Markus Faulhaber
„Sparer werden mit weniger Zinsen leben müssen“

Der Chef der Allianz Leben spricht im Interview mit Handelsblatt über den fehlenden Spaßfaktor seiner Produkte, die Kosten eines langen Lebens, Risiken für Versicherte und die Zukunft der Euro-Zone.
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Frage: Früher hieß Ihr Werbeslogan „Eine Allianz fürs Leben“. Den Slogan gibt es nicht mehr. Ist ein lebenslanges Produkt in der heutigen Zeit noch aktuell?

Markus Faulhaber: Ja, denn wir haben das Produkt mit Optionen ausgestattet, damit unsere Kunden es an ihre Lebensumstände anpassen können. Dadurch ist und bleibt es sehr aktuell.

Aber viele junge Erwachsene wollen sich nicht langfristig binden. Sie beschäftigen sich lieber mit dem Kauf eines Autos als mit ihrer Altersvorsorge ...

Ein Auto kann man anfassen, und ein Sportwagen verspricht kurzfristig sicher mehr Spaß als ein Sparvertrag über 30 Jahre. Vielleicht erscheint die Lebensversicherung sogar langweilig - aber das soll auch so sein. Der Kunde soll seine Altersvorsorge in guten Händen wissen. Dass man sich langfristig binden muss, ist das Wesen eines Altersvorsorgeproduktes.

Die Lebensversicherung ist also kein altertümliches Produkt, das es so in zehn, zwanzig Jahren nicht mehr geben wird?

Ganz im Gegenteil. Der Bedarf für Altersvorsorge wird in den nächsten Jahren eher zunehmen, und wir haben damit auch einen weiter wachsenden Markt vor uns. Wir müssen aber unsere Hausaufgaben machen, indem wir unsere Produkte weiterhin den Kundenbedürfnissen anpassen.

Die Mehrzahl der Kunden bricht ihre Lebensversicherung vorzeitig verlustbringend ab, eben weil sich ihre Lebensumstände geändert haben. Was tun Sie dagegen?

Das stimmt so nicht: Manche Kunden können aber unerwartet in eine finanzielle Notlage kommen. Sie denken dann über eine vorzeitige Kündigung nach. In einer solchen Situation haben wir einen ganzen Kranz von Möglichkeiten, um ihnen zu helfen, etwa durch die Tolerierung von Beitragslücken mit einer entsprechenden späteren Nachzahlung. Oder wir bieten dem Kunden Policendarlehen an, wenn er schnell mal Geld braucht.

Nutzen die Kunden das? Haben Sie niedrigere Kündigungsquoten als im Branchenschnitt? Jährlich werden rund drei Prozent der Versicherungen gekündigt.

Wir haben eine deutlich niedrigere Quote als der Markt. Sie liegt bei uns bei rund zwei Prozent. Es ist eines unserer Ziele, die Quote niedrig zu halten. Gerade Kündigung in den ersten Jahren bedeutet Verluste für alle - für die Kunden, für die Versicherungsgesellschaft und auch für die Vermittler. Auch bei älteren Verträgen sollte der Kunde, wenn es gar nicht mehr anders geht, lieber seinen Vertrag beitragsfrei stellen, als ihn kündigen.

Kommentare zu " Markus Faulhaber: „Sparer werden mit weniger Zinsen leben müssen“"

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  • Die Frage nach dem vorzeitigen Abbruch beantwortet Faulhaber ausweichend. Von dem nebulösen "Kranz von Möglichkeiten" erfährt man nur etwas von einem Policendarlehen und der Tolerierung von Beitragslücken. Warum verschweigt Faulhaber die naheliegendste Möglichkeit der Handelbarkeit von Lebensversicherungen auf dem Zweitmarkt? Schließlich verhilft ihm der Zweitmarkt durch Weiterführung der Policen auch zu einer Senkung der Stornorate. Außerdem ist das Produkt Lebensversicherung aufgrund der Handelbarkeit viel weniger langweilig, als Faulhaber denkt!

  • Mein Kapital habe ich von der Bank total abgezogen . Bei den Banken ist nichts mehr berechenbar .Sparzinsen max.1%
    u. die Banken verleihen es mit über 10% .
    Da schaffe ich mein Kapital lieber ins Ausland u. es ist vor dem Euro-Crash sicher ,auch wenn Wechselkurs u. Kurs schwankungen eintreten. Aber immer noch besser als nach
    dem Euro -Crash mit Null anzufangen.
    Wenn die Sparer all ihr Geld abheben , werden die Banken
    gezwungenermaßen auch ihre Sparzinsen erhöhen , liebe Sparer . Das ist Realität !

  • Wo und wie Sie Sparanlagen oder Vermögensaufbau betreiben, bleibt Ihnen selbst überlassen. Das muß jeder selbst entscheiden. Wenn ich wüsste, was die lukrativste Form ist, würde ich heut sicher nicht vor´m Rechner sitzen. Die Regelung mit den KV-Beiträgen, die Sie oben anführen, treffen nur auf freiwillig Krankenversicherte zu, nicht jedoch für Versicherungspflichtige (da hat Ihnen aber jemand einen Floh ins Ohr gesetzt). P.S. die 62/12 oder besser 12/62 gilt erst für Verträge ab 2012.
    Dass von Ihrem Gewinn der Staat erwas abhaben will, ist nicht sache der Versicherer, sondern der des Staates. Und der will von jedem Gewinn was haben. Egal ob in der Versicherung, Aktien oder meinetwegen Tagesgeld.

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