Krawalle bei G20-Gipfel Wer kommt für die Schäden von Hamburg auf?

Die Geschädigten von Hamburg hoffen nach dem G20-Gipfel auf schnelle Hilfe. Die Versicherer stehen zwar bereit. Doch viele Schäden werden die Opfer selbst zahlen müssen.
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Hamburg räumt auf – für diese Schäden zahlt Ihre Versicherung

Hamburg räumt auf – für diese Schäden zahlt Ihre Versicherung

FrankfurtIm Hamburger Porsche-Zentrum brannten schon am Donnerstag zehn Luxuautos, größtenteils 911er und Panamera. In der Stadt loderten dann über das Wochenende mehrere Dutzend Autos – oft auch unverdächtige Fahrzeuge wie etwa alte Fiats und Citroëns.

Seit dem Sonntag hat in der Hansestadt das große Aufräumen begonnen, und aus Sicht geschädigter Bürger stellt sich wie immer nach solchen Vorkommnissen die Frage: Wer kommt für den Schaden auf? Denn trotz Randale wie nach Demos am 1. Mai in Berlin oder nun in Hamburg brauchen die Betroffenen in den allermeisten Fällen schnellstmöglich wieder ein Auto. Doch wer schon einmal am Supermarkt-Parkplatz von einem anderen Fahrer nur leicht touchiert wurde, weiß, wie nervig die anschießende Behebung des Kleinschadens ist.

Auch wenn es makaber klingen mag: Bei einem brennenden Auto ist die Abwicklung zumindest einfacher. Es handelt sich um einen Totalschaden. Es muss also nicht lange um Details gefeilscht werden. Sind es dagegen abgebrochene Spiegel, Kratzer oder zerschlagene Fenster, kann sich die Prozedur durchaus hinziehen.

Der Branchenverband GDV empfiehlt deshalb generell folgendes Vorgehen: Geschädigte Autobesitzer sollten den Schaden sofort fotografieren und bei der Polizei und ihrem Versicherer anzeigen. Der wird ihm dann auch mitteilen, wie er weiter vorgehen soll. Das Problem: Selbst im besten Fall bekommt der Halter lediglich den aktuellen Zeitwert seines in Flammen aufgegangenen Fahrzeugs. Bei einem sechs Jahre alten VW Golf reicht das Geld dann auch nur wieder für die Anschaffung eines entsprechenden Fahrzeugs.

Und das auch nur, wenn der Halter eine Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung abgeschlossen hat. Besitzt er nur eine reine Haftpflichtversicherung, bekommt er zumindest von seinem Versicherer nichts zurück. Dann kann er bestenfalls hoffen, dass der Täter oder die Täterin gefasst werden, was aber eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Hat er hingegen eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen, dann kommt die in der Regel für Schäden durch Böller und Feuer und zerstörte Autoscheiben auf. Bei der Vollkasko gibt es sogar eine Entschädigung für Vandalismus. Wichtig auch: Teilkaskoschäden wirken sich nicht auf den Schadenfreiheitsrabatt aus. Wer hier also einen Schaden meldet, der muss in Zukunft keine negativen Auswirkungen durch höhere Beiträge befürchten. Sein Status beim Versicherer ist weiter so, als hätte er keinen Unfall oder Schaden gehabt. Anders ist es bei der Vollkaskoversicherung, wo sich Schäden negativ auswirken.

Und noch eine bittere Pille müssen geschädigte Autohalter schlucken: Der Selbstbehalt, in der Regel sind das 300 oder 500 Euro, bleibt auf alle Fälle an ihnen hängen. Erst der Betrag darüber wird erstattet.

Was der Bund nach der G8-Randale in Heiligendamm zahlte

Die größten Irrtümer bei der Kfz-Versicherung
Punktesünder
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Autofahrer mit Punkten in Flensburg müssen für ihre Kfz-Police mehr bezahlen, weil die Versicherer bei ihnen eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit annehmen? Das trifft meist nicht zu. Wie die Auswertung zeigt, fließen Punkte bei der Mehrheit der Versicherer nicht negativ in die Prämie mit ein. Allerdings gibt es einzelne Versicherer, die Einträge im Verkehrszentralregister strenger handhaben. Bei ihnen sind Aufschläge bis zu 20 Prozent möglich. Im Modellfall wären das Mehrkosten in Höhe von rund 140 Euro jährlich.

(Quelle: www.toptarif.de)

Familienstand
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Manchmal können auch kleine Zusatzangaben den Kfz-Beitrag deutlich mindern – allerdings gehört der Familienstand nicht dazu. Bei dem Großteil der Versicherer ist diese Tarifangabe mit keinem speziellen Rabatt verbunden. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel: Es gibt durchaus Versicherer, bei denen Vermählte weniger für ihre Kfz-Police zahlen als ledige Versicherungsnehmer.

