Lebensversicherungen
Ende eines deutschen (Rendite-)Traums

Einst galt die Lebensversicherung als der Deutschen liebstes Anlageprodukt. Doch nicht zuletzt dank der EZB sind die goldenen Zeiten vorbei. Wer heute sein Leben versichert, sollte bescheiden sein – und einiges beachten.
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DüsseldorfMario Draghi ist kein Freund der Versicherer. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ist zu großzügig. Um die Schuldenkrise in Europa zu lindern, will er künftig verstärkt Anleihen aus den kriselnden Südländern kaufen; außerdem hält er den Leitzins niedrig – und drückt damit das Zinsniveau. Dass sich so bald daran etwas ändern wird, glaubt niemand. Die Zeit des billigen Geldes ist noch lange nicht vorbei.

Für die Versicherer ist das ein großes Problem. Denn alte Renditeversprechungen an ihre Lebensversicherungskunden, drei oder gar vier Prozent, werden so immer schwieriger zu erfüllen, weil sichere Anlageprodukte, in die die Konzerne das Geld ihrer Kunden investieren, nur noch wenig abwerfen. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen etwa,  die Versicherungskonzerne in den vergangenen Jahrzehnten nur allzu gerne gekauft haben, bringen gerade einmal um die 1,3 Prozent Rendite.

Die Versicherer haben deshalb in den vergangenen Jahren  ihre Renditeversprechungen, den sogenannten Garantiezins, anpassen müssen; sie sind weniger großzügig als noch vor Jahren. Das gilt aber nur für Neukunden, an den Altverträgen können die Versicherer nicht rütteln. Sparer, die derzeit eine neue Police abschließen wollen, bekommen  dagegen nur noch 1,75 Prozent Rendite garantiert. Damit nicht genug: auch die Überschussbeteiligungen sinken.

Und das ist das zweite Problem der Versicherungsbranche. Während  die Versprechen an die alten Kunden sehr großzügig und damit nicht mehr so leicht zu erfüllen sind,  finden Neukunden die aktuellen Angebote schlicht unattraktiv. Der Ruf der Kapitallebensversicherung, ein sicheres und gleichermaßen lukratives Anlageprodukt zu sein,  hat gelitten.

Aber was sollten Kunden in diesem Umfeld tun? Besser keine Kapital bildenden Lebenpolicen mehr abschließen?

Zunächst sollten die Versicherte nicht in Panik verfallen. In Japan gingen zwar während der jahrelangen Niedrigzinsphase fünf Gesellschaften Pleite. Die Situation ist aber nicht mit Deutschland zu vergleichen. „Mir ist derzeit keine Gesellschaft bekannt, die sich in einer gefährlichen Schieflage befindet“, sagt Prof. Dr. Kurt Wolfsdorf, Vorstand der Deutschen Aktuarsvereinigung. Zwar gerieten während der letzten großen Belastungsprobe, dem Aktiencrash Ende 2000 einige Gesellschaften in Schieflage und die Mannheimer musste ausscheiden. „Das Zinstief kommt aber nicht überraschend, die Gesellschaften müssten sich darauf vorbereitet haben“, meint Wolfsdorf.

Die Branche wird über ein mehrstufiges Sicherungssystem kontrolliert. Verantwortlichen Aktuare sicher Prämien und Rückstellungen, die Bafin überwacht die Gesellschaften und das Sicherungssystem Protektor kann Unternehmen in Schieflage auffangen. Aus Angst vor einer möglichen Insolvenz sollte niemand seine Police kündigen.

Kommentare zu " Lebensversicherungen: Ende eines deutschen (Rendite-)Traums"

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  • Lebensversicherungen weissen ein best. Risiko auf und daher sollte man einen Lebensversicherung Vergleich Rechner besuchen und die Lebensversicherung vergleichen. Ich kenne einen Vergleich Rechner, der sofort eine Risikoversicherung anbietet. Sollte man dies aber nicht wollen, kann man natürlich auch die Lebensversicherung kündigen, zum Verkauf oder Rückkauf anbieten. Sollte man sich für die Kündigung entscheiden geht dies auch sehr einfach!

    Weitere Infos unter: http://www.lebenversicherung.ch

  • Was, nur 3 Alternativen zur Kündigung? Das hat sich aber am 27. März dieses Jahres noch anders angehört: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/kuendigung-wie-lebensversicherer-ihre-kunden-ueberlisten/6441696.html

  • Wow, Hut ab vor solchen Kommentaren wie hier. Kein Wunder dass soviele in die geplante Altersarmut steuern. Bei solch' tollen Anlagestrategien! Bin gespannt wie ihr dann im greisen Alter zur Bank wackelt und euer Gold dort verkauft um eine lebenslange Leibrente MIT PLANUNGSSICHERHEIT abzuschließen. Aber das tut Ihr ja nicht, Ihr handelt ja schließlich mit Ü80 auch noch kompetent und lukrativ mit Aktien und Gold. Ich wette jeder zweite Goldhansl hier hat nicht mal eine ausreichende Einkommenssicherung (landläufig "BU-Vorsorge")für Fälle von Krankheit/Unfall/Kräfteverfall etc in der Schublade. Aber auch da seid Ihr sicher viiiiieeeel schlauer, als wir dummen Versicherungsvorsorger.

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