Lebensversicherung
Wem die Kunden weglaufen

Mehrere Millionen Kunden kündigen jedes Jahr ihre Lebensversicherung. Doch nicht alle Versicherer sind gleich stark von der Welle betroffen. Mit wem die Versicherten zufrieden sind und bei wem sie sich oft verabschieden.
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DüsseldorfKleine Zahlen haben oft eine große Bedeutung. In der Lebensversicherung ist die Stornoquote ein Beispiel dafür. Sie gibt jenen der Teil der Kunden an, die ihren Vertrag gekündigt haben. 3,48 Prozent betrug sie 2012. Das sei so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, sind die Versicherer stolz. Allerdings erschließt sich die wahre Dimension der Kennziffer erst auf den zweiten Blick.

Grundsätzlich sollten Sparer Lebensversicherungen nicht kündigen, weil man dabei draufzahlt. Doch tatsächlich passiert dies öfter als gedacht. Denn der Bestand ist mit rund 90 Millionen Verträgen riesengroß – und die Lebensverhältnisse können sich schnell ändern. Selbst wenn nur drei bis vier Prozent der Verträge aufgelöst werden, sind das mehr als drei Millionen im Jahr.

Summiert man das Storno auf, so haben die Versicherten seit der Jahrtausendwende mehr als 40 Millionen Verträge bei ihren Lebensversicherern gekündigt. Ähnlich gewaltig sind die Geldsummen, um die es hier geht. Immerhin 14,4 Milliarden Euro zahlten die Versicherer im vergangenen Jahr vorzeitig zurück. Das sind knapp ein Fünftel der gesamten Auszahlungen im Jahr 2012.

Seit 2000 haben die Lebensversicherer sogar knapp 160 Milliarden Euro vorzeitig an ihre Kunden ausgezahlt, wie Statistiken des Branchenverbandes GDV zeigen. Das waren im Schnitt gut 18 Prozent der gesamten Auszahlungen an Kunden. Diese Quote schwankte dabei in diesem langfristigen Betrachtungszeitraum recht stabil zwischen 16 und 20 Prozent.

Allerdings sind die Lebensversicherer sehr unterschiedlich von dieser Kündigungswelle betroffen. Einige wenige erreichen Stornoquoten von mehr als zehn Prozent. Viele Unternehmen liegen mittel- und langfristig auch über sechs Prozent, also deutlich über dem Branchenschnitt, wie eine Analyse des „Map-Reports“ ergab.

Für Kunden ist es wichtig, diese Unterschiede zu beachten. Denn Versicherer mit wenigen Kündigungen sind offenbar gut in der Lage, auf die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Klientel einzugehen. Gemeinhin gilt eine niedrige Stornoquote daher als indirekter Hinweis auf die Qualität des Versicherers und seiner Verkäufer.

Kommentare zu " Lebensversicherung: Wem die Kunden weglaufen"

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  • mehr Informationen zu den "Testsiegern" finden Sie hier:

    http://www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/die-lebensversicherer-mit-den-groessten-stornoproblemen-116778.php?link=1

    http://geprellte-vermoegensberater.org/

    Sehr lesenswert!

  • Nur die Dümmsten kaufen noch Kapitallebensversicherungen. Verzinsung von 1,5 % p.a., dazu die Vollpfosten vom Strukturvertrieb wie Super-Türken-Göker, die immer bezahlt werden müssen ebenso wie die schicken Glaspaläste.
    Masochisten? Nein, typisch Deutsche.

  • Christian Berlin
    Das ist Laien-Versicherungswissen Herr Kummer. Für die Versicherung lohnt sich der Kunde bis zum letzten Tag, da die biometrischen Risiken aus einem extra Topf bedient werden und nur den Versicherten zur Verfügung steht.
    Erst recht bei Fondspolicen. Hier werden Gebühren über Gebühren (gerade bei Dachfonds) durch den Kunden bezahlt. Und obendrein noch Kick backs von den Fondsgesellschaften verlangt.

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