Automobilclub
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Eine Mitgliedschaft in einem Automobilclub – etwa beim ADAC – zahlt sich doppelt aus: Autofahrer genießen rund um die Uhr Pannen- und Unfallhilfe und gleichzeitig sinkt ihre Kfz-Prämie – Irrtum. Denn die Auswertung zeigt am Beispiel des ADAC: Eine Club-Mitgliedschaft wirkt sich weder positiv noch negativ auf die Prämie aus. Für den Kfz-Beitrag ist sie meist eine Nullrechnung. Nur einzelne Versicherer gewähren für eine Mitgliedschaft einen kleinen Rabatt im einstelligen Prozentbereich.

Garagenparker
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Steht das Auto bei Wind und Wetter auf der Straße, müssen Versicherungsnehmer für den schutzlosen Stellplatz einen Aufschlag zahlen. Garagenbesitzer sind klar im Vorteil: Ihr Fahrzeug parkt hinter verschlossener Tür trocken und geschützt. Doch den sicheren Parkplatz honorieren die Kfz-Versicherer nur mit durchschnittlich zwei Prozent Nachlass. Im untersuchten Beispiel sind das im Schnitt 14 Euro - weniger als die Miete für eine Garage kostet.

Eltern am Steuer
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Statistisch gesehen sind Eltern vorsichtiger und achtsamer im Straßenverkehr unterwegs. Viele Kfz-Versicherer belohnen die sicherere Fahrweise auch mit einem Rabatt – so war es zumindest noch vor einigen Jahren verbreitet. Mittlerweile spielt es für die meisten Kfz-Versicherer keine Rolle mehr, ob Kinder unter 17 Jahren mit im Haushalt leben. Es gibt sogar den umgekehrten Fall, dann müssen Eltern für ihre Kinder sogar draufzahlen – 0,5 Prozent.

Methodik
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Die Auswertung basiert auf einem VW Passat 2.0 TDI (Baujahr 2011). Der 35-jährige Fahrer ist ein Angestellter aus Berlin mit der SF-Klasse 12 und 10.000 km Fahrleistung pro Jahr. Er allein fährt das Fahrzeug. Das Auto wurde mit einer Vollkasko/Teilkasko (Selbstbeteiligung: 300 Euro/150 Euro) versichert. Die Berechnung setzt sich aus dem Durchschnitt der 15 günstigsten Versicherer mit den entsprechenden Tarifmerkmalen zusammen.

Anders als bei Autos ist der Sachverhalt bei Schäden am Hausrat und an Gebäuden. Die Wohngebäude-, die Hausrat- sowie die gewerbliche Sachversicherung treten bei Feuerschäden ein. Reine Sachbeschädigungen, beispielsweise nach einem Steinwurf, sind hingegen nicht automatisch durch die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung gedeckt. Einige Versicherer bieten deswegen Premiumprodukte gegen „böswillige Beschädigungen“ oder „innere Unruhen“ an. Diese Möglichkeit gibt es auch für Unternehmen über sogenannte „Extended Coverage“-Policen. Kommunen oder auch Einzelhandelsketten haben diese in der Regel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Abschluss-PK des Gipfels den Opfern der Gewalt Hilfe zugesichert – doch die wird noch geprüft: „In diesem Zusammenhang habe ich auch verabredet mit dem Bundesfinanzminister, dass wir prüfen werden, wie wir gemeinsam mit der Hansestadt Hamburg Opfer von Gewalt bei der Beseitigung der entstandenen Schäden helfen können. Ich sage ausdrücklich, wir prüfen "wie" und nicht "ob" und dazu sollen die Gespräche umgehend zwischen dem Bundesfinanzministerium und der Hansestadt Hamburg beginnen.“

Dabei sind Versicherungen nicht aus ihrer Pflicht entlassen. Sie müssen gemäß den Kriterien der Policen die Schäden übernehmen.

Auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm kam es im Juni 2007 zu Randale. Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern bezifferte die Schadenersatzforderungen rund vier Monate später auf mehr als 230.000 Euro. Damals wollten unter anderem Bauern Geld für niedergetrampelte Felder.

Bis Ende 2007 zahlte die Landesregierung mehr als 30.000 Euro an betroffene Landwirte. Die Gelder kamen aus dem Topf des Innenministeriums zur Finanzierung des G8-Gipfels. Auch Hausbesitzer mit zerstörten Zäunen erhielten Schadenersatz vom Land. Bund und Land trugen gemeinsam die G8-Gesamtkosten von rund 100 Millionen Euro.

Auch nach außergewöhnlichen Naturereignissen fließen Gelder an Betroffene. Maßnahmen fallen zwar grundsätzlich in die Zuständigkeit der Länder. Bei überregionalen Katastrophen bringt sich aber auch der Bund ein. So wurde etwa nach dem Hochwasser 2013 ein Sondervermögen mit acht Milliarden Euro ausgestattet – zur Beseitigung von Schäden in Privathaushalten und Unternehmen sowie an der Infrastruktur.
Mit Material von dpa

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33 Kommentare zu "Krawalle bei G20-Gipfel: Wer kommt für die Schäden von Hamburg auf?"

