Lebensversicherer in Not: „Wir halten den Garantiezins nicht durch“

Lebensversicherer in Not
„Wir halten den Garantiezins nicht durch“

Die Zinsgutschriften für Lebensversicherungen sinken deutlich. Weitere Unternehmen bestätigen den Trend. Wegen des Zinsrückgangs hinterfragen Manager sogar das tragende Element dieses Produkts: den Garantiezins.

HamburgDie deutschen Lebensversicherer können sich langfristige Renditeversprechen nach Ansicht der Hanse-Merkur angesichts niedriger Zinsen auf Dauer nicht mehr leisten. "Wir werden den Garantiezins nicht über eine lange Zeit durchhalten können", sagte Vorstandschef Fritz Horst Melsheimer der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Niedrigzinsphase werde die Versicherungsbranche noch lange Zeit begleiten. Der Chef des Hamburger Versicherers brachte Lebensversicherungen mit einem befristeten Garantiezins ins Gespräch. Womöglich reiche eine Zusage für die ersten zehn Jahre, sagte er.

Der Garantiezins ist den Versicherern schon länger ein Dorn im Auge. Denn er steht bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest - doch den Versicherern fällt es schwer, Anlagen zu finden, die über eine so lange Zeit sichere Renditen abwerfen.

Mit 1,75 Prozent ist die maximal erlaubte Garantie für viele Kunden ohnehin nicht mehr so attraktiv. Der Rest der Gesamtverzinsung, die Überschussbeteiligung, kann jedes Jahr neu festgelegt werden. Der Garantiezins lag auch schon deutlich höher - bis zu vier Prozent. Doch diese Altverträge sind heute ein Problem für die Branche.

Auch Hanse-Merkur schraubt die Zinsen für ihre Lebensversicherungskunden für das nächste Jahr weiter herunter. Die Gesamtverzinsung werde auf etwa vier Prozent sinken, kündigte Melsheimer an. Die genaue Höhe soll der Vorstand am Montag beschließen.

Zuletzt lag die Verzinsung einschließlich Schlussüberschuss und ausgeschütteter Bewertungsreserven im Schnitt bei 4,5 Prozent. Marktführer Allianz hatte die Gesamtverzinsung der Sparanteile um 0,3 Punkte auf 4,2 Prozent gesenkt. Bei der zur Münchner Rück gehörenden Ergo schrumpft die Gesamtverzinsung auf 3,55 (2012: 4,15) Prozent.

Die Gesamtverzinsung ist wichtig für Kunden, deren Verträge im nächsten Jahr auslaufen. Die Versicherer geben diesen Zinssatz derzeit gerne an, weil er häufig noch um die vier Prozent liegt. Daneben achten Kunden, deren Verträge noch weiter laufen, auf die sogenannte Überschussbeteiligung. Diese wird Jahr für Jahr den Verträgen gutgeschrieben.

Waren es im Schnitt der Branche in diesem Jahr noch knapp vier Prozent, so tendiert die Überschussbeteiligung für 2013 deutlich in Richtung drei Prozent. Die Ursache ist der langfristige Verfall der Kapitalmarktzinsen, der auch an den Versicherer über kurz oder lang nicht spurlos vorüberzieht. Die Euro-Schuldenkrise und der Wertverfall von Staatsanleihen südeuropäischer Länder belasten die Finanzbranche. Dazu kommen verschärfte Eigenkapitalvorschriften.

Melsheimer verweist darauf, dass Lebensversicherungs-Kunden vielfach die über Jahrzehnte eingegangenen Verträge nicht mehr durchhalten. Ihnen solle es erleichtert werden, Lebensversicherungen auszusetzen. "Wir werden zum Prinzip einer Einmalversicherung kommen müssen, wie sie im angelsächsischen Raum üblich ist."
Geschäftlich läuft es bei der Hanse-Merkur rund. Melsheimer stellte für dieses Jahr ein prozentual zweistelliges Wachstum der Beitragseinnahmen in Aussicht. Der Überschuss werde voraussichtlich um ein Fünftel wachsen. "Wenn uns die Kapitalmärkte nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen, werden wir 2012 einen Rekordüberschuss erwirtschaften."

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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