Milliardenverluste Das Drama der Gebäudeversicherung

Hagel, Hochwasser und Stürme wie Xaver verursachen Riesenschäden. Die Wohngebäudeversicherer haben deshalb hohe Verluste. Doch nun schlagen sie zurück: Die Preise für Hauspolicen steigen kräftig. Was Kunden tun können.
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Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) räumen auf einer Straße in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) das abgedeckte Dach eines Supermarkts weg. Quelle: dpa

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) räumen auf einer Straße in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) das abgedeckte Dach eines Supermarkts weg.

(Foto: dpa)

DüsseldorfErst machen sie alles falsch, und dann kommt auch noch Pech dazu. So geht es derzeit einer eher kleinen, aber sehr wichtigen Versicherungssparte in Deutschland, den Versicherern von Häusern und Wohnungen. Rund fünf Milliarden Euro zahlen die Kunden im Jahr an diese Versicherer. Und hoffen dann darauf, dass die Unternehmen auch zahlen, wenn der Blitz einschlägt oder der Keller vollläuft.

Doch das ist keineswegs sicher. Und das liegt nicht nur an kniffligen Klauseln, die sich mancher in seinen Wohngebäudeversicherungen ausgedacht hat. Ein weiterer Grund für zögerliche Zahlungen und nervige Sachbearbeiter könnte die generelle Situation der Anbieter sein. Diese ist – nach einer Saison mit reichlich Hagel, Hochwasser und Stürmen – in diesem Jahr besonders übel.

Wenn der Präsident des Versichererverbands GDV, Alexander Erdland, von einem „außergewöhnlichen Jahr“ spricht, dann lässt dies schon tief blicken. Allein das Hochwasser im Juni und die Hagelstürme im Juli und August kosten die Branche wohl 4,5 Milliarden Euro. Und Entwarnung gibt er nicht: „Solche extremen Naturkatastrophen können in Deutschland künftig häufiger auftreten.“ Orkan Xaver ist der jüngste Beleg dafür.

Für die Wohngebäudeversicherer bedeuten diese und einige andere Katastrophen: Sie rutschen tief in die roten Zahlen. Auf bis zu zwei Milliarden Euro Verlust schätzen Experten das Minus der Sparte in diesem Jahr. Das ist enorm, aber nicht dramatisch, beruhigt Versicherer-Präsident Erdland. Selbst wenn dies nun häufiger passiert, „sind wir in der Lage, die finanziellen Folgen für unsere Kunden zu tragen.“

So viel Stärke hat allerdings eine Kehrseite. Am schnellsten lässt sich die Ertragslage wieder verbessern, wenn man die Prämien erhöht, stellt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber Handelsblatt Online fest. Was auch in zahlreichen Fällen passiert, mitunter bei gleichzeitiger Androhung einer Kündigung, wie auch der Bund der Versicherten berichtet.

Viele Kunden stehen damit vor einer schwierigen Situation: Was tun, wenn Allianz oder Ergo mehr Beitrag für die Wohngebäudeversicherung haben wollen? Die Antwort liefern die Analysten von Franke und Bornberg: Zu einem leistungsstarken Versicherer mit relativ günstigen Prämien wechseln. Worauf Hauseigentümer dabei – außer dem Preis – achten sollten.

Wie Eis, Fluten und Stürme die Bilanzen verhageln
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9 Kommentare zu "Milliardenverluste: Das Drama der Gebäudeversicherung"

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  • Ich verstehe nicht die bissigen Kommentare zu diesem Artikel nicht.
    Tatsache ist nur 5 Wohngebäudevers. machen keine Verluste.
    Tatsache ist aber auch: nur oder noch weniger (?) 5 Unfallversicherer machen Verluste.
    In Hausrat, Glas, Unfall, und Privathaftpflicht verdienen sich die Versicherer dumm und dämlich. Verluste in Wohngebäude und Kfz hat nur mit Gier auf Marktanteile und Dummheit zu tun.

  • Die hier angekündigten Erhöhungen sind schon im 3. und 4. Quartal vorgenommen worden. Die Zahlen sind somit schon alt und stark unrealistisch.

    Siehe Ergo: Steigerung um ca. 100% auf 450€
    Siehe HDI: Von 160€ im Frühsommer auf 250€ jetzt.
    Wenig hilfreich.

    Schönen Tag noch.

  • Am Ende geht es nur nach den Bedingungen und einem guten Rechtsschutz. Portale wie http://www.wohngebaeudeversicherungvergleich.com gibt es genug, wo man die Leistungen vergleichen kann. Man muss das den mündigen Verbraucher halt nicht nur spielen, sondern manchmal auch danach handel.

