Mehmet Göker: Ein Versicherungsvertreter blamiert die Branche

Mehmet Göker
Ein Versicherungsvertreter blamiert die Branche

Schnelle Autos, hübsche Mädchen, dicke Zigarren: Ein sehenswerter Film über den Aufstieg und Fall eines Starverkäufers liefert krasse Einblicke in Versicherungen, die über ihre Verkaufsmethoden am liebsten schweigen.
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DüsseldorfVom Tellerwäscher zum Millionär: Nur wäscht der Held hier nicht ab, sondern verkauft Versicherungen. Seit ein paar Tagen läuft die wahre Geschichte des Mehmet Göker bundesweit in den Kinos – mit großem Erfolg. 

Der Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter“ erzählt den rasanten Aufstieg eines jungen Mannes, der bei der DKV eine Versicherungslehre macht, mit 25 Jahren seine erste Million verdient und ein paar Jahre später ein Heer von mehr als 1.000 Mitarbeitern befehligt. „Bilder aus dem Absurdistan des grenzenlosen Wachstums“, kommentiert dies ein TV-Moderator im Kulturmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“. 

Gezeigt wird, wie der Sohn eines aus der Türkei eingewanderten Schusters mit seinen Gefolgsleuten ein Leben in Saus und Braus führt. Ferrari und Porsche in großer Zahl gehören zum Firmenmobiliar, schöne Frauen tauchen gerne vor der Kamera auf – genauso wie dicke Zigarren. Natürlich dürfen Luxusausflüge nicht fehlen, etwa nach New York. „Ich habe so ein krasses Leben“, sagt Göker über sich. Grenzen scheint er keine zu kennen. Das finden viele seiner Anhänger auch – und folgen ihm begeistert. Sogar heute noch. 

Alle haben sie bei MEG - dem von Göker gegründeten Versicherungsvertrieb - nur ein Ziel: so viele private Krankenversicherungen wie möglich verkaufen. Denn das lohnt sich über alle Maßen: Mehrere tausend Euro, im Extrem sogar bis zu 8.000 Euro verdient ein Vermittler an einem einzigen Kunden, für ein paar Stunden Arbeit. So viel Provision zahlen die Versicherer, denn auch für die Manager in den dunklen Maßanzügen lohnt sich das Geschäft: Ein Kunde, der erst einmal in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist, zahlt seine Prämien ein Leben lang. Der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist ja meist verbaut. So wollen es die Regeln.

Vordergründig geht es in dem 80 Minuten langen Film um das Porträt eines Versicherungsvertreters, der in Kassel aus dem Nichts den zweitgrößten Vertrieb für private Krankenversicherungen aufgebaut hat – die MEG, deren Kürzel übrigens für den Helden selbst steht: Mehmet Ercan Göker. Der Filmemacher Klaus Stern, der selbst aus Kassel kommt, hat den Hauptakteur über einige Jahre verfolgt – und nach der Insolvenz von MEG exklusiv interviewt. Zu Wort kommen aber auch Gefolgsleute, die sich von dem ganzen Zirkus rund um MEG inzwischen distanziert haben. 

Kommentare zu " Mehmet Göker: Ein Versicherungsvertreter blamiert die Branche"

Alle Kommentare
  • Seit ein paar Tagen läuft die wahre Geschichte des Mehmet Gökerbundesweit in den Kinos – mit großem Erfolg.

    Was fällt mir dazu ein?
    Wahres Proll-Kino für Proleten.
    Wer sollte sonst so einen Müll anglotzen?

  • Von der Handelsblatt-Redaktion hätte ich eigentlich erwartet, dass sie richtig stellt, dass es sich bei Mehmet Göker nicht um einen Versicherungsvertreter, sondern um einen Versicherungsmakler handelt(e).
    Damit wird das Klischee unterstützt, Versicherungsvertreter seien die Bösen und Versicherungsmakler die Guten.

  • Ich staune immer wieder über die Dummheit der Kunden, die solchen Scharlatanen auf den Leim gehen.

  • Leider nur Marketinggeblubber von Ihnen!
    Das System ist längst enttarnt und ausgebrannt - Die Leidtragenden sind (und bleiben) die Kunden, die von "Verkaufskanonen" Ihrer Couleur geblendet wurden.
    Da muß man auch nicht über Begrifflichkeiten meckern, denn das Prinzip des Besch**sses ist leider universell.

