Munich-Re-