Milliardenverluste

Heftiger Streit um Lebensversicherungen

Eine Studie über Milliardenverluste mit Lebensversicherungen bringt die Branche in Rage. Verbraucherschützer beharren darauf, dass Kunden besser über die Versicherungsbedingungen aufgeklärt werden sollen.
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Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz bei Lebensversicherungen. Quelle: dpa

Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz bei Lebensversicherungen.

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FrankfurtDie Zahl ist gewaltig und betrifft womöglich Millionen Versicherte: Bis zu 160 Milliarden Euro sollen Kunden verloren haben, die in den vergangenen zehn Jahren ihre Lebensversicherungen kündigten. Das schätzt der Bamberger Professor Andreas Oehler in einer Studie, die er mit Unterstützung der Verbraucherzentrale Hamburg und dem Verbraucherzentrale Bundesverband Anfang November in Hamburg vorstellte.

Die Zahl und die Aufmerksamkeit darüber hat die deutschen Versicherer so sehr erzürnt, dass der Präsident des Versicherer-Verbandes (GDV) den Autor und die Unterstützer am vergangenen Donnerstag heftig attackierte. Das dürfte viele der mehr als 200.000 Vermittler im Lande gefreut haben. Doch weder die Verbraucherschützer noch der Wissenschaftler lassen die Kritik auf sich sitzen. Auf Anfrage des Handelsblatts konterten sie den Generalangriff der Versicherer: Die Branche solle endlich eigene Zahlen auf den Tisch legen und transparent werden.

GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen hatte bemängelt, in der Studie von Oehler seien „nicht repräsentative Einzelfälle“ von Kunden verwendet worden und dann auf rund 80 Millionen kapitalbildende Lebensversicherungen hochgerechnet worden. „Es handelt sich hier um eine nicht repräsentative Gesamtauswahl von Verträgen mit überdurchschnittlich hohen Volumen“, kritisierte Hoenen. Das sei eine Negativauslese, solch eine Berechnung halte er für „statistisch absolut unseriös“ und die Ergebnisse für „absolut nicht belastbar“.

Und dies sei keineswegs nur die Meinung des GDV. Als Kronzeugen nennt Hoenen den Herausgeber des Branchendienstes Map-Report, Manfred Poweleit. Dieser ist für seine Kritik an der Branche bekannt und hatte Oehlers Studie als „peinlich“ bezeichnet. Er kritisiert sowohl Annahmen als auch Datenauswahl und stellt einige „Merkwürdigkeiten“ heraus. So bestehe das Literaturverzeichnis fast ausschließlich aus Publikationen von Andreas Oehler. Auch die Versichererauswahl bei den untersuchten Vertragsabbrüchen sei wenig repräsentativ. Besonders schlimm aber sei: In Zeiten der Finanzkrise wäre es sehr wichtig gewesen, die Folgen eines vorzeitigen Abbruchs von Ansparvorgängen zur Altersvorsorge zu analysieren. Sein Fazit: „Die vorliegende Studie belegt nicht, dass die Rückkaufswertproblematik bei der Lebensversicherung größer ist als bei der Konkurrenz.“

Dem GDV-Präsidenten Hoenen geht es aber nicht allein um die Studie, ihn verärgern auch die Kommentare der Verbraucherschützer darüber. Gerd Billen, den Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes griff er deshalb sogar persönlich an. Dass dieser sich „auf der Basis eines derart unseriösen Papiers dazu verleiten lässt, den Verkauf von Lebensversicherungen als staatlich erlaubtes Hütchenspiel zu bezeichnen, das hat nicht nur mich entsetzt“, sagte Hoenen. Seinem Verständnis von Verbraucherschutz entspreche es nicht, wenn man die Menschen, die für ihr Alter vorsorgten, mit „falschen und nicht wissenschaftlichen Studien“ verunsichere. „Das ist für mich verantwortungslos, und es ist das glatte Gegenteil von seriösem Verbraucherschutz“, sagte Hoenen.

