Lebensversicherung
Der letzte Kampf

Der Streit um die Geldtöpfe der Lebensversicherer liegt politisch auf Eis – bis nach der Wahl. Die Branche hat nun ein Jahr Zeit, sich neu zu erfinden. Was die Krise des Verkaufsschlagers für Kunden bedeutet.
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DüsseldorfDer Denkfehler der Versicherungswirtschaft: Die Branchenvertreter schauen nur auf das Problem der Bewertungsreserven. Hier haben sie – isoliert betrachtet - eine nachvollziehbare Argumentation. Sie wollen Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Versicherungsgenerationen herstellen. Dafür sollen theoretische Gewinne, die wegen niedriger Zinsen nur vorübergehend anfallen, nicht mehr an Kunden ausgeschüttet werden, deren Verträge aktuell auslaufen.

Deshalb sagt etwa die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König: „Bei der Vermittlung der Neuregelung in der Öffentlichkeit ist einiges furchtbar schiefgelaufen. Ich nehme ja niemandem einen Geldbetrag weg, mit dem er bei Abschluss des Vertrages fest rechnen konnte.“ Und: „Wir brauchen eine Lösung, die den Interessen aller dient und nicht nur den gerade Ausscheidenden.“ Beide Aussagen zitiert der Branchenverband GDV auf seiner Internetseite – zusammen mit ähnlich lautenden Einschätzungen von anderen Branchenexperten.

Geholfen hat das nicht. Denn: Diese nachvollziehbare Argumentationskette der Branche durchbrechen die Kritiker, indem sie die ganze Debatte auf eine andere Ebene ziehen. Eine Speerspitze ist politisch Gerhard Schick von den Grünen. Seine Kernthese: „Man muss aufpassen, dass nicht die Krise genutzt wird, um Milliarden in die falsche Richtung zu schieben.“

Genug verdient habe die Branche schließlich: „Während die Banken sich derzeit mit 6,5 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern begnügen, erwirtschaftete die Lebensversicherungsindustrie 2011 stolze 14,2 Prozent, der höchste Wert der letzten 10 Jahre.“ Interessant in diesem Zusammenhang: Die Gewinnzahlen der Allianz Lebensversicherung dürften Schick bestätigen.

Die Branchenkritiker pochen darauf, dass Kunden mit auslaufenden Verträgen etwas weggenommen werde. Anderseits halte sich die Branche dagegen auf Kosten der Kunden schadlos. So spricht der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, in einem Beitrag für Handelsblatt Online nicht von Generationengerechtigkeit, sondern von Geldtöpfen, die den Kunden entzogen werden, den Versicherern aber bei ihren Kapitalproblemen helfen.

Kommentare zu " Lebensversicherung: Der letzte Kampf"

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  • Schauen Sie einmal in den Spiegel und beurteilen Sie selbst, ob Sie mit dem Gesicht noch einverstanden sind!

    Es erscheint mir sonderbar, wenn Sie quasi vorwurfsvoll ins Gespräch einbringen, dass der Bürger wenigstens sein eingezahltes Geld zurück haben will.

    Gehen Sie doch einmal mit dieser Ansicht zu Ihrer Bank, zu Ihrem Immobilienfinanzierer und schlagen dort den gleichen Ton an. Ihre "Hütte" ist weg, bevor Sie Ihren Heimweg angetreten haben.

    Wenn hier schon gekämpft, argumentiert wird, dann sollten diesseits und jenseits des Verhandlungstisches die gleichen Regeln gelten.

  • • Ihr Kommentar:
    wenn ich mir vorstelle das von meiner altersvorsorge
    über stattlich suventionierte und protegierte versicherungen sofort 19% steuern abgezogen werden
    dann provisionen an fallen
    dann bänkerboni finanziert werden (für ramschpapiere)
    weil die für das erscheinen und dann fürs arbeiten bezahlt werden.
    dann verluste ausgeglichen werden
    dann versicherungspaläste gebaut werden
    deren lobbyisten politikern das ohr abkauen
    und der klägliche rest in asiatische fonds mit risiko 200% wandern
    (siehe auch bänker)
    kann ich nur sagen
    Das so verballerte geld fehlt
    zur alterssicherung
    fehlt zur investition in kinderbetreuung kindergärten schulen
    was wiederum arbeitsplätze einkommen und alterssicherung bringt
    ausbildung ist im übrigen die einzige nachhaltige alterssicherung
    aber die "gehirnmasse" der freiwerdenden bänker und versicherer kann endlich die Inder und nicht zu uns kommenden ausländer ersetzen, die im bereich der spezialisten gebraucht werden.
    oder noch besser den mittelstand bei der beschaffung von finanzierungen unterstützen.

  • "Deshalb sagt etwa die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König: „Bei der Vermittlung der Neuregelung in der Öffentlichkeit ist einiges furchtbar schiefgelaufen. Ich nehme ja niemandem einen Geldbetrag weg, mit dem er bei Abschluss des Vertrages fest rechnen konnte."

    In Köln sagt man dazu: Doof Nuss!

    Natürlich weiß jeder, dass die BaFin nach § 89 VAG das Recht hat jede Leistungsverpflichtung einer Versicherung unter Beibehalt der Prämienvereinnahmung hat.

    Danach kann kein Versicherungsnehmer bei Abschluss seines Vertrages mit keinem Betrag fest rechnen. Wer so "hieimtückisch" redet ist fehl auf diesem Platz.

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