Lebensversicherer in Not: „Wir halten den Garantiezins nicht durch“

Lebensversicherer in Not
„Wir halten den Garantiezins nicht durch“

Die Zinsgutschriften für Lebensversicherungen sinken deutlich. Weitere Unternehmen bestätigen den Trend. Wegen des Zinsrückgangs hinterfragen Manager sogar das tragende Element dieses Produkts: den Garantiezins.
  • 31

HamburgDie deutschen Lebensversicherer können sich langfristige Renditeversprechen nach Ansicht der Hanse-Merkur angesichts niedriger Zinsen auf Dauer nicht mehr leisten. "Wir werden den Garantiezins nicht über eine lange Zeit durchhalten können", sagte Vorstandschef Fritz Horst Melsheimer der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Niedrigzinsphase werde die Versicherungsbranche noch lange Zeit begleiten. Der Chef des Hamburger Versicherers brachte Lebensversicherungen mit einem befristeten Garantiezins ins Gespräch. Womöglich reiche eine Zusage für die ersten zehn Jahre, sagte er.

Der Garantiezins ist den Versicherern schon länger ein Dorn im Auge. Denn er steht bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest - doch den Versicherern fällt es schwer, Anlagen zu finden, die über eine so lange Zeit sichere Renditen abwerfen.

Mit 1,75 Prozent ist die maximal erlaubte Garantie für viele Kunden ohnehin nicht mehr so attraktiv. Der Rest der Gesamtverzinsung, die Überschussbeteiligung, kann jedes Jahr neu festgelegt werden. Der Garantiezins lag auch schon deutlich höher - bis zu vier Prozent. Doch diese Altverträge sind heute ein Problem für die Branche.

Auch Hanse-Merkur schraubt die Zinsen für ihre Lebensversicherungskunden für das nächste Jahr weiter herunter. Die Gesamtverzinsung werde auf etwa vier Prozent sinken, kündigte Melsheimer an. Die genaue Höhe soll der Vorstand am Montag beschließen.

Zuletzt lag die Verzinsung einschließlich Schlussüberschuss und ausgeschütteter Bewertungsreserven im Schnitt bei 4,5 Prozent. Marktführer Allianz hatte die Gesamtverzinsung der Sparanteile um 0,3 Punkte auf 4,2 Prozent gesenkt. Bei der zur Münchner Rück gehörenden Ergo schrumpft die Gesamtverzinsung auf 3,55 (2012: 4,15) Prozent.

Die Gesamtverzinsung ist wichtig für Kunden, deren Verträge im nächsten Jahr auslaufen. Die Versicherer geben diesen Zinssatz derzeit gerne an, weil er häufig noch um die vier Prozent liegt. Daneben achten Kunden, deren Verträge noch weiter laufen, auf die sogenannte Überschussbeteiligung. Diese wird Jahr für Jahr den Verträgen gutgeschrieben.

Waren es im Schnitt der Branche in diesem Jahr noch knapp vier Prozent, so tendiert die Überschussbeteiligung für 2013 deutlich in Richtung drei Prozent. Die Ursache ist der langfristige Verfall der Kapitalmarktzinsen, der auch an den Versicherer über kurz oder lang nicht spurlos vorüberzieht. Die Euro-Schuldenkrise und der Wertverfall von Staatsanleihen südeuropäischer Länder belasten die Finanzbranche. Dazu kommen verschärfte Eigenkapitalvorschriften.

Melsheimer verweist darauf, dass Lebensversicherungs-Kunden vielfach die über Jahrzehnte eingegangenen Verträge nicht mehr durchhalten. Ihnen solle es erleichtert werden, Lebensversicherungen auszusetzen. "Wir werden zum Prinzip einer Einmalversicherung kommen müssen, wie sie im angelsächsischen Raum üblich ist."
Geschäftlich läuft es bei der Hanse-Merkur rund. Melsheimer stellte für dieses Jahr ein prozentual zweistelliges Wachstum der Beitragseinnahmen in Aussicht. Der Überschuss werde voraussichtlich um ein Fünftel wachsen. "Wenn uns die Kapitalmärkte nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen, werden wir 2012 einen Rekordüberschuss erwirtschaften."

