Mehr als jeder vierte Antrag wird abgelehnt
Versicherer verweigern oft private Invalidenrente

Viele Versicherte, die eine private Berufsunfähigkeitspolice (BU-Police) abgeschlossen haben, werden im Leistungsfall von der Assekuranz abgewiesen. „Rund 25 bis 35 Prozent aller Anträge werden abgelehnt“, sagte gestern Michael Franke vom Marktbeobachter Franke & Bornberg auf einer Tagung der Fachzeitschrift AssCompact in Köln.

KÖLN. Die Leistungspraxis der einzelnen Unternehmen sei zudem extrem unterschiedlich. Dies zeige der aktuelle Trend, Rentenauszahlungen nur noch zeitlich zu befristen. Dadurch gerate der Kunde nach Auslaufen der Befristung hinsichtlich seiner Berufsunfähigkeit erneut unter Beweislast. „Das Problem sollten wir nicht unter den Teppich kehren, denn bei einigen Unternehmen werden mittlerweile die Hälfte aller Fälle zeitlich befristet“, kritisierte Franke.

Besorgt über die geringe Kompetenz einiger BU-Versicherer ist auch Joachim Geiberger vom Analysehaus Morgen & Morgen aus Hofheim. „Die haben ihre Bestände nicht Griff“, kritisierte er. Solchen Unternehmen könne schnell eine Schieflage ins Haus stehen, da auch ihre Kalkulation unsicher sein müsse. Seine Erkenntnisse hat Geiberger aus einer Umfrage von 47 BU-Versicherern gewonnen, die etwa 77 Prozent des inländischen Marktes repräsentieren. Mit diesen Daten hat das Unternehmen ein neues BU-Rating aufgestellt, das deutlich über das bisherige Rating, das nur Produkte und Bedingungen analysiert habe, hinausgeht. Nun würde zusätzlich die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Prämien gemessen und bewertet.

Derzeit zahlen die Versicherer für 200 000 private BU-Renten jährlich rund 1,2 Mrd. Euro. Statt der Kombination mit der Risikolebensversicherung sind derzeit eigenständige Verträge im Kommen.

Auch Franke & Bornberg will künftig neben den Bedingungen verstärkt die Kompetenz der Anbieter untersuchen. Die von Morgen & Morgen favorisierten Umfragen bei den Anbietern hält Geschäftsführer Franke aber für falsch: „Solche Angaben sind nach unseren Erfahrungen bis zu 75 Prozent zu optimistisch und nicht oder nur bedingt überprüfbar.“ Selbst setzt der Unternehmer auf eine Analyse direkt im Unternehmen. Dabei würde die so gewonnenen Daten durch Stichproben aus den Akten der Versicherer erhärtet. Sechs Versicherer haben sich bereits freiwillig dem neuen Rating gestellt. Vorne liegt die Nürnberger mit „hervorragend“. Aachener und Münchener, der Deutsche Herold und Gerling erreichten die Note „sehr gut“ und die Stuttgarter mussten sich mit einem „gut“ zufrieden geben mussten. „Natürlich ist dies nur eine positiv Auswahl, denn intern schwache Unternehmen, werden sich von uns wohl kaum analysieren lassen“, glaubt Franke.

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