Leistungen verweigert

Unfallopfer bedrängen Versicherer

Der Druck auf säumige Versicherer steigt: Das Justizministerium sammelt Klagen, Verbraucherschützer fordern Bußgelder für Verzögerungstaktiken. Die Branche streitet alles ab. Wie Versicherte zu ihrem Recht gelangen.
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Ein Unfall - und dann? Schadenersatz vom Versicherer wäre schön. Doch das Geld fließt oft nicht so schnell wie gewünscht. Quelle: Getty Images

Ein Unfall - und dann? Schadenersatz vom Versicherer wäre schön. Doch das Geld fließt oft nicht so schnell wie gewünscht.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfJürgen Hennemann vertritt Unfallopfer vor Gericht, seit fast zwei Jahrzehnten. Er weiß, wovon er spricht: „Wir Anwälte kennen hunderte von Fällen, in denen die Versicherer Entschädigungen für Opfer systematisch verschleppt und verzögert haben.“

Selbst unverschuldet Geschädigte müssten „häufig über viele Jahre einen regelrechten Kampf“ mit Versicherern führen, um Ersatz für ihre Schäden zu erhalten. Das stellt Stefanie Jeske in einem Brief an Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger fest. Sie ist die Vorsitzende des Opferschutz-Verein Subvenio aus Düsseldorf. Das Bundesministerium hatte die Verbraucherschützerin zuvor in einem Brief aufgefordert, zur Regulierungspraxis der Versicherer Stellung zu nehmen. Die Korrespondenz liegt Handelsblatt Online vor.

Im Ministerium „gehen immer wieder Beschwerden ein“, heißt es in dem Schreiben, „Versicherer leisteten mit erheblicher Verzögerung“. Gesellschaften würden demnach die wirtschaftlich stärkere Position ausnutzen um „Anspruchsteller in zermürbenden Rechtsstreitigkeiten zur Aufgabe des Anspruchs zu bewegen“.

Aufgeschreckt durch Berichterstattung in den Medien kontaktiert das Ministerium Verbraucherschützer, Versicherungsberater, gemeinnützige Vereine aber auch Gerichte und Branchenverbände. Die Kernfragen lauten: Regulieren die Versicherer auf Basis der Gesetze? Reicht das geltende Recht aus, damit Kunden berechtigte Ansprüche durchsetzen können? Sind Gesetzesänderungen erforderlich?

Die Opferschützer Jeske und Hennemann gehören zu einer Reihe von Aktivisten, die schon länger schärfere Gesetze zulasten der Versicherungsbranche einfordern. Ihr Ziel: Waffengleichheit zwischen Opfern und Versicherern.

Das Mittel dafür soll sein: Saftige Strafen für Versicherer, die Vorgänge verzögern oder verschleppen. Entsprechende Änderungen könnten im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgeschrieben werden.

Fachanwalt: In den USA ist der Opferschutz effektiver.
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24 Kommentare zu "Leistungen verweigert: Unfallopfer bedrängen Versicherer"

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  • "Herr Rolliinger der verantwortliche bei der GDV und gleichzeitig Vorstand der R+V versäckelt wiedermal die Kunden. Die R+V ist als Hartliner in der Branche bekannt und selbst ich muss seit 4 JAHREN mittels Prozess gegen die R+V meine Schadenregulierung erkämpfen. Danke liebe R+V: Meine Mitarbeiter sind alle entlassen, meine Firma zerstört und ich Insolvent!! Ihre schönen Argumente können Sie das WC runterspülen. Zeigen Sie doch mal Transaprent auf wie es KMU-Schadenregulierungen aussieht. Da verhält es sich<br/>jedoch so das dass zerstören von Existenzen und Arbeitsplätzen dem Begriff Schadenregulierungsgewinn nicht standhalten kann. Keinem Betrüger steht aus Vortäuschung fremdes Geld zu welches das Kollektiv trägt. Aber Versicherer die Unternehmen als Versicherungsbetrüger in den Medien öffentlich denuzieren wie Sie Herr Rollinger und dies mittels verschwägerte Journalistin ihres GSR Gogg ist schwer kriminell!! Was denken Sie, sehr geehrter Herr Rollinger, Vorstand der R+V, nach Verlust meines Geschäfts, nach Verlust aller sozialen Kontakte durch Rufmord als Betrüger und mit Eintritt der Insolvenz nach 2 jährigem Kampf und Verlust aller Ersparnisse... was denken Sie, Herr Rollinger wie tief man noch fallen kann? Eines versichere ich Ihnen: NIEMALS SO TIEF WIE SIE! cu KOH"