 

Kommentare zu "„Wir halten den Garantiezins nicht durch“"

Alle Kommentare
  • Der Garantiezins ist den Versicherern ein Dorn im Auge? Im Gegenteil: Der Garantiezins ist die Lebensversicherung der Lebensversicherung und somit - auch bei einer Höhe von 1,75% noch der einzige Grund, warum es sinnvoll ist, überhaupt noch eine Versicherung abzuschließen. Wer einen Vergleich haben möchte, braucht sich ja nur einmal die Abwärtsspirale bei der Entwicklung der fondsgebundenen Lebensversicherung anzuschauen!

  • Die Dow Jones Gold RAtio war 1980 bei 800 Gold zu 800 Dow . Im Moment ist der Dow Jones bei 13.000. Wenn Gold also bei 13.000 Dollar und der Dow auch dort ist , sollte man vielleicht Gold verkaufen....

  • ...die diskussion ist nicht zielführend. meines erachtens liegt es lange zurück und begründet sich in der struktur der vericherungen. vielleicht sollte sich einmal jemand ansehen, was über jahrzehnte, an vertrieb, aktionäre und institutionelle anleger geflossen ist. hmi, ist ja nur ein jungstes beispiel dafür. ich persönlich habe vor vielen jahren eine lv bei der schweizerischen lv abgeschlossen, was mir damals als sinnvoll erschien, war es doch eine versicherung auf gegenseitigkeit, was übrigens von dem versicherungsvertreter auch als argument angeführt wurde. seit sich die nachfolgeorganisation swiss life dann in eine AG gewandelt hat sind die leistungen immer schlechter geworden...ein schelm wer böses dabei denkt....für mich liegen hier die versäumnisse, die jetzt einmal wieder auf dem rückender kunden ausgetragen werden....vielleicht sollte einmal in der ri htug weitergedacht werden, an den aktuellen marktbedingungen kann ja nun einmal nichts verändert werden....

  • Querkopf, wie gesagt, Sie sollten sich an die Fakten halten und hier nicht alles durcheinander werfen und schlecht recherierte Berichte, hier zählt übrigens auch das HB in der Regel zu, als Tatsache verkaufen.

    Ein Beispiel für Sie zur Verdeutlichung: Wenn morgen irgendein Redakteur in irgendeiner Zeitung irgendeinen Wissenschaftler zitiert, der behauptet, dass sich die Sonne um die Erde dreht, ist das noch lange nicht richtig.

    Bleiben Sie doch einfach bei den Fakten.

  • An fgordon von 12:25 Uhr:
    Stimmt! Aber der Beobachtung ".....l..Zwischen 1980 und 2000 20 Jahre lang - also das komplette Rentnerleben ist der Goldpreis gefallen - aktuell sind wir sicher eher in einer steigenden Phase, aber wie das in 20 Jahren ist....?" --- ist folgendes entgegenzuhalten: Wenn der Goldpreis wieder fällt, dann nur in einer Phase rubuster Konjunktur - ALSO zu einem Zeitpunkt wenn Rentner und Staaten wieder flüssig sind und sich keine (Zukunfts-) Sorgen machen müssen. Daher ist Gold die perfekte Kompensation: Hoher Wert in Krisenzeiten (wenn man eine Absicherung braucht), und schwacher Wert in der Hochkonkunktur (wenn man davon ohnehin nicht abhängig ist).

  • An meyer2011 von 13:00 Uhr:

    Schon alleine für Griechenland fällt nachstehend an: (Die anderen PIIGS-Länder noch gar nicht dabei):
    Der Spiegel 26.6.2011
    Die deutschen Kreditinstitute gehören zu den größten privaten Gläubigern Griechenlands. Laut Bundesbank-Statistik besaßen sie Ende März griechische Staatsanleihen im Ursprungswert von rund zehn Milliarden Euro. Hinzu kommen geschätzt sechs bis sieben Milliarden Euro, die die Abwicklungsanstalt FMS in ihren Büchern hat und für die der Bund bürgt. Die FMS ist die Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE). Sie soll den Wertpapierbestand der HRE abwickeln. Für ihre Verluste muss der Steuerzahler aufkommen.
    Unter den privaten deutschen Banken trägt die Commerzbank das größte Risiko. Sie hielt Ende März Griechen-Anleihen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro. Ein Verzicht auf diese Forderungen würde die ohnehin schon staatlich gestützte Bank hart treffen. Auch die Deutsche Bank sowie die Versicherer Allianz und Munich Re halten größere Bestände an Griechenland-Anleihen.
    --- Auch die Verstrickung zwischen Versicherungskonzernen und Banken ist bekannt:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Italienische-Grossbank-Allianz-mit-Milliarden-in-UniCredit-verstrickt-1418961