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22 Kommentare zu "Milliardenverluste: Heftiger Streit um Lebensversicherungen"

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  • Quatsch, sollte jemals der betroffene § Anwendung finden, ist es eh mit deinem und meinem Geld aus. Die Versicherungswirtschaft hat mit Protector schon gezeigt, dass sie dies nicht zulassen werden. Zumindest bis es zu schultern ist. Hat das jemals die Bank in nennenswertem Umfang zeigen müssen? Ich erinnere, dass erst die Kanzlerin für die Spareinlagen bürgen musste, damit nicht ein paar Tage später der Kollaps eintritt... Und nebenbei: Auch die Finanzwirtschaft kennt Regeln zur Abwicklung Ihrer Geschäfte... Ach ja: Duzen ist normal und gehört zum Netz. Bitte halte dich an die Netiquette. Danke

  • Genauso steigen auch die Hypozinsen bei einer Superinflation. Was sollen solche Kommentare, von einem intelligenten Leser, der immerhin den Paragrafen 89 kennt. Das Gesetz dazu ist übrigens das VAG.

  • Was gibt denn das HB da für Tipps?!

    Umsatteln (also laut HB-Text den bestehenden Risikoschutz durch eine günstigere Risikopolice ersetzen): Das sagt nichts, nichts über das Schicksal des Kapitals aus. Bei "Umsatteln" muss also gekündigt werden: Rückkaufswertverlust!

    "Kurzläufer": Eine Dauerabkürzung von z.B. 24 auf 12 Jahre würde den Zahlbeitrag mehr als verdoppeln. Da das kaum einer kann (sonst würde er nämlich heute schon stärker sparen!!!!), entspricht eine Dauerabkürzung einer Teilkündigung: Rückkaufswertverluste auf den gekündigten Vertragsteil!

    "Beitragsfrei stellen": ...ist - ohne dass das HB es erläutert - 1. eine Küdigung (==> Rückkaufswertverluste), bei der 2. das Kapital "stehen bliebt", also NICHT ausgezahlt wird.

    Sollten alle diese zwei-Sätze-langen (!) Empfehlungen vom Bund der Versicherten (BdV) kommen, dann sollte der BdV über die angesprochenen Nachteile aufklären ... Unfehlbarkleit? Würde ein Finanzberater diese Empfehlungen geben, machte er sich schadenersatzpflichtig!!! Lassen Sie sich das Ganze einmal haarklein von Herrn Kleinlein vom BdV ausrechnen! Trotz Intransparenz und Kosten: Die mit Abstand schlechteste Lebens-/Rentenversicherung ist die gekündigte! 30 Jahre: Die rentabelste Sparform ist die vor 3-4 Jahren abgeschlossene. Wer mit dem gleichen Beitrag 3-4 Jahre später anfängt zu sparen, dem hilft auch 1 Prozent mehr Rendite nicht, weil 3-4 Jahre Spar- und Zinszeit fehlen. Finanzberatung, auch solche durch Verbaucherschützer - kein Schreibfehler - bezieht sich immer auf die existierenden Verhältnisse heute und die existierenden Verträge heute. Und daraus macht das HB mit seinen übernommenen Empfehlungen leider das Schlechteste! Berechnungen: Bei mir. PS.: Zahlen sind frei von Weltanschauungen.

  • Der Staat muß sogenannte Lebensversicherungen VERBIETEN !

    Es ist eine Kundentäuschung - es handelt sich in Wikrlichkeit um eine RENTENVERSICHERUNG !

    Nur Deppen schließe sowas noch ab, du zahlst 30 Jahre oder länger ein, und mußt später kämpfen um dein Geld wiederzukriegen - bis dahin ändert sich alles, Staaten Regierungen Versicherungen Gesetzte

  • Noch ein Anmerkung: genau genommen handelte es sich in meinem Fall um eine FondsRente bei der Zurich deutscher Herold Lebensversicherung. Die ersten 4000 Euro Gebühr waren sämtliche Verwaltungskosten, die in den nächsten Jahrzehnten enstehen würden IM VORAUS und die zusätzlichen 3000 Euro enstanden, weil die Beitragssumme erniedrigt wurde. Diese Art der Gebührenerhebung ist mittlerweile meines Wissens per Gesetz verboten worden.

    Mein Rat an alle Verbraucher: verwalten Sie Ihr Geld selbst! Der/die sympathisch lächelnde Berater/in ist nicht ihr Freund, sondern wird nach Absch(l)ussquote bezahlt und er/sie würde längst nicht mehr in der Bank sitzen, wenn diese nicht erfüllt würde. Trauen Sie auch keinen verwandten oder bekannten Maklern!

