Mehr Beratung gefordert
Fast jeder zehnte Haushalt ist überschuldet

Fast jeder zehnte Haushalt in Deutschland kann Miete oder Darlehensraten nicht mehr pünktlich zahlen. Damit gelten diese Haushalte als überschuldet.

HB BERLIN. Hauptursachen dafür sind die hohe Arbeitslosigkeit, überzogenes Konsumverhalten, Trennung oder Scheidung, gescheiterte Selbständigkeit - und auch Lockangebote der Kreditwirtschaft, die die Zahl der Offenbarungseide in die Höhe schnellen lassen.

Familienministerin Renate Schmidt und Justizministerin Brigitte Zypries (beide SPD) forderten am Montag bei der Vorlage der Zahlen mehr Beratung für die Betroffenen, um ihnen einen Weg aus der Schuldenfalle aufzuzeigen. Auch solle der Pfändungsschutz verbessert werden. Nach der Untersuchung gab es 2002 rund 3,1 Millionen überschuldete Haushalte. Das entspricht bundesweit 8,1 Prozent. Im Osten waren dies 11,3 Prozent aller Haushalte - im Westen 7,2 Prozent. 1999 gab es insgesamt 2,7 Millionen überschuldete Haushalte, 1994 erst 2 Millionen.

Als überschuldet gilt, wer trotz dauerhafter Reduzierung seines Lebensstandards nicht genügend Geld hat, um Schulden fristgerecht zu tilgen. „Überschuldung hat für die Betroffenen bittere Folgen, vor allem wenn sie Kinder haben“, sagte Schmidt. Beratung müsse „einen Weg zurück ins normale Leben“ aufzeigen. Schon Schüler sollten lernen, verantwortlich mit Geld umzugehen.

Überschuldete haben mehrere Gläubiger

Zypries will per Gesetz sicherstellen, dass auf Gehaltskonten künftig ein monatlicher Sockelbetrag von 930 Euro vor der Pfändung geschützt ist. Damit sollen „Kahlpfändungen“ vermieden werden. Diese führen häufig dazu, dass Banken anschließend ein Girokonto verweigern. Damit geraten die Betroffenen immer tiefer in Schwierigkeiten, weil sie im bargeldlosen Zahlungsverkehr nicht mehr Miete, Strom und Wasser bezahlen können.

Die Justizministerin verwies darauf, dass private Haushalte - ähnlich wie in der Wirtschaft - „Privatinsolvenz“ anmelden können und dann nach sechs Jahren als schuldenfrei gelten. Im vergangenen Jahr hätten rund 32 000 Haushalte davon Gebrauch gemacht. Für dieses Jahr zeichne sich eine Steigerung von 25 Prozent ab.

Wer ein geringes Einkommen hat, neigt eher zur Überschuldung. Die Betroffenen stehen meist im mittleren Lebensalter und haben häufig niedrige Bildungs- und Berufsabschlüsse. In 46 Prozent der Fälle war Arbeitslosigkeit einer der Auslöser für die Überschuldung. Während im Osten daneben geringe Einkommen (29 Prozent) und überhöhter Konsum (25 Prozent) als Gründe für die Überschuldung genannt wurden, spielen im Westen Trennung und Scheidung (23 Prozent) und gescheiterte Selbständigkeit (20 Prozent) eine wichtige Rolle.

Überschuldete haben fast immer mehrere Gläubiger, neben Banken (70 Prozent) den Versandhandel (42 Prozent), Behörden (42 Prozent) und die Telefongesellschaften (27 Prozent). Im Osten spielen die Mietschulden mit 32 Prozent eine deutliche größere Rolle als im Westen mit 18 Prozent.

(Schuldnerberatung: www.forum-schuldnerberatung.de)

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