  • Wir haben selbst privat mit privaten Versicherungs-Gesellschaften und Schadenansprüchen zu tun. Allianz und R+V (Arzthaftung) sowie VHV Unfallversicherung. Die Allianz schießt den Vogel ab und nach dem Motto "sie können ja klagen" wird erstmal abgelehnt - dabei werden medizinische Details angegeben (die dazu auch noch falsch sind), obwohl die Gesellschaft nicht einmal eine Einwilligung zur Schweigepflichtsentbindung hat! Da hat sich die R+V schon mehr Mühe gegeben, allerdings mit der gleichen Taktik.
    Die VHV Unfall möchte, nachdem immer mehr Beeinträchtigungen aufgetaucht sind, ihre eigenen Bedingungen nicht mehr kennen. Hier gibt es aber auch eine generelles Hinhalteverfahren, das auch bewiesen werden könnte.
    Nur die wenigsten Menschen gehen den langen Weg zu Gericht, schon allein aus den gesundheitlichen Gründen - ganz zu schweigen vom finanziellen Risiko.
    Darauf baut die Vers.-wirtschaft und nennt selbst die Klagequoten von 3 bis 5 %, die aber sicher nicht so niedrig sind, weil alle anderen Ansprüche so korrekt geprüft bzw. reguliert wurden, sondern erfolgreich auf einer Zermürbung aufbauen!

  • "Es sind die Beeinflussungskampagnen durch Versicherungsmediziner, welche Ärzte, Anwälte und Richter in ihren speziellen Schulungen und Vorträgen als Mittel zum Zweck - zu immer denselben, für die Versicherungswirtchaft günstigen Schadenersatzpflichtentsorgungen bringt."

    Sie beschreiben eine spezielle Form der Korruption.

    Ja, so machen es die Lobbyisten. Ein ganz typisches Bespiel ist die Zitschrift: MEDSACH oder "Der medizinische Schverständige".

    Der Zeitschriftenname klingt gut, ist aber der Ableger eines Verlags, der selbst vergibt seine Kompetenz im Sanitär- und Installationsbereich zu haben. In der stellv. Leitung taucht ein Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft. Es ist mir bisher kein Artikel dort bekannt geworden, der im Einklang mit den allgemeingültigen Prinzipien zur Veröffentlichung medizinischer Artikel stand. Sie ist vom wissenschaftlichen Stand her gesehen mit de Apotheken-Umschau vergleichbar.

    Dort wird insbesondere darf hingewiesen, dass aus dem Artikel der Name des Sponsors sowe die Erklärung, wenn sie denn zutrifft, dass der Autor mit seinem Beitrag frei von einem Interessenkonflikt ist, hervorzugehen hat.

    Googlen Sie und Sie sehen die Überraschungen.

    Man kommt sehr schnell zu der Feststellung, dass die Gerichtsurteile wie geschmiert gesprochen werden. Es wird wahrscheinlich nicht für alle zutreffen. Aber für einen großen Teil wie immer, wenn es keine Kontrollen gibt.

  • Insider:
    Richtig erwähnt wurde bereits, dass das wohl entscheidenste Zahnrad in der "Entsorgung" von Ansprüchen, die medizinischen Gutachter sind. Hier besteht deutlicher Handlungsbedarf! Jeder zweifelhaft kompetente und als Arzt häufig erfolglose Mediziner, muss sich nur als "Gutachteninstitut" deklarieren (dafür braucht es nix - nicht einmal eigene Räumlichkeiten...) an den einschlägigen "Fortbildungen" teilnehmen(an denen gleichermaßen Versicherungs-Sachbearbeiter, Juristen und Mediziner teilnehmen)und sich an richtiger Stelle positionieren und er hat finanziell ausgesorgt, wenn er das Liedchen seiner Brötchengeber fein trällert. Da werden völlig verrückte und haltlose Ergebnisse in Gutachten generiert! Der Markt ist gigantisch, denn diese Gutachter bekommen Aufträge aus allen Versicherungsbereichen: GRV, GUV, GKV, PKV, PUV, HVen, BUV uvm.
    Der Hebel muss dringend hier angesetzt werden, denn ohne ihre medizinischen "Schlechtachter" sind die "Nein-Sager" aufgeschmissen!