  • Seit 1986 zahle ich in die Zurich eine dynamische LV.
    Bei jetziger Kündigung, 5 Jahre vor Fälligkeit, erhalte ich weniger, als ich eingezahlt habe!
    Wenn die fällig wird, erhalte ich Dank §89 VAG gar nichts mehr, oder es ist eben keine nennenswerte Kaufkraft für den Auszahlungsbetrag gegeben.Ich denke, ALLE Vorsorgemöglichkeiten, welche man nicht selber managt,sind Geldverschwendung.

  • Man könnte das ganz einfach regeln. Die Rentabilität der Verträge müßte klar ausgewiesen werden auf Basis der über die Jahre eingezahlten Beträge. Die Provisionen und verrechneten Kosten müßten offen ausgewiesen werden. Jedes Jahr bekommt man einen Brief, darauf sollte der aktuelle Rückkaufwert ausgewiesen werden. Dann würde man sofort sehen dass der jahrelang unter Null liegt. Erst bedienen sich Alle und dann darf der Versicherte auch noch was bekommen. Ich habe einen bald fällig werdenden Allianz Vertrag. Der Auszahlungsbetrag wird jedes Jahr weniger und zwar richtig. Die Rentabilität auf das eingezahlte Geld ist lachhaft. Das hätte ich mit jedem Tagesgeldkonto auch erreicht, bei jederzeit verfügbarem Guthaben. Die Allianz weist aber jedes Jahr Milliarden Gewinne aus. Kein Wunder. Wieso braucht man für den Nachweis dieser Abzocke noch eine Studie? Einfach mal nachrechnen. Die wirklichen Gewinner dieser Verträge sind nicht die Versicherten sondern die Aktionäre und die exzellent bezahlten Angestellten der Allianz und die lieben "unabhängigen" Finanzberater welche die gutgläubigen Kunden reinlegen. Warum previlegiert der Staat solche Verträge dann auch noch mit Steuervorteilen? Sollte es sein dass die Unternehmen und die Politiker da gemeinsame Sache machen? Siehe Riester- und Rüruprente. Nicht schön das Ganze, aber warum machen wir alle vier Jahre unser Kreutzchen an der gleichen Stelle? Wann kommt endlich einmal eine Partei die diese Mißstände aufklärt und die man dann wählen kann?

  • @danke_dir...
    Es ist völlig unerheblich, ob es die Aufsichtsbehörde, der Finanzminister oder der Papst tun. Das Geschäftsmodell ist untauglich und gehört in die Tonne.
    Ausserdem kennen Sie @Otto so gut, dass Sie Ihn Duzen, oder sind Sie nur etwas angeheitert?

  • Ich hatte eine Lebensversicherung bei Deutsche Bank & Zürich ("because change happenz") abgeschlossen und dann nach einem Jahr meinen Arbeitsplatz verloren (change happens).
    Die "Beraterin" bei der deutschen Bank sagte mir, ich solle doch einfach die Beiträge stark herabsetzen. Nach einem weiteren Jahr erhielt ich einen automatisierten Brief von den Fondsmanagern, dass die Wertentwicklung sehr schlecht verliefe und ich solle doch einer (gebührenpflichtigen) Umschichtung zustimmen.
    Daraufhin habe ich beschlossen, mein Geld nie wieder von anderen verwalten zu lassen und gekündigt: von 7500 Euro Einzahlungssumme habe ich nach Abzug der Gebühren 500 Euro zurückerhalten (shit happens)!!!

  • am wichtigsten ist meines erachtens,daß die versicherungen gezwungen werden betriebswirtschaftlich sinnvoll zu agieren,was wohl nicht der fall sein kann,wenn der gesetzgeber bei provisionen-krankenkassen-deckelnd eingreifen muß.

    wessengeistes kind ist ein verantwortlicher,der 18 monatsumsätze provision bezahlt


    stellen sie sich mal vor der bundestag beschließt,daß ein brötchen nicht mehr als ein pfund mehl kosten darf.

    über die werthaltigkeit der assets in den jährlichen märchenbüchern der versicherungen,gesetzlichen regelungen und ifrs sei dank,sind sich vorstand und aufsichtsrat schon lange nicht mehr im klaren,da der stetige mittelzufluß für permanentberuhigung sorgt.die wollen nachts ruhig schlafen.

    das hohle pferd versicherungswirtschaft mit angeschlossener gelddruckmaschine, steuererleichterung und direktzuschuß,galoppiert auf kettenbriefen,karusellgeschäften und ist zum pyramidenspiel
    verkommen,den letzten beißen die hunde.

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