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  • Die wahren Menschenverachter und Menschenhasser sind seit jeher die wertkonservativen Rechten, nicht die Linken, welche die Exzesse des Raubtierkapitalismus, der Entsolidarisierung der Gesellschaften und der Entmenschlichung der Arbeit einfangen wollen.
    Oft liegt bei den Rechten ein hohes Potenzial an Selöbsthass vor, dass sie dann an der Gesellschaft auslassen, indem sie den totalen Überwahnungsstaat fordern, indem sie die Bürgerrechte und die Meinungsfreiheit weiter einschränken wollen. Sie wollen zurück zur Diktatur, zurück zu einem Alleinentscheider an der Macht.
    Kenne einige rechte Hardliner, die genauso denken. Alles was mit Zwang, Angst, Unterdrückung und Machtausübung über andere zu tun hat, ist diesen Selbst- und Menschenhassern als Staatsform recht. Ihr Gott ist das Geld, mit welchem sie ihre innere Leere füllen. Dieser egoistisch geprägte Menschenschlag ist oft in der Christdemokratie und bei den freien Liberalen anzutreffen.

  • Alles nicht so schlimm, das Handelsblatt hilft.
    http://www.handelsblatt.com/video/unternehmen/vollkasko-teilkasko-oder-doch-hausrat-hamburg-raeumt-auf-fuer-diese-schaeden-zahlt-ihre-versicherung/20041108.html

  • Wenn die Hamburger nicht traditionell nur Vollidioten zum Ersten Bürgermeister wählen würden (Dohnanyi sei hier mal stellvertretend für die anderen genannt) hätte die G-20-Show mit ihren internationalen Stars durchaus dort stattfinden können - und zwar ohne Bürgerkriegsszenen.

  • Wie kann man nur so hartherzig sein, diese Penetranz mit der auf Gesetze bestanden wird, ist nicht Demokratie tauglich. Die Gesellschaft muß auch Platz
    für Randgruppen haben.

  • Das ist doch schön: Unter dem unverfänglichen Namen "Hans-Jörg Griesinger" können wir hier mal die Meinung eines Faschisten der Antifa lesen.
    Rechte und NSU sind schuld an "Hamburg", nicht die Linken.

  • Was wollen Sie @ Caruso?
    Dieses brave, deutsche, saubere Spießbürgertum, dass sich darüber aufregt, wenn mal jemand mal Kehrwoche vergisst?
    Obrigkeitshörigkeit bis zur Selbstverleugnung!
    Widerlich sowas!


  • Sollen sich solche Terrorangriffe nicht nochmal ereignen, wären schon 20% für die AfD bei den Wahlen nötig.

  • Fakt ist, der G20 Gipfel hätte NIEMALS in einer Großstadt wie Hamburg stattfinden dürfen.
    Nur weil Merkel „schöne Bilder“ in die Welt senden wollte, hat man diesen Gipfel gegen jede Vernunft durchgesetzt.
    Ich bin sicher, es ging auch um das Prestigeobjekt „Elbphilharmonie“, welche Merkel den Staatsgästen präsentieren wollte. Den angeblich weltweit einmaligen Klang dieses Steuergeldvernichtungsbauwerks.
    Dafür wurden die Kolatteralschäden auf Hamburgs Staßen gerne in kauf genommen.
    Zudem kann man jetzt vor der Bundestagswahl so richtig schön über die Linken herziehen und den Überwachungs- und Polizeistaat weiter vorantreiben.
    Meinungsfreiheit und Bürgerrechte werden immer weiter eingeschränkt und wir jubeln noch darüber, dass kann es einfach nicht sein.
    Genauso wie die NSU rechte Gewalttäter und Mörder waren, sind die Autonomen aus der linken Szene Gewalttäter, nur gemordet wie die Rechten, haben sie nicht.
    Auf beiden Seiten des politischen Spektrums gibt es gewalttätige Radikale.
    Eben nicht nur aus der linken Ecke!

  • ---@ Herr Hans-Jörg Griesinger

    man merkt, es ist nicht ihre Kernkompetenz. Es bringt auch wenig hier Nachhilfe-Unterricht zu erteilen.

  • @ Hans-Jörg Griesinger

    Ihre Polemik ist zum Totlachen!
    In München gibt es - unabhängig vom jeweiligen OB oder seiner Parteizughörigkeit - seit Jahrzenten den Grundsatz: Kein Haus ist länger als 24 h besetzt.
    Ergebnis: Eine sog. "autonome Szene" gibt es dort schlicht und ergreifend nicht! Wo Hausbesetzer nicht geduldet sind, entsteht auch nicht das ganze weitere kriminelle Umfeld der Linksextremisten.
    In den absoluten Drecksstädten Hamburg, Berlin, Frankfurt/Main wird hingegen diese Szene als Bereicherung empfunden und entsprechend (etwa durch offizielle "Mietverträge" für die besetzten Häuser) gefördert.
    Ich verstehe überhaupt nicht, wieso man sich jetzt über das Verhalten dieser verwöhnten Minderheit so aufregen kann.

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