Kreditkarten-Rückruf
„In Einzelfällen droht Ärger“

Kunden sind beunruhigt: Mehr als 100 000 Kreditkarten könnten nicht mehr sicher sein. Im Interview erklärt Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli wie Bankkunden jetzt handeln müssen und ob sie auf Kosten sitzen bleiben.
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Herr Pauli bei mehr als 100 000 Kreditkarten sind die Daten nicht mehr sicher, beinahe jedes Institut ist betroffen. Wie müssen Kunden jetzt reagieren?

Zunächst sollten sie keinesfalls in Panik verfallen. Ein finanzieller Verlust ist für sie in aller Regel ausgeschlossen. Kunden sollten sofort ihre Bank informieren, wenn sie fehlerhafte Buchungen bemerken.

Welche Fristen gelten dabei für den Kunden?

Wer von der Bank nicht benachrichtigt wird und trotzdem einen Schaden bemerkt, muss unverzüglich handeln. Ein Anruf bei der entsprechenden Notfallhotline oder in der Filiale reicht, vorsichtige Kunden können sich die Meldung auch schriftlich bestätigen lassen. Wer einen Internetzugang zum Konto hat kann, aber muss nicht dort nachschauen. Die Kunden können aber auch die Zustellung der Rechnung abwarten.

Welche Pflichten hat die Bank?

In diesem Falle trifft den Kunden keine Schuld. Er darf daher keine Nachteile erfahren. Einen möglichen Schaden muss die Bank ersetzen, ein Selbstbehalt droht dem Kunden nicht. Damit nicht genug: Das Institut muss eine fehlerhafte Buchung nicht nur rückgängig machen sondern korrigieren. Es dürfen dann unter anderem keine Dispozinsen anfallen.

Wie viel Zeit darf sich die Bank für diese Korrektur nehmen?

Wie der Kunde muss auch die Bank unverzüglich reagieren, das heißt ohne schuldhafte Verzögerung. Genaue Zeitvorgaben gibt es nicht, es kommt auf den Einzelfall an.

Welche Probleme drohen dem Kunden in der Wartezeit?

In Einzelfällen droht Ärger. Etwa wenn das Konto durch die fehlerhafte Abbuchung überzogen wurde und weder die gesperrte Kreditkarte noch die EC-Karte funktioniert. Dann steht der Kunde ohne Geld da. Noch ärgerlicher können in diesem Falle Zurückweisungen von Lastschriften sein. Wenn das Konto überzogen wird können Rechnungen an den Empfänger zurückgehen. Dann drohen Mahnungen. Im Extremfall kann sich sogar das Kreditscoring verschlechtern. Die Bank muss entsprechende Auskunfteien in solchen Fällen benachrichtigen. Außerhalb solcher bekanntgewordenen Schadensfälle können Verbraucher im übelsten Fall unter Verdacht geraten, selbst betrügerisch gehandelt zu haben. Es wird darauf ankommen, dass die Anbieter den Verbraucher auch im Einzelfall kompromisslos schützen, damit wir trotz dieser Gefahren weiter Vertrauen in Zahlungskarten setzen können.



Zur Person:


Frank-Christian Pauli ist Bankenreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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