Krankenversicherung

Wie Privatpatienten im Alter viel Geld sparen

Viele Privatversicherte fürchten hohe Prämien im Ruhestand - und wollen zurück zur Krankenkasse. Was kaum jemand weiß: Ähnliche Sparmöglichkeiten bietet auch die PKV. Das bringt viel, birgt jedoch auch Risiken.
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Quelle: dapd

Unzufriedene Privatversicherte mit hohen Beiträgen sollten nicht vorschnell zu den Krankenkassen wechseln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der KVpro.de GmbH aus Freiburg. Das Analysehaus hat bei zwanzig Versicherern Altersbeiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) abgefragt. Bei allen untersuchten Gruppen zeige sich, dass aus Beitragsgründen ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht erforderlich sei, heißt es in der Studie, die Handelsblatt Online vorliegt.

Im Gegenteil, warnen die Verfasser: In vielen Fällen würde sich der Versicherte bei den Krankenkassen schlechter stellen, als wenn er innerhalb des privaten Systems wechsele. „Die PKV ist im Rentenalter bezahlbar“, lautet das Fazit. „Kein Bürger muss, wenn er nicht will, 1.000 Euro oder mehr für seine PKV bezahlen.“ Die geltenden Gesetze böten ausreichend Möglichkeiten, sie müssten nur genutzt werden. 

Bei starken Beitragssteigerungen halten die Autoren der Studie den sogenannten Standardtarif für die bessere Alternative in der PKV. Dieser kaum bekannte Tarif entspricht dem Krankenkassen-Niveau. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier nur noch die Leistungen versichert, die auch die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten anbieten.  

Dieser Tarif ist also gewissermaßen die GKV in der PKV, wird aber genau deshalb auch bisher selten genutzt. Das könnte sich künftig jedoch ändern, vor allem wenn Privatpatienten ihre Prämie im Alter senken wollen, dies aber nur in der PKV geht. So ist älteren PKV-Kunden der Weg zurück in die Krankenkasse in der Regel verbaut, wenn sie älter sind als 55 Jahre.

In den Standardtarif kann wechseln, wer bereits vor dem 01.01.2009 in der PKV versichert war. Das ist also die Masse der neun Millionen Privatpatienten. Seit Anfang 2009 ist die Zahl der PKV-Kunden um knapp 200.000 Personen gestiegen. Für diese junge Kundengruppe gibt es ebenfalls eine Alternative auf Krankenkassenniveau, den Basistarif.

Auch Verbraucherschützer halten den Standardtarif in der PKV für eine Alternative im Alter. Er biete sich an, wenn jemand sehr viel Beitrag zahle. Allerdings sei ein solcher Wechsel nur dann sinnvoll, wenn der behandelnde Arzt den Versicherten auch als Privatpatient zum Satz der gesetzlichen Krankenkassen behandele, warnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz vor einer möglichen Falle. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der jeweilige Kunde einen großen Anteil seiner ärztlichen Behandlungskosten selbst zu tragen habe.

 

Der Arzt muss mitspielen
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13 Kommentare zu "Krankenversicherung: Wie Privatpatienten im Alter viel Geld sparen"

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  • Bei dem Ansatz Wechsel in den Standartarif geht es nur darum dem Argument zu entgegnen, dass niemand aus Beitragsgründen zurück muss in die GKV. Im Gegenteil - diese Empfehlung zerstört wertvolle Rechte der PKV Versicherten. Fraglich ist ob der VN in der KdR oder in der GKV dann weiter freiwillig versichert ist und seine Rente, Mieteinnahmen BAV, Zinsen etc. wie es das Gesetz vorschreibt verbeitragen muss.
    Die GKV wird so als freiwillig versicherter Rentner wenn die 2. Hälfte der Lebensarbeitszeit nicht zu 90 % als GKV versicherter zurückgelegt worden ist richtig teuer. Vergleicht man jetzt den PKV-Beitrag mit der GKV oder mit dem Standardtarif die GKV der PKV, so wird (hätte) mancher (neue) GKV Versicherte anders entschieden.

  • Was Versicherte bei einem PKV Tarifwechsel beachten sollten

    Ich bin über einen interessanten Beitrage gestolpert, wie Pivatversicherte bis zu 40% sparen können: http://www.inar.de/private-krankenversicherung-beitragsersparnis-fur-privatversicherte-bis-zu-40-moglich/
    Darin heißt es: Bei einem PKV Tarifwechsel sind umfangreiche Detailkenntnisse der einzelnen PKV Tarife notwendig. Häufig bieten die alternativen Tarife neben der Beitragsersparnis auch Mehrleistungen zum bisherigen Versicherungsschutz.

