Behandlungskosten ersetzt. Angeregt durch diesen Artikel hat er nachgerechnet, im holländischen Eiheitssystem würde er monatlich fast 100 € mehr bezahlen und hätte folgende Nachteile:
    1) Leistungseinschränkungen,
    2) nicht den Vorzug Privatpatient zu sein (kaum Wartezeiten, direkter Facharztzugang, Zimmerwahl im Hospital),
    3) Papierkrieg bei ausländischer Behandlung,
    4) keine Beitragsrückerstattung bei Schadensfreiheit (bis zu 2 Monatsbeiträgen!).

    Warum kriegt das die GKV nicht hin?

  • zunächst @zumwohlealler: Trösten Sie sich, auch ich bin als Selbständiger privat versichert und anscheinend eine der Ausnahmen, die drastische Beitragssteigerungen hinter sich haben. Irgendwie kenne ich auch fast nur Ausnahmen, sofern es keine Beamte sind. Bei den Beamten stiegen die Prämienzahlungen in der Tat in den letzten Jahren nur moderat. Die zahlen ja sowieso nur einen Bruchteil dessen, was Normalsterbliche an die PKV abdrücken müssen.
    Nun zu Ihnen: Auch ich bin bei der DKV und mir ist nun der Kragen geplatzt. Ich habe die Versicherung aufgefordert, mir neue Angebote zu machen, da ich ansonsten meine Zahlungen einstellen werde. Das hat gewirkt. Jetzt habe ich zwei Angebote und werde mich vermutlich für die billigere Variante entscheiden. Dann zahle ich fast nur noch die Hälfte dessen, was ich ohne Tarifwechsel zahlen würde. Es gibt Einschränkungen hinsichlich esoterischer Leistungen wie Heilpraktiker und Psychokram. Aber für so einen Stuss will ich gar nicht versichert sein. Auch werde ich durch den neuen Tarif nicht mehr gezwungen, unbedingt einem Chefarzt die Hand schütteln zu müssen, damit er sich die Taschen voll stopft. Also, offensichtlich kann man die PKV durchaus unter Druck setzen.
    Das eigentliche Problem unseres durch und durch korrupten Gesundheitssystems, von dem sehr viele Gruppen profitieren und nur diejenigen, die alles bezahlen, nichts zu melden haben, weil der Gesetzgeber erfolgreich sämtliche marktwirtschaftlichen Mechanismen aus dem Gesundheitssystem verbannt hat, wird dadurch dennoch nicht gelöst.

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