Kritik an Verkaufsmethoden
Citibank-Kunden kündigen reihenweise Versicherungen

Bei der CiV Lebensversicherung AG ist 2005 fast jeder vierte Kapital bildende Lebens- und Rentenversicherungsvertrag vorzeitig gekündigt worden. Experten werfen der Bank aggressive Verkaufsmethoden vor und sehen darin den Grund für die hohe Stornoquote.

KÖLN. Bei der CiV Lebensversicherung AG ist 2005 fast jeder vierte Kapital bildende Lebens- und Rentenversicherungsvertrag vorzeitig gekündigt worden. Während das Storno in der Branche um einen halben Prozentpunkt auf 5,0 Prozent sank – also jeder zwanzigste Vertrag gekündigt wurde –, erreichte die CiV Spitzenwerte: Bei den reinen Kapitalversicherungen verschlechterte sich das Storno von 22,9 auf 24,26 (22,9) Prozent. Für das Gesamtgeschäft, das auch zahlreiche Restschuldversicherungen zur Absicherung von Konsumkrediten beinhaltet, lag die Quote bei 23,45 Prozent nach 24,59 Prozent im Vorjahr.

Vorzeitig gekündigte Verträge sind für die Kunden im Regelfall mit Verlusten verbunden: Denn mit den Beiträgen der ersten Vertragsjahre werden die Abschlussprovisionen der Vermittler bestritten. Zwar hat der Bundesgerichtshof die Branche im letzten Oktober zu Mindestrückkaufwerten verpflichtet, doch dies mindert die Verluste nur, verhindert sie nicht.

Die CiV ist Partnerin der deutschen Citibank für das Versicherungsgeschäft. Das Unternehmen mit Sitz in Hilden wurde ursprünglich von der Bank gegründet, später aber an die Talanx-Gruppe verkauft, wo es strategisch nach wie vor als Citi-Partner geführt wird. Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes map-report, wirft der Bank aggressive Verkaufsmethoden vor und sieht darin den Grund für die hohe Stornoquote. Branchenkenner verweisen auch auf die wirtschaftliche Unerfahrenheit vieler Citikunden. Die CiV selbst erklärt auf Anfrage ihre hohe Stornoquote damit, dass sie vor allem Geschäfte mit einmaligen Zahlungen statt mit regelmäßigen Beiträgen abschließe. Sie errechnet ihre Stornoquote daher nicht auf die Beiträge, sondern auf die mittlere Bestandsgröße bezogen, und kommt so zu einem Wert von 10,3 Prozent – immer noch hoch, aber nicht mehr so dramatisch. Eine derartige Berechung ist in der Branche allerdings unüblich.

CiV erklärt die hohe Stornoquote auch damit, dass sie ihre Verträge über den Bankschalter verkaufe. Die Konkurrenz macht aber andere Erfahrungen. „Das Geschäft unseres Bankvertriebs ist etwas weniger stornoanfällig als das der übrigen Vertriebswege“, sagt Birgit Heim von der Allianz Lebensversicherung. Der Bankvertrieb – im Wesentlichen die Dresdner Bank – zeichnete 2005 ein knappes Fünftel des Neugeschäftes. Die Allianz Leben weist eine Stornoquote von nur 3,8 Prozent aus. Bei der R+V Lebensversicherung werden mehr als 90 Prozent aller Policen über die Schalter der zumeist genossenschaftlich organisierten Banken verkauft – das Gesamtstorno beträgt nur 3,5 Prozent.

Die CiV verspricht, „konsequent an der Verbesserung der Stornoquote“ zu arbeiten. CiV Leben und Citibank bezeichnen sich selbst als eine der erfolgreichsten Vertriebskooperationen: 2005 verkaufte jeder Citibank-Schaltermitarbeiter 123 Versicherungen – ein Vielfaches des Branchendurchschnitts.

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