  • Der Basistarif in der PKV sollte die letzte Möglichkeit für den Kunden sein, seine Beiträge zu senken.In 99% der Fälle wird dies nicht notwendig sein, da nahezu jede Gesellschaft Tarife mit einem DEUTLICH besseren Preis-Leistungsverhältnis anbietet. Nach 20 oder 30 Jahren PKV-Zugehörigkeit auf keinen Fall mehr den Wechsel zu einer anderen Gesellschaft 'aufschwatzen'lassen, dann gibts später Probleme mit der Beitragsstabilität. Ich empfehle wie in der Studie auch mehrfach gesagt, die Beratung durch einen seriösen, verlässlichen Vermittler, der für den Kunden das beste Ergebnis rausholt. Solche Vermittler gibt es durchaus im Markt.

  • Zunächst finde ich schön, dass lösungsorientiert geprüft wird, was Privatversicherte tun können, um ihren Beitrag zu senken. Da sie damit gleichzeitig ihr Versorgungsniveau senken, ist das vielleicht aber gar keine so richtig gute Idee. Das im Detail nachzulesen auf finanzdiskurs.de:
    http://www.finanzdiskurs.de/standard-basis-wirtschaftlichkeit/

  • Ein freiwillig GKV Versicherter hat als Höchstsatz i.d.R 560 Euro an Beitrag in die GKV zu zahlen.
    Wer in die PKV geht und dort den gleichen Betrag in ein Qualitätsprodukt investieren würde, würde sich langfristig tatsächlich besser stellen. Meist wird beim Wechsel in die PKV nur nur auf einen billigen Monatsbeitrag geschaut, um den Höchstsatz der GKV nicht bezahlen zum müssen. Laut statistischem Bundesamt verbrauchen die über 65 jährigen um 500 Euro und die über 85 jährigen über 1000 Euro im Monat an Gesundheitskosten und im Durchschnitt auf alle Einwohner gesehen knapp 300 Euro im Monat. Wie will ein PKV-Billigprodukt von 59 Euro wie manche Internetseite verspricht (die meist nur die Adresse sammelt um diese an Verkäufer zu verkaufen), selbst mit 125 Euro oder 210 Euro diese Gesundheitskosten finanzieren. Das geht mit den billigen Produkten nicht. Wer diese Produkte kauft muss logischerweise die Differenz irgendwie und irgendwann selbst bezahlen. Das System, PKV oder GKV ist dabei völlig egal.


    Der Standardtarif, oder ein anderes PKV Produkt ist eine Möglichkeit die persönlich angesparten Alterungsrückstellungen, die es so nur in der PKV gibt für sich selbst einzusetzen. Wer die PKV verlässt verschenkt diese an andere.
    Inswoweit verliert der PKV versicherte Geld, wenn er das System der PKV wieder verlässt, denn die Alterungsrückstellungen sind nichts anderes als bereits bezahlte Krankheitskosten. Zumindest lohnt es sich darüber nachzudenken.

    Verglichen mit den, laut statistischem Bundesamt durchschnittlichen Geundheitskosten je Bürger von 300 Euro dürfte keine Krankenversicherung egal ob GKV oder PKV für weniger als 300 Euro über die Ladentheke gehen. Das gilt für Neugeboren genauso wie für Studenten, Erwerbstätige und Rentner.

    Das Ergebnis ist einfach - irgendwoher muss das Geld für die Bezahlung der Gesungheitskosten kommen. Stand heute, im Schnitt 300 Euro je Bürger vom ersten Lebenstag an, Monat für Monat Jahr für Jahr.

    Gerd Güssler

  • PKV kann in Zeiten schlechte Verzinsung nicht genügend Kapital für Rücklagen erwirtschaften. Wie wollen die Gesellschaften überleben, ohne die Beiträge stark zu erhöhen. Würden die Beamten nicht schon durch Steuergelder bezuschusst wäre das Thema PKV schon lange vom Tich. Was mit den restlichen PKV Versicherten geschieht ist egal. Denen wird für die Bezahlung des Mehrfachen Satzes laut GOÄ immer tiefer in die Tasche gegriffen. Weg mit dem PKV Zwang. Lasst den Versicherten die Kassenwahl mit Übernahme der Altersrückstellungen. GKV für alle. PKV nur für Zusatzversicherungen. Wo ist das Gleichheitsprinzip für Bürger. GKV wird staatlich subventioniert. PKV für Beamte wird subventioniert. Die restlichen PKV Versicherten zahlen die Zeche, Subventionieren die Ärzte, und werden als Renter teils zum Sozialfall. PKV in der jetzigen Form muss weg.

