Mehmet Göker
„Ich steh wieder auf.”

Ex-Makler Mehmet Göker hat ein Buch geschrieben. Sein Vorbild Carsten Maschmeyer will darin nicht auftauchen. Und auch sonst verlief der Weg zum Buch für den skandalumwitterten Versicherungsvertreter eher holprig.

FrankfurtChristian Schommers weiß nicht mehr weiter. Er sitzt auf einer Terrasse an der türkischen Westküste, vor sich einen Laptop und eine Packung Haribo, und diskutiert mit Mehmet Göker. Der ist verärgert, sagt irgendwann halb zum Bildschirm, halb zu Schommers: „Ich möchte einen Einstieg haben wie James Bond. Ich kann das doch nicht jahrelang meinen Vertretern predigen und dann nicht selbst machen.” Schommers verschränkt die Arme und schweigt.

Der Ex-Journalist hat sich vorgenommen, das Leben des berüchtigten Maklers aus Kassel in einer Biografie aufzuschreiben. Deren Verlauf ist bereits in zwei Dokumentarfilmen beschrieben worden und weitgehend bekannt. Göker hat es mit dem Verkauf privater Krankenversicherungen zum Millionär gebracht, ist letztlich aber an seiner eigenen Geldgier gescheitert. Heute besitzt er so gut wie nichts mehr. Das Ferienhaus, in dem er wohnt, soll jemand anderem gehören, ein Auto kann er sich seinem Umfeld zufolge nicht mehr leisten.

Das Buch ist keine Abrechnung, sondern eine einzige Plauderei übers Geldverdienen und Geldausgeben. Zum Beispiel an Stellen wie dieser: "März 2006. (...) Habe mir einen zweiten Ferrari gegönnt. Habe artig investiert und mir einen 360 geholt, für 180 000 Euro. In Rot mit schwarzen Ledersitzen. Zwei Ferrari, drei Porsche, das Leben läuft." So geht das weiter. Mal geht es um teure Portemonnaies, die Göker seinen Mitarbeitern kauft, mal um einen Helikopterflug über Köln, den er unternimmt, um eine junge Frau zu beeindrucken.

Interessanter als das, was in dem Buch steht , ist das, was nicht drinsteht. Zum Beispiel zwei Verabredungen mit Gökers großem Vorbild Carsten Maschmeyer. Der Gründer des Strukturvertriebs AWD ist sein verkäuferisches Vorbild. Jahrelang bemühte sich Göker, ein Treffen mit Maschmeyer zu vereinbaren. Angeblich sollen sie sich in Hannover und Zürich getroffen haben. In der Biografie wird davon nichts stehen. Maschmeyer habe mit einer Klage gedroht, sollten Details in dem Buch erwähnt werden, heißt es.

Ebenso fehlt der Name Fritz Westhelle. Der Kasseler Anwalt ist Insolvenzverwalter von Gökers ehemaliger Firma. Stand Mai verlangen Gläubiger der Firma - Versicherungen, Lieferanten, die Arbeitsagentur, das Finanzamt und der Vermieter der Büroräume - 67,5 Millionen Euro.

Göker interessiert das nicht. Er sitzt auf der Terrasse in der Türkei und diskutiert mit seinem Co-Autor weiter über James-Bond-Zitate. Schommers, der auch als Ghostwriter für Boris Becker arbeitete, hatte offenbar Zweifel am Wahrheitsgehalt der Göker-Aussagen. 29 Interviews mit dem Finanzmakler lägen dem Buch zugrunde, schreibt er im Vorwort zur Biografie: "Ich habe mich - gerade bei Zahlen und brisanten Themen - genau an die Aussagen von Herrn Göker gehalten."

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