Lebensversicherung
Zinsen drohen unter vier Prozent zu sinken

Die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten setzen auch Versicherer unter Druck. Die Allianz verzinst ihre Lebensversicherungen nur noch mit vier Prozent. Andere Anbieter unterschreiten sogar diese wichtige Marke.
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FrankfurtDie Inhaber von Lebensversicherungen müssen sich in den kommenden Jahren auf niedrigere Gutschriften einstellen. Der Marktführer Allianz kündigte gestern an, dass man die laufende Überschussbeteiligung für 2012 um 0,1 Prozentpunkte auf vier Prozent senken werde.

Das ist noch vergleichsweise moderat. Im Branchenschnitt könnte die Verzinsung des Sparguthabens in den Verträgen im nächsten Jahr die wichtige Marke von vier Prozent unterschreiten, vermuten Manager und Analysten. 2011 lag die durchschnittliche Verzinsung bei 4,1 Prozent. Zur Jahrtausendwende hatten viele Anbieter sogar noch mehr als sieben Prozent gezahlt. "Wir erwarten, dass die historisch hohen Zinsen der Vergangenheit so schnell nicht wiederkommen werden", sagt ein Sprecher der Allianz.

Die Versicherer leiden unter dem Zinsrückgang an den Finanzmärkten. Sie legen die Prämien ihrer Kunden an den Kapitalmärkten an, vor allem in Anleihen, aber auch in Aktien oder Immobilien. Gesetzlich sind sie verpflichtet, ihre Kunden mit 90 Prozent an den erwirtschafteten Kapitalüberschüssen zu beteiligen. Doch da die Zinsen im Keller sind, nehmen die Versicherer weniger ein - und können weniger Überschüsse gutschreiben. Die Alte Leipziger hat angekündigt, dass sie die laufende Überschussbeteiligung für das Jahr 2012 auf 3,85 Prozent senken wird. Die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge beträgt noch 4,55 Prozent - 0,25 Prozentpunkte weniger als bisher. In die Gesamtverzinsung fließt noch ein sogenannter Schlussüberschussanteil ein, den Kunden sozusagen als Bonus am Ende der Vertragslaufzeit erhalten.

Der Versicherer Axa senkt die laufende Verzinsung von vier auf 3,8 Prozent. In den nächsten Tagen werden auch andere Gesellschaften die neuen Werte mitteilen. Vier Prozent gelten dabei als eine magische Grenze. Ende der 1990er-Jahre hatten die Versicherer einen Garantiezins in dieser Höhe versprochen. Diese garantierte Mindestrendite gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Senkt eine Gesellschaft nun die Überschussbeteiligung unter vier Prozent, muss sie zwischen älteren und neuen Kunden unterscheiden. Wer noch einen Altvertrag mit einem Garantiezins von vier Prozent hat, erhält diese Gutschrift weiterhin. Kunden mit jüngeren Verträgen erhalten den neuen, niedrigeren Zinssatz. "Die Ungleichbehandlung kratzt am Image", sagt ein Versicherungsmanager. Es könne der Eindruck entstehen, dass die älteren Kunden einen Zins erhalten, den sich der Versicherer eigentlich gar nicht leisten kann - und die jüngeren Kunden müssen diesen "Luxus" mitfinanzieren.

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