Lebensversicherungen
160 Milliarden Miese durch vorzeitige Kündigungen

160 Milliarden Euro haben Verbraucher in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren durch vorzeitig gekündigte Lebensversicherungen verloren. Das geht aus einer Studie der Verbrauchzentrale Hamburg hervor.
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HamburgVerbrauchern in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren durch vorzeitig gekündigte Lebensversicherungen ein Schaden von bis zu 160 Milliarden Euro entstanden. Das geht aus einer Studie der Verbraucherzentrale Hamburg hervor, wie diese am Freitag mitteilte. In ihrem Auftrag hatten Wissenschaftler der Universität Bamberg gekündigte Verträge aus den Jahren 2001 bis 2010 untersucht und ihre Ergebnisse mit „sicheren Anlageformen“ verglichen.

Die Rechnung offenbare „dramatische Missstände am Finanzmarkt und deren milliardenschwere Folgen“, bewertete der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Gerd Billen, die Ergebnisse. Solche Missstände könnten nur mit Hilfe einer verbrauchernahen Marktkontrolle aufgedeckt werden. „Hier sind die Lehren aus der Finanzkrise noch nicht gezogen“, erklärte Billen.

Der Gesetzgeber rühme sich zwar, etwas gegen Schäden der Anleger durch den Grauen Kapitalmarkt unternommen zu haben, erklärte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, Günter Hörmann. Die Verluste durch Kapitallebensversicherungen seien aber „um ein Vielfaches höher“.

Bei den auf Jahrzehnten angelegten Verträgen sind nach Angaben der Verbraucherschützer Abbrüche etwa aufgrund von falscher Beratung, wegen Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit keine Ausnahme. Die Stornoquote liege bei etwa sechs Prozent. Hohe Kosten und eine für den Kunden nachteilige Verrechnung von Kosten und eingezahlten Prämien führten bei diesen Personen dazu, dass nach einer Kündigung oft nur noch wenig Geld ausgezahlt werde. 

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Lebensversicherungen: 160 Milliarden Miese durch vorzeitige Kündigungen"

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  • Die Empfehlung eine Lebensversichrung zu kündigen kommt doch von den Verbraucherzentralen die die Verzinsung und die viel zu hohen Kosten bemängeln.

  • Das Gejammere kommt einem so vor wie der Bahnkunde, der am Bahnschalter sagt, er will von Hamburg nach München fahren und der dann in Kassel aussteigt und sich über den zu hohen Ticketpreis beschwert!

  • Die Verluste entstehen nicht wegen der Kündigung, sondern aufgrund der Vertragsunterschrift. Die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten treiben das Versicherungskonto sofort massiv ins Minus. Leider bekommt der Versicherungsnehmer von der Versicherungsgesellschaft sofort nach Vertagsabschluss keinen offiziellen Kontoauszug mit den aufgeführten Kosten (wie man ihn füs Girokonto bei der Bank bekommt), sonst könnte der Unterzeichner sofort sehen, dass er durch seine Unterschrift massiv ins Soll fährt.
    Die Kündigung ist nur die positve Konsequenz sich eines sehr teuren Vertages zu entledigen.
    Leider schreiben sowohl das Handelsblatt als auch die Verbraucherverbände, dass die Kündigung der Auslöser für die Verluste sind. Ganz im Gegenteil: Durch die Kündigung unterbricht man die Kostenspirale.
    Wenn man weiss, dass die Verbraucherverbände vom Staat gesponsert werden, und der Staat die private Altervorsorge propagiert, weiss man auch, warum über Kündigungen so negativ geschrieben wird.

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