  • Das Verhalten der Versicherer ist ein enormer Wirtschaftsschaden.
    Während die Versicherer ihre Beiträge, jährlich erhöht, haben sie im Laufe der Zeit ein Netzwerk aufgebaut, und wird immer aggressiver ausgebaut, Schadensersatzpflichten zu entsorgen.
    Folge: Die Versicherer sammeln immer gigantischere Vermögen an, Quartalsgewinne in Milliardenhöhen.
    Dazu werden diejenigen, die wegen Schaden auf Versicherungsleistung angewiesen sind und auch einen Rechtsstatus auf Schadensersatz haben, in den Existenzverlust gejagt, mit taktischer Strategie der Schadensersatzpflichtentsorgung durch die Versicherungen.
    Unfallgeschädigte verlieren alles, ihre Gesundheit, ihren Job, ihre Familien, das soziale Umfeld, alles.
    Wer muss es auffangen?: die Krankenkassen, die Rentenkassen, Harzt4, ..., die Kaufkraft der Geschädigten und ihrer Familien ist bankrott, also alles kostet den Steuerzahler nochmals, wobei jeder neben seinen Versicherungsbeiträgen nochmals zur Kasse mit Erhöhungen der Beiträge gebeten wird. Die Arbeitgeberbeiträge könnten viel niedriger ausfallen, wenn das teure Netzwerk der Schadensersatzpflichtentsorgung eliminiert würde und ein unabhängiges Gutachterwesen die Schadensersatzregulierung betreute.
    Es wäre schon hilfreich wenn Richtern verboten würde, sich von Versicherungsvorträgen beeinflussen zu lassen und die Unabhängigkeit in den Gerichtssälen oberstes Gebot hätte. Denn jeder Gerichtsprozess hat in Schadensersatzpflicht-Fällen immer eine konstante Prozesspartei (die Versicherer) und eine "Hasen"-Partei (die Versicherten bzw. die Geschädigten).

  • Das ist ein treffender Kommentar.
    Stichwort: unabhängiges Gutachterwesen.

    Zertifiziert zum Gutachter wird man durch Versicherungsschulung.
    Solche zertifizierten Gutachter werden auf Listen oder in speziellen Gutachter-Organisationen geführt und von Gerichten und Versicherungen aller Art abgerufen.
    Die Gutachterorganisationen sind es auch, die die Vorträge für die Beeinflussung von Anwälten und Richtern organisieren.
    Ganze Gutachteninstitute leben von den Aufträgen durch Versicherungen und Gerichten.
    Welche Versicherung würde einen Gutachter weiterhin beauftragen, der ein Gutachtenergebnis zu Gunsten der Schadensersatzpflichtleistung für den Versicherten provozierte?

  • Sie befinden sich auf einem Irrweg!
    Es sind die Beeinflussungskampagnen durch Versicherungsmediziner, welche Ärzte, Anwälte und Richter in ihren speziellen Schulungen und Vorträgen als Mittel zum Zweck - zu immer denselben, für die Versicherungswirtchaft günstigen Schadenersatzpflichtentsorgungen bringt.

    Richter sind abhängig in ihrer Meinungsbildung von den Vorgaben ihrer Gerichtsgutachter. Versicherungsgeschulte Gutachter sind außer Stande, ein neutrales Gutachten zu schreiben.

    Jeder Mensch wird massiv von dem beeinflusst, was er in Psycho-Schulungen suggeriert bekommt. Sehen Sie sich das Netz der Versicherungsmediziner an, mit ihren Schulungskonzepten, diese leben ausschließlich davon, und das macht abhängig.

  • Die Verzögerungstaktiken der Versicherer sind offensichtlich - nicht nur der Unfallversicherer ! Mit allen erdenklichen Argumenten wird offenbar generell und sehr häufig versucht, Leistungen zu umgehen, zumindest so lange wie möglich zu verzögern. Dies ist skandalös ! Der Gesetzgeber muß hier endlich einen Riegel vorschieben !

    Mein Fall: Reisestornierung erforderlich ca. vier Wochen nach der Reisebuchung und zwei Wochen vor Reisebeginn wegen einer Lungenentzündung, die schon als ausgeheilt galt, aber wieder aufflammte. Am Buchungstag war uns die völlig symptomlose Lungenentzündung unbekannt. Sie wurde erst drei Tage nach der Buchung bei klinischen Untersuchungen diagnostiziert und uns bekannt. Lt. Versicherer hätten wir jedoch am Buchungstag davon ausgehen müssen, dass eine Erkrankung vorliegen und eine Stornierung zur Folge haben könnte....