  • @JanAark: PKV bedeutet keinesfalls junge Leute in einen Tarif zu "locken", diesen dann zu schließen etc. Das bedeutet es für einige schwarze Schafe der Branche, nicht aber für "die PKV". Es gibt Versicherer, die noch keinen Tarif geschlossen haben. Also: Erst recherchieren, dann Stammtischparolen skandieren.

    Der Titel des Artikels ist tatsächlich falsch gewählt, weil hier kein "Vertreter" die Branche in ein schlechtes Licht gerückt hat, sondern ein "Makler". Die Unterschiede sind eklatant, fragen Sie mal einen Makler. Der erzählt Ihnen gerne das Märchen "Ich stehe auf der Seite des Kunden und suche ihm das beste heraus" blablabla. Danke an die Macher des Films, dass dieses Märchen endlich entlarvt wird.
    PS: Für alle seriösen Makler tut mir das natürlich leid, aber wer immer laut trommelt muss dann auch mit dem Ergebnis leben, siehe Film...

  • Erstaunlich ist, dass die BAFin dieses Spiel ohne Kommentar und Reaktion ablaufen läßt.
    Die Vorstände der Gesellschaften, die diese Vorschüsse freigegeben haben, ohne daß eine Sicherheit für die Rückzahlung verlangt wurde, sollten wegen grober Fahrlässigkeit Schadensersatz leisten müssen. Wenn man das einmal dekliniert, dann ist man relativ schnell bei einer durchsetzbaren Forderung. Insbesondere, wenn die Vorstände auch noch auf den Veranstaltungen des Vermittlers aufgetreten sind...
    Solange es Strukturvertriebe in der Finanzbranche gibt, wird es solche Exzesse geben. Die Beschränkung auf eine dauerratierliche Provision würde solche Exzessen ein für alle mal ein Ende bereiten.

  • Nunja, der umtriebige Herr Mehmet Göker hat sich eben so richtig in das System unserer (Leistungs)Gesellschaft integriert, erkannt wie es wirklich im Inneren tickt und sich die uferlose Renditegeilheit der Versicherungsmanager zunutze gemacht!

  • ein "normaler" Versicherungsvermittler erhält nur einen Bruchteil der Provisionen, welche der MEG gezahlt wurden. Für viele "normale" Versicherungsvermittler, welche verantwortungsbewusst und zeitaufwändig beraten sind die Produktionszahlen der MEG-Vermittler illusorisch. Wenn nun aber göttergleiche Vorstände meinen, dass eine Strukturorganisation im KV-Bereich besser und nachhaltiger berät als eben die "normalen" Versicherungsvertreter dann zeigt dies die arrogante, marktferne Sicht mancher Vorstände. Oft wird von "Frühwarnsystemen im Vertrieb" geredet, haben denn diese Systeme versagt oder hat man sich einfach darüber hinweggesetzt? Göker hat die Lücken ausgenutzt, welche Vorstände und deren Stäbe ihm produktionsgeil geöffnet haben, auch und gerade diese Menschen sollten zur Rechenschaft gezogen werden!

  • Alte Leipziger ist ein Eigenname. Herr Kettnaker ist also Vertriebschef im ALTE LEIPZIGER - HALLESCHE Konzern und nicht der Alten Leipziger/Hallesche. Guter Journalismus zeigt sich auch an solchen Dingen.

  • Na ja, das Übliche. Ein paar clevere Jungs von der Strasse legen ein paar Provinzdeppen rein. Wahrscheinlich wurde ein grosser Teil der Kunden schlichtweg erfunden, man kassierte den Vorschuss, anschliessend kam nix mehr. Oder es wurden einige Verwandte für die Selbständigkeit und Eröffnung eines Gemüseladens motiviert, Hartz-Zuschuss wurde mitgenommen - anschliessend nach ein paar Monaten das Gewerbe wieder abgemeldet und sich wieder arbeitslos gemeldet - in diesem Fall verlässt der Kunde automatisch wieder die priv. KV. Anders lassen sich die Millionenforderungen der Versicherer kaum erklären, der Artikel bleibt hier aber Details schuldig. Typisch aber wie immer die orientalische Prunksucht der Jungs. Dicker Wagen, dicker Wecker, dicke Fresse, dünnes Portemonnaie und viel Luft zwischen den Ohren. Dass hier ein "Unternehmen" geschaffen wurde wird wohl keiner ernsthaft behaupten wollen. Dass sich hier ein paar Deppen mit Studium, die in ihrem Leben noch nichts vekauft haben mit einer eher platten Masche sich haben über den Tisch ziehen lassen schon eher.

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