Lebensversicherungen
Die Zahlentricks der Versicherer

Der Druck auf Anbieter von Lebensversicherungen steigt. Sie versprechen mit unverbindlichen Beispielrechnungen geschönte Leistungen. Der Kunde hat das Nachsehen. Die gängigsten Rechentricks im Überblick.

FRANKFURT. Lebensversicherer nutzen oft Mathematik, um ihre Produkte schön zu rechnen. Dem Kunden gaukeln sie mit Rechentricks angeblich hohe Leistungen vor, damit Vertreter und Makler gute Geschäfte machen können. Tatsächlich sind die Beispielrechnungen unverbindlich und kalkulieren oft allzu großzügig Kosten ein.

Der Kunde kauft, was einen guten Eindruck macht. Deshalb müssen es Lebensversicherer schaffen, gut auszusehen, erklärt ein Aktuar. Praktisch geschieht dies etwa, indem die Unternehmen "nicht verursachungsgerechte Bezugsgrößen" verwenden. Wie das geht, verdeutlicht ein fiktives Beispiel: Ein Versicherer hat noch nicht viele Verträge im Bestand. Er verlangt als Verwaltungskosten acht Prozent jedes Beitrags, braucht aber nur vier Prozent. Daher gibt er die verbleibenden vier Prozent als Kostenüberschuss an den Kunden zurück.

So weit, so gut - nun kommt der Trick: Den Kostengewinn bekommt der Kunde nicht direkt, also in Form von vier Prozent des Beitrags. Er wird stattdessen als Anteil des Fondsguthabens gewährt. Das bedeutet bei einem jungem Bestand: Aktuell entsprechen vier Prozent des laufenden Beitrags vielleicht einem Prozent des Fondsguthabens. Mit dieser "Überschussbeteiligung" von einem Prozent bastelt der Versicherer eine Modellrechnung für die gesamte Vertragslaufzeit. Er weiß dabei, dass diese Rechnung nicht nachhaltig ist. Denn er kann nicht dauerhaft ein Prozent des Fondsvolumens als Kostenüberschuss gewähren.

Der Grund: Ist der Bestand gewachsen, entsprechen vier Prozent des laufenden Beitrags vielleicht nur noch 0,1 Prozent des Fondsguthabens. Die Modellrechnung bei Vertragsabschluss wird also selbst dann unrealistisch, wenn die Überschussbeteiligung unverändert bei vier Prozent des Beitrags bleibt - was im Übrigen im Kleingedruckten keineswegs garantiert wird, sondern völlig unverbindlich ist.

Im Ergebnis entsteht eine bizarre Situation, erklären Kenner der Materie: "Auch wenn solch eine Überschussdeklaration zum Zeitpunkt ihrer Festlegung korrekt ist und die Beispielrechnung unter der Annahme einer unveränderten Überschussdeklaration ebenfalls korrekt ist, entsteht dennoch ein unzutreffendes Bild der Leistungsfähigkeit der Versicherung." Mit anderen Worten: "Die Ablaufleistung wird künstlich hochgerechnet", kritisiert der Finanzplaner Mark Ortmann das System. Der Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge kämpft seit Jahren für Beispielrechnungen, in denen die generierten Kosten offen gelegt werden. Dagegen wehrt sich die Branche bisher vehement, weil zu viel Transparenz dem Verkauf schaden würde. Schließlich könnten die Kunden unangenehme Fragen stellen. Schon gegen die simple Ausweisung von Abschlussprovisionen kämpften die Versicherer, unterlagen dann aber.

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