Kritikern zufolge profitieren vor allem große Konzerne: EU verschärft Anforderungen an Versicherungsvermittler

Kritikern zufolge profitieren vor allem große Konzerne
EU verschärft Anforderungen an Versicherungsvermittler

Den Vermittlern von Versicherungen steht eine Umbruchphase bevor. Bis Anfang 2005 muss die Bundesregierung eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen, die die Rechte der Versicherungskunden stärkt. Noch wird in Berlin an Details gefeilt. Doch schon jetzt befürchtet die Branche schwer wiegende Konsequenzen.

DÜSSELDORF. Die Europäische Union hat ein hehres Ziel: Sie möchte die Verbraucher besser schützen. Dazu hat sie unter anderem eine Richtlinie erlassen, die die Anforderungen an Versicherungsvermittler auf hohem Niveau festschreibt. Der Richtlinie zufolge muss ein Vermittler seinem Kunden genau sagen, für wen er arbeitet. Er muss sich registrieren lassen, seine Kompetenz und Qualifikation nachweisen, eine Berufshaftpflicht abschließen, vom Kunden umfangreiche Auskünfte verlangen und darauf zugeschnittene Produkte anbieten – und dies alles dokumentieren. Wenn er sich als „unabhängig“ ausgibt, muss er zudem über eine ausreichende Marktkenntnis verfügen. Dabei besteht für ihn nicht die Verpflichtung, den „besten Ratschlag“, wohl aber einen „angemessenen Ratschlag zu erteilen“.

Nach Aussage von Martin Ebers von der Universität Münster liegen diese Anforderungen über denen, die derzeit an die in Deutschland tätigen Vermittlern gestellt werden, aber unter denen, die für deutsche Makler gelten. Künftig werden Makler und Mehrfachvertreter (die für mehrere Versicherer arbeiten) enger zusammenrücken, denn bis zum 15. Januar 2005 muss die Versicherungsvermittlungs-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden.

Das Regelwerk wird nach Meinung von Carsten Lucht, Präsident des Bundesverbandes Finanzdienstleistungen (Fifa), vor allem den Versicherungsunternehmen nutzen. „Die Branche hat bereits in Brüssel am Tisch gesessen, als die Richtlinie ausgearbeitet wurde – und in Berlin bei der Umsetzung ist sie erst recht dabei“, sagt Lucht, der mit der Fifa die Interessen unabhängiger Vermittler vertritt. Kein Wunder, dass die Versicherer selbst bisher zufrieden sind. „Wir können damit leben“, sagt Wolfgang Marzin, Vertriebsexperte des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), zu den künftigen Regelungen.

Der Hauptkritikpunkt von Lucht indes richtet sich darauf, dass Vertreter, die für einen einzigen Versicherer arbeiten, weitgehend ausgenommen seien. Zugleich würden die Anforderungen so hoch geschraubt, dass sich viele bislang unabhängige Vermittler in die Abhängigkeit eines Finanzkonzerns flüchten müssten. Die Fifa hat daher unter dem Namen Finanz-Fach Office eine Genossenschaft gegründet, die unabhängigen Vermittlern Unterschlupf bieten soll. Sie arbeiten dann als „Einfirmenvertreter“ für diese Genossenschaft. „Rund 160 Genossen haben wir bisher, und im September wollen wir damit in die Offensive gehen“, kündigt Lucht an.

GDV-Mann Marzin begrüßt dagegen, dass künftig alle Vermittler eine Haftpflichtversicherung abschließen müssen, die für die Folgen eines Beratungsfehlers einspringt. Ausgenommen sind Einfirmenvertreter, bei denen dann der Versicherer die Haftung übernimmt. Für überzogen hält er die umfangreichen Dokumentationspflichten. „Wenn es eine falsche Beratung gibt und der Kunde die Dokumentation nicht genau gelesen hat, wird sie im Prozess möglicherweise sogar gegen ihn verwandt“, befürchtet Marzin.

Über viele Details streiten die Experten, die in Berlin die Umsetzung vorbereiten, noch. Eine offene Frage ist die Behandlung des angestellten Vertriebs. Er wird zwar von der Richtlinie nicht erfasst, es gibt jedoch Überlegungen, ihn bei der Umsetzung in deutsches Recht einzubinden. Auch die Einbeziehung der Nebenberufler muss noch geklärt werden. In Endeffekt dürften alle Vermittler verpflichtet werden, wenigstens in bescheidenem Rahmen eine objektiv begründbare Produktauswahl zu treffen.

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