Lebensversicherung: Misstrauen gegen die Versicherer

Lebensversicherung
Der letzte Kampf

  • 14

Misstrauen gegen die Versicherer

Sein Fazit lautet daher: „Für die Verbraucher wäre es besser, erst einmal alles beim Alten zu lassen, um dann mit Bedacht neue Regeln zu diskutieren. Denn wir brauchen nicht noch mehr Überschüsse, die über eine neue „Mindestzuführungsverordnung“ in noch mehr gläsernen Vitrinen weggeparkt und den Verbrauchern vorenthalten werden.“

Dahinter steckt letztlich ein tiefes Misstrauen gegenüber der Versicherungsbranche. Dieses wird auch von anderen Branchenkritikern geschürt. So legte die Zeitschrift Öko-Test dar, dass die Branche viel mehr Geld auf der hohen Kante habe als gedacht.

Manche amüsiert dabei eine Randnotiz, durch die die Bundesregierung zuletzt noch zusätzlich in Bedrängnis geraten ist. Ihre Gesetzesvorlage zugunsten der Lebensversicherer ähnelt früheren Vorschlägen der Branche sehr stark. Die Regelungen in dem von CDU/CSU und FDP eingebrachten Gesetzentwurf, mit denen die Kunden um ihre vertraglich zugesicherten Ersparnisse gebracht werden sollen, sei von der Branche diktiert worden, lautet daher der Vorwurf von Öko-Test.

Ganze Passagen seien eins zu eins von einer Stellungnahme abgeschrieben, die der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) ein Jahr zuvor veröffentlicht habe. Das Ziel dabei sei auch nicht die Gleichbehandlung der Versicherungskunden, wie die Branche mittlerweile behaupte. Vielmehr wollten die Versicherer ihre Eigenmittel stärken – allerdings auf Kosten der Kunden, so Öko-Test.

Dass es bei der Debatte rund um Bewertungsreserven auch um eine Stärkung der Branche geht, ist gar nicht zu bestreiten. Allerdings zeigt die heftige Kritik am Vorgehen der Versicherer auch, wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt. Diese Skepsis ist in jahrelang geführten, teilweise zermürbenden Diskussionen entstanden, vielfach auch vor Gericht. So mussten die Verbraucherschützer viele Zugeständnisse für Kunden mühsam vor Gericht erstreiten – und selbst, als sie Recht bekamen, war das noch kein großer Erfolg.

Denn die Versicherer setzten neue Regeln oft nicht freiwillig für alle um, sondern warteten darauf, dass Kunden neue Rechte einforderten. Das passiert erfahrungsgemäß eher seltener, zudem greifen oft recht schnell Verjährungsfristen. Kundenfreundlichkeit sieht nach Einschätzung der Verbraucherschützer anders aus.

Einige in der Branche muss das jedoch nicht mehr großartig jucken, jedenfalls wenn Sie ohnehin nicht mehr auf die klassische Lebensversicherung setzen, wie etwa der große Schweizer Versicherer Zurich. Die Gruppe hatte zuletzt ihre Überschussbeteiligung ohnehin auf einen der niedrigsten Werte in der Branche gesetzt: Drei Prozent. Damit signalisierte Zurich, dass das Interesse an diesem Produkt nicht mehr groß ist.

Kommentare zu " Lebensversicherung: Der letzte Kampf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schauen Sie einmal in den Spiegel und beurteilen Sie selbst, ob Sie mit dem Gesicht noch einverstanden sind!

    Es erscheint mir sonderbar, wenn Sie quasi vorwurfsvoll ins Gespräch einbringen, dass der Bürger wenigstens sein eingezahltes Geld zurück haben will.

    Gehen Sie doch einmal mit dieser Ansicht zu Ihrer Bank, zu Ihrem Immobilienfinanzierer und schlagen dort den gleichen Ton an. Ihre "Hütte" ist weg, bevor Sie Ihren Heimweg angetreten haben.

    Wenn hier schon gekämpft, argumentiert wird, dann sollten diesseits und jenseits des Verhandlungstisches die gleichen Regeln gelten.

  • • Ihr Kommentar:
    wenn ich mir vorstelle das von meiner altersvorsorge
    über stattlich suventionierte und protegierte versicherungen sofort 19% steuern abgezogen werden
    dann provisionen an fallen
    dann bänkerboni finanziert werden (für ramschpapiere)
    weil die für das erscheinen und dann fürs arbeiten bezahlt werden.
    dann verluste ausgeglichen werden
    dann versicherungspaläste gebaut werden
    deren lobbyisten politikern das ohr abkauen
    und der klägliche rest in asiatische fonds mit risiko 200% wandern
    (siehe auch bänker)
    kann ich nur sagen
    Das so verballerte geld fehlt
    zur alterssicherung
    fehlt zur investition in kinderbetreuung kindergärten schulen
    was wiederum arbeitsplätze einkommen und alterssicherung bringt
    ausbildung ist im übrigen die einzige nachhaltige alterssicherung
    aber die "gehirnmasse" der freiwerdenden bänker und versicherer kann endlich die Inder und nicht zu uns kommenden ausländer ersetzen, die im bereich der spezialisten gebraucht werden.
    oder noch besser den mittelstand bei der beschaffung von finanzierungen unterstützen.

  • "Deshalb sagt etwa die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König: „Bei der Vermittlung der Neuregelung in der Öffentlichkeit ist einiges furchtbar schiefgelaufen. Ich nehme ja niemandem einen Geldbetrag weg, mit dem er bei Abschluss des Vertrages fest rechnen konnte."

    In Köln sagt man dazu: Doof Nuss!

    Natürlich weiß jeder, dass die BaFin nach § 89 VAG das Recht hat jede Leistungsverpflichtung einer Versicherung unter Beibehalt der Prämienvereinnahmung hat.

    Danach kann kein Versicherungsnehmer bei Abschluss seines Vertrages mit keinem Betrag fest rechnen. Wer so "hieimtückisch" redet ist fehl auf diesem Platz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%