    DAHER: Die Haftung der Allianz geht über ihr ureigenstes Unternehmen hinaus!!!


    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/griechenland/2952939/hilfe-fuer-griechenland-fuer-glaeubiger.story

    Und auch hier: Die Allianz mitten drinnen:

    http://www.lobbycontrol.de/blog/wp-content/uploads/0903-demoflyer-finanzlobby.pdf

    Einmal lesen- und verstehen!

  • Querkopf, wie kommen Sie denn auf die Behauptung, dass die Versicherer in den Südstaaten "Voll" mit dringhängen und keine ausrechende Kapitaldecke mehr besitzen?

    Erstens, sollten Sie nicht allgemein von Banken und Versicherungen sprechen und solch pauschalen Stammtischparolen raushauen. Zweitens sollten Sie sich jedes einzelne Unternehmen mal genauer ansehen. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Die Allianzgruppe (Stand: 3. Quartal 2011) hat ein gesamten Rentenportfolio von 413,5 Mrd. EUR. Hiervon entfallen 7,8 % auf Staatsanleihen. Von diesen 7,8 % entfallen widerum 0,1 % auf Griechenland, die die Allianz darüber hinaus bereits im Oktober 2011 auf 38,9 % des Nominalwertes abgeschrieben hatte. Angesichts dieser Zahlen fürchte ich eher, dass ein Naturereignis wie das Oderhochwasser der Allianz viel mehr zusetzt als ihre Anlage in griechische Staatsanleihen.

    Dieses mal zur Aufklärung. Man sollte sich an den Fakten halten.

  • Das bringt aber nur dann was, wenn man zeitnah Rentner wird - ansonsten sind auch die Schwankungen bei Gold immens.

    Zwischen 1980 und 2000 20 Jahre lang - als das komplette Rentnerleben ist der Goldpreis gefallen - aktuell sind wir sicher eher in einer steigenden Phase, aber wie das in 20 Jahren ist....?

    15% des Vermögens in Gold als Krisenwährung ist sicher sinnvoll - aber als Altersversorgung wenn man < 50 ist... nicht ungefährlch.

  • Ich habe 2008 meine Lebensversicherung gekündigt und das Geld in physisches Gold investiert. Unzenpreis damals:
    Rund 800.- Euro. Unzenpreis heute: Rund 1300.- Euro.

    Aber bitte immer dran denken:

    - Gold kann man nicht essen
    - Gold bringt keine Dividende
    - Gold wird eh nur gestohlen
    - Gold zeugt Gewalt
    - Gold muss teuer verwahrt werden
    - Gold ist ein barbarisches Relikt
    - Gold wurde mit Blut bezahlt
    - Gold ist Terroristenwährung
    - Gold wird bald verboten
    - Gold unterliegt großen Kursschwankungen
    - Gold ist eigentlich nutzlos
    - Gold taugt nur als Schmuck
    - Gold taugt nicht als Wertmaßstab weil zuwenig

    Dafür, dass es so absolut wertlos ist:
    Danke für die immense Klopapiersteigerung ;-))

  • Herr Melsheimer: ist Ihnen eigentlich klar, was Sie da fordern???

    Sie haben Ihren Kunden Garantien gegeben. Das sind gültige Verträge. Wenn Sie die nicht erfüllen können geht es erstmal an die stillen Reserven, Ihre Dividende und Ihr persönliches Gehalt.

    Danach wird Ihr Unternehmen abgewickelt.

    Und ja, Paragraph 89 VAG scheint Sie erstmal zu schützen, aber ob der gerichtlich hält (insbesondere auch auf internationaler Ebene) ist offen.

Serviceangebote