    Unser Hinweis auf ein Urteil des BGH, in dem eindeutig entschieden wurde, dass es bei der Buchung allein auf den Kenntnistand des Versicherten ankomme, wurde vom Versicherer nicht kommentiert und schon garnicht berücksichtigt.

    Der Streit mit dem Versicherer dreht sich also darum, ob die Krankheit als "unerwartet" gewertet werden muss und damit versicherbar war.

    Nach fast eineinhalb Jahren Einschaltung eines Rechtsanwaltes - und wiederum mit deutlichen Verzögerungen - wurde ein Vergleich angeboten, bei dessen Annahme wir 50% der Stornogebühr bekommenn würden, wenn wir damit den Fall als erledigt ansehen würden. -- Dies halte ich für ein Eingeständnis des Versicherers, dass unser Forderung gerechtfertigt ist. Er hätte jedoch immerhin 50% der Leistung eingespart. Ziel erreicht ...!

    Nun eine gerichtliche Entscheidung zu suchen, wäre der richtige Weg, um dem Versicherer zu zeigen, dass man sich die übliche fiese Leistungsverweigerung nicht gefallen lässt. Aber zusätzliche Kosten und damit verbundener Aufwand/Stress lassen einen älteren Menschen zögern.

    Aber damit kalkulieren die Versicherer !!!!

  • Na ja....wenn man den Beitrag unvoreingenommen betrachtet, eine richtige Sauerei! Das gehört geregelt!

    Aber wie stellt sich der Sachverhalt dar, wenn man auf der anderen Seite sitzt?
    Hierbei geht es um Milliarden! Und jeder der bei der Unfallregulierung ein Interesse hat, lässt sich nur von seinen wirtschaftlichen Interessen leiten. Anwälte, Sachverständige, Mietwagenfirmen, Abschlepper und natürlich auch die Versicherer.
    Und nur weil in diesem Artikel so schön Stimmung gegen die Versicherer gemnacht wird, muss sich doch keiner einbilden, das dies selbstlos erfolgen würde. Nein, auch für die beteiligten geht es um Ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen!

    Ich bin selber in einer Kraftfahrzeugschadenabteilung beschäftigt. Und ja, einige Punkte stimmen leider schon, allerdings wohl nicht aus den o.g. Gründen (und Einzelfälle kommen überall vor). Wenn ich die Situation jetzt mal von 'meinem' Schreibtisch aus beobachte, stellt sich die Situation so dar, das im November haufenweise aufgeregte Versicherungsnehmer anrufen oder uns besuchen und sich wegen Beitragssteigerungen von 5 oder 10 EUR mokieren und kündigen. Ihr gutes Recht. Dies setzt natürlich die ganze Maschinierie in Gang, Personal wird eingespart, das führ zu Postrückständen größer 8 Wochen! Wie bitte schön soll ich dann auf eine Frist reagieren, wenn ich das Schreiben erst in 8 wochen im Rechner sehe? Sicher würde mehr Personal dabei helfen, aber was wären die Auswirkungen? Höhere Beiträge?
    Außerdem freue ich mich auch täglich über die Anrufer, die nach der Höhe des durch sie verursachten Schadens fragen, 'Was 1.000 eur?, dort war nur nen kleiner Kratzer an der Stoßstange! Ich hab mit meinem Nachbarn gesprochen, der hat einen Freund, dessen Schwager bei BMW arbeitet, und der sagte, mehr als 50 EUR dürfe das nicht kosten!'
    Oder Anwälte die bei bestehender Rechtschutzversicherung generell klagen! Auch Schmerzensgeld wird dann gnadenlos eingeklagt! Und das auch bei Kollisionen mit geparkten Fahrzeugen!

  • Policeman
    Ich verstehe das ganze Dilemma hier nicht. Ist es nicht der Gesetzgeber, der gefordert ist und diese sogenannten "Beamten", die von einer Lobby gesteuert wird, trägt doch mit dazu bei, dass eine unabhängige Rechtsprechung in Deutschland nicht existiert. Die Richter, ist landauf - und ab bekannt, sind Faul. Das ist doch die Realität. Natürlich wissen das die Versicherungsanwälte und handeln entsprechend. Wem soll man das Verdenken. Über das amerikanische System wird hergezogen, wie aus dem Artikel zu entnehmen ist, aber in Deutschland schläft man immer noch, aus Heinrich Heine "Deutschland ein Wintermärchen" Die Lobbyisten schlafen dagegen nicht !!!!

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