  • @Privamed24:
    Und wozu bitte bilde ich dann angeblich seit 33 Jahren Altersrückstellungen?
    Und wieso werden diese sog. Altersrückstellungen bitteschön pekuniär nicht ausgewiesen?
    Das ganze System erscheint mir zumindest sehr KAFKAESK und völlig undurchschaubar.
    Auf die Frage, wie es sich mit den Beiträgen im kurz bevorstehenden Rentenalter verhielte, war die Antwort meines "Betreuers": "Was soll sich denn da in der Beitragshöhe ändern? Nichts: Sie werden weiterhin nach Lebensalter eingestuft!" Die Altersrückstellung sei hier schon "eingepreist". Ich zahle bei einem miserablen Tarif
    (ohne Chefarztbehandlung und bei Reha werden nur die ANWENDUNGEN bezahlt, - nicht die Unterbringung(!), ohne Einzelzimmer im Krkhs, Zahnbehandlung ohne Prothesen 100%, für Zahnprothesen 80%)als Freiberufler 800€ pro Monat.
    Im Rentendasein brauche ich, um den Beitrag zu decken, z.Zt. ca. die Miete von 2 ETW, zur Zeit spare ich prophylaktisch auf die dritte...
    Da erscheint mir, und vielleicht auch anderen Leidtragenden
    eine Krankenversicherung nach schweizer Modell schon sehr viel gerechter, wo jeder Bürger einbezahlt.
    Deshalb: HER MIT DER BÜRGERVERSICHERUNG, ABER S U B I T O !

    Und K E I N E Milchmädchenrechnungen von Instituten, die -womöglich- nur durch Sponsoring existieren und dem Lobbyismus die Stange halten...

  • Ich finde die ganze Studie unseriös. Da hat man 40 Jahre fleissig seinen Beirag bezahlt in der Erwartung im Alter einen "Fullservice" zu haben und soll nun - wenn man die Krankenversicherung i.d.R. eher benötigt - einen Service zweiter Klasse eingehen. Das Beitragsmodell der privaten Krankenversicherung gehört auf den Müll! Man suggeriert mit der sog. Alterungsrückstellung eine Beitragskontinuität, die nie zu halten ist. Dann besser eine Kasse für Alle (auch Selbständige und Beamte). Die Ärzte sehen in Privatpatienten ohnehin nur einen Goldesel. Ich bin seit über 40 Jahren privatversichert und weiß wovon ich rede (sorry, es gibt natürlich auch weiße Schafe).

  • Die Aussage dieses Artikels ist von der Qualität von Aussagen wie: Sie können auch im Winter mit der Badehose draussen rumspazieren, wenn es 30°C hat. Welcher Arzt behandelt denn einen nicht GKV Versichertern zum GKV-Satz? Ich habe in meinem Bekanntenkreis einen der knapp 1Mio Nicht-Versicherten. Selbst dem war es unmöglich sich für weniger als dem 2,3-fachen Satz behandeln zu lassen. Einfach nur weltfremdes Geschwätz, der Arzt als Samariter.

  • Beide Tarife: Standardtarif und Basistarif sind die "Endstation" in der Privaten Krankenversicherung. Das Ärzteblatt hat diesbezüglich von der "Holzklasse" der PKV gesprochen. Privatversicherte sollten erst einmal alle höherwertigen Alternativen zu einem PKV Tarifwechsel für sich prüfen lassen. Der Standardtarif hat zumindest den Vorteil, das sich die erworbenen Altersrückstellungen beitragsminderd auswirken. Im Basistarif ist das praktisch nicht der Fall. Versicherte in beiden Tarifen müssen sich dem Arzt gegeüber als PKV-Basis- oder Standardtarif-Versicherte ausweisen. Somit kann eine Abrechnungsdifferenz zu Lasten der Versicherten in dieen Tarifen ohne deren vorherige Einwilligung nicht erfolgen.

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