  • Die Problematik der steigenden Schäden insbesondere durch Naturgefahren ist in der Gebäudeversicherung nicht neu - die wird sich in den nächsten Jahren m.E. noch deutlich verschärfen. Damit werden zwangläufig auch die Beiträge in der Gebäudeversicherung steigen.

    Wenn ich die Situation im Raum Tübingen / Reutlingen nach den extremen Hagelschäden vom 28. Juli 2013 betrachte, kann ich die Regulierungspraxis der Gebäudeversicherer - insbesondere der SV SparkassenVersicherung - nur loben. Hier wird / wurde wirklich versucht die Schäden unbürokratisch zu regulieren und den Kunden zu helfen. Auch die anderen Großen Versicherer - Allianz, R+V, Generali haben m.E. unbürokratisch reguliert.

    Den Versicherer rein nach dem Beitrag zu wählen, halte ich für den falschen Weg - ich glaube nicht, dass ein Versicherer dauerhaft leistungsstark und günstig sein kein. Jeder Versicherer hat das Bestreiben mit den abgeschlossenen Verträgen "Geld zu verdienen". Die Extremwetterlagen wie in diesem Jahr wird die Versicherer und Verbraucher vor neue Herausforderungen stellen.

  • Doch, genau das wollen diese. Dass dann 99% der Versicherten für diese sehr riskanten Lagen mitzahlen dürfen, wird verschwiegen.

  • Markroger, das ist ein Artikel, der von Fehlern und Pauschalverurteilungen nur so strotzt. "Doch das ist keineswegs sicher. Und das liegt nicht nur an kniffligen Klauseln, die sich mancher in seinen Wohngebäudeversicherungen ausgedacht hat. Ein weiterer Grund für zögerliche Zahlungen und nervige Sachbearbeiter könnte die generelle Situation der Anbieter sein. Diese ist – nach einer Saison mit reichlich Hagel, Hochwasser und Stürmen – in diesem Jahr besonders übel."

    Welche Klauseln wären das bitteschön. Ich kenne keinen Versicherer auf dem deutschen Markt, der Hagel udn Sturm irgendwelchen Beschränkungen mit Klauseln unterwirft. In der Regel wäre das dann eh überraschend, denn was ein Sturm ist, ist relativ leicht feststellbar. Die GDV-Musterbedingungen enthalten keinerlei solche Regelungen und an diese halten sich praktisch alle Versicherer. Wenn mal etwas abgelehnt wird, z.B. Hagel verstopft Abflüsse, dann ist das der Rechtsprechung geschuldet. Und bei allem Respekt: Für die Rechtsprechung kann weder die Versicherung etwas, noch darf man sie verurteilen, nur weil sie sich an geltendes Recht hält. Und diese Fälle stellen bei Sturm/Hagel die absolute Ausnahme dar. In der Regel sind diese Schäden völlig unstrittig und werden auch bei einer ordentlichen Versicherung schnell reguliert.

    Sorry, aber das ist eine Pauschalverurteilung die nur darauf abzielt Stammtisch-Parolen zu bedienen. Die Frage ist nun, ob das das gewünschte Niveau des Handelsblatts ist?

  • Der Herr vom Bund der Versicherten scheint selbst ein Haus in "Traumlage" in einer lieblichen Flussaue zu besitzen, sonst könnte er nicht auf die unverschämte Idee kommen, dass jetzt alle Versicherten sein persönliches und bewusst herbeigeführtes Risiko bezahlen sollen.

  • Große bereiche der Branche leiden an spätrömischer Dekadenz und einer zutiefst verwurzelten Anfälligkeit für "korruptives Verhalten".
    Kleinmütige Klinkenputzer-,Feilschermentalität und Gefälligkeitskumpanei gehen einher mit der Abwesenheit eines effizienten internen Controllings.

    Bei der Straffung der Außentruppe und ihren Provisionen ist noch fettes Einsparungspotential !!!!

  • Dieser Herr Schmidt-Gallas scheint ja ein echter Experte zu sein; da wird mal ganz simpel eine Gebäudeversicherung (1 großer Feind namens Wetter, weitere Schäden durch z.B. Autofahrer die in die Mauer krachen sind mengenmäßig vernachlässigbar) mit einer Kfz-Vollkasko (viele 100 Feinde bei jeder Autofahrt und zusätzlich Wetterrisiko) verglichen. Offensichtlich scheint der Herr keinen Risikounterschied zwischen mobilen (Auto) und immobilen (Gebäude) Dingen zu kennen. Wenn solche Leute schon als Experten gelten, brauchen sich Versicherungen über Fehlkalkulationen nicht zu wundern.

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