Lebensversicherungsfonds: Anleger verdienen zuletzt: Die Risiken des Lebensversicherungs-Zweitmarktes

Lebensversicherungsfonds: Anleger verdienen zuletzt
Die Risiken des Lebensversicherungs-Zweitmarktes

Der Gebrauchtmarkt für Lebensversicherungen ist vor allem in den USA und in Großbritannien von Bedeutung. Jedoch lauern dort auch einige Risiken.

Anfang Januar schreckte der amerikanische Gebrauchtpolicenkäufer Wm. Page die deutsche Fondsbranche auf: Die Gesellschaft kündigte an, auch hierzulande einen geschlossenen Fonds mit gebrauchten US-Lebensversicherungen aufzulegen. Zuvor verkaufte Wm. Page in Deutschland diese Policen nur direkt an Privatanleger, ohne zwischengeschalteten Fonds. Nach Berechnung des Analysten Stefan Loipfinger sammelten die Anbieter 2004 rund 1,2 Milliarden Euro Eigenkapital ein - nach 290 Millionen Euro 2003. Mit diesem Geld kaufen die Fonds Policen, zahlen die Prämien weiter und kassieren am Laufzeitende die Versicherungssumme.

Die US-Variante war 2004 die beliebteste: 80 Prozent des so angelegten Kapitals floss dorthin. Anders als in Deutschland, wo mit klassischen Lebensversicherungen gehandelt wird, kaufen diese Fonds Risikokapitallebensversicherungen auf - und davon nur mehrere Dutzend. Sie profitieren vom Ableben des Kunden - daher der Beiname "Aidspolice". Stirbt der Verkäufer der US-Police, kassiert der Fonds die Todesfallsumme. Somit unabhängig von den Aktien- und Rentenmärkten sollen per anno Renditen von acht und mehr Prozent fließen.

Doch es gibt beträchtliche Risiken. Je länger der Ex-Policenbesitzer lebt, desto länger müssen die Prämien bezahlt werden - die Laufzeit der Policen ist unbegrenzt. Und desto später fließt die Todesfallleistung. In den Neunzigerjahren konnten Policenkäufer die Freude vieler Aidskranker über neue Medikamente nur mühsam teilen.

Wegen diesen Unwägbarkeiten sind deutsche Initiatoren auf das Know-how teurer Berater angewiesen. Das treibt die Nebenkosten der Fonds in die Höhe. So will der "Sachsenfonds Life Settlement I" nur rund 44 Millionen von 61 Millionen Dollar direkt für Policen ausgeben, den Rest verschlingen vor allem Honorare und Gebühren. Fließen trotzdem Erträge in Dollar, könnte ein weiterer Verfall der US-Währung an der Rendite in Euro zehren.

Immerhin: Die Gefahr, dass den Anlegern Steuervorteile aberkannt werden, scheint gebannt. Die meisten Initiatoren verlagern den Sitz der Fonds in die USA und ent- ziehen sich somit der angedrohten Besteuerung in Deutschland. Dafür gelten hohe US-Freibeträge und niedrige Steuersätze. In Deutschland sind die Erträge steuerfrei, allerdings kann der Steuersatz durch den Progressionsvorbehalt steigen. Ob der Fiskus die Konstruktionen hinnimmt, wissen Anleger aber erst nach einer Betriebsprüfung der Fonds. Die Diskussion um die Steuerfreiheit hat die Anleger jedenfalls massiv verunsichert, seit Mitte 2004 ebben die Investitionen in US-Fonds deutlich ab.

In Großbritannien winken niedrige Steuern

Auch Fonds, die in gebrauchte britische Kapital-Lebensversicherungen investieren, ziehen ins Ausland - meist direkt auf die Insel. Dort winken niedrige Steuern, in Deutschland droht lediglich der Progressionsvorbehalt. Die Portfolios der Briten sind größer als die ihrer US-Pendants: Sie kaufen mehrere tausend Policen und verdienen wenn die Police weiterverkauft oder die Ablaufleistung fällig wird. Sie werben mit Renditen um zehn Prozent jährlich.

Die Lebenserwartung spielt zwar keine Rolle, trotzdem halten auch hier zunächst Vermittler und Berater die Hand auf. So fließen beim "MTV British Life II" weniger als 80 Prozent des eingesammelten Geldes in den Kauf der Policen. Zu den hohen Kosten kommt ein weiteres Risiko: Britische Lebensversicherer investieren weit mehr als die Hälfte des Geldes in Aktien. Schön, wenn die Börse nach oben läuft. Dumm, wenn die Renditen bröckeln und damit der Wert der Policen. Stabilität für aktienlastige Depots können Briten-Fonds, anders als US-Fonds, also nicht versprechen.

Deutsche gebrauchte Policen sind sicherer, aber vergleichsweise unsexy: Niedrige Aktienquoten und vorhersehbare Ablauftermine sollen für Renditen zwischen 4,5 und 6,5 Prozent im Jahr sorgen. Nach Steuern, denn die Erträge aus den meist mehr als 1000 Kapital-Policen pro Fonds müssen Anleger mit dem Fiskus teilen. Anbieter werben mit steuerlichen Verlusten von bis zu 20 Prozent im ersten Jahr.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 7 vom 10.02.2005 Seite 112

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