Kreditkonditionen: Wie Banken mit Promi-Kunden umgehen

Kreditkonditionen
Wie Banken mit Promi-Kunden umgehen

Offiziell gibt es bei Banken keinen Promi-Bonus - doch bekommen kann man ihn trotzdem. Wer etwas darstellt, wird bevorzugt. Nicht erst seit der Wulff-Affäre.
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FrankfurtBanken behandeln ihre Kunden höchst unterschiedlich. Und das hat meistens wirtschaftliche Gründe. Der eine bekommt höhere Zinsen, weil die Bank an seinem Vermögen mitverdient. Die andere bekommt einen günstigen Immobilienkredit, weil sie Beamtin ist und ihr Einkommen lebenslang sicher, also auch pfändbar ist. Und wiederum andere bekommen bessere Konditionen, weil sie sonst zur Konkurrenz gehen.

Was aber ist, wenn Lokal-, Landes- oder Bundespolitiker Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen? Sind deren Kreditzinsen und Kontoführungsgebühren niedriger, die Einlagenzinsen höher?

"Natürlich", lautet die Antwort in der Bankenbranche oft hinter vorgehaltener Hand. Aber zitiert werden möchte damit niemand. Zu den Kreditkonditionen von Bundespräsident Christian Wulff bei der BW-Bank sagt ein Bankchef: "Das ist eine Spitzenkondition, aber da ist er nicht der einzige Prominente, der diese bekommt."

Klar ist: Wer etwas darstellt, wird bevorzugt - sei es, dass ihm ein besonders erfahrener Kundenberater zugeteilt wird, sei es, dass das Gespräch diskret im Konferenzzimmer und nicht in der Schalterhalle stattfindet. Oder sei es, dass diese Promi-Kunden darauf vertrauen dürfen, dass sie von allen Instituten mit günstigen Konditionen umworben werden - und zwar ohne zu verhandeln. Auch das bestätigt so manches Institut. Ein Politiker sollte jedoch das erste Angebot nehmen oder gehen, das sei der Preis seines Amtes, so der Sprecher einer großen deutschen Bank. Und auch ein ehemaliger hessischer Bundestagsabgeordneter sagt: "Feilschende Politiker kompromittieren sich und ihre Bank."

Als besonders gierige Bonusjäger gelten Schauspieler und andere Prominente des Show- und Mediengewerbes. "Nichts auf der Kante, aber Sonderbedienung fordern", lästert ein Frankfurter Banker. Dabei können die Banken von prominenten Kredit- oder Anlagekunden eigentlich weit weniger profitieren als etwa Autohersteller. Denn das Bankgeheimnis verbietet es, mit den Kunden selbst unter der Hand zu werben. Jeder Bankberater habe einen gewissen Verhandlungsspielraum, meint ein Topbanker. Möchte er dessen Grenzen überschreiten, um den Promi-Kunden zu halten, muss er das von einem Vorgesetzten bewilligen lassen. Bei wirklich prominenten Kunden würde ohnehin das Führungspersonal eingeschaltet. Mindestens jedoch müsse eine Bank den Interbankenkurs Euribor plus seine Einstandskosten verlangen, so ein Bankchef. "Wenn die Bank etwas drauflegt, ist das nicht mehr korrekt."

Viele Banken wissen nicht erst seit der Wulff-Affäre, wie sensibel das Thema ist. Deshalb wird normalerweise darauf geachtet, dass die Spitzenkonditionen für Promis in einem gewissen Rahmen bleiben. Ob Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen oder Volksbanken: Alle beteuern einhellig, keine Sonderkonditionen zu vergeben, wenn man offiziell nach ihrem Umgang mit Prominenten fragt. Doch die Grenze zwischen Sonderbehandlung und Sonderkonditionen ist nicht klar gezogen.

Bauer Thomas, Reporter Finanzzeitung Frankfurt
Thomas Bauer
HB Redaktion Finanzzeitung / Reporter Finanzzeitung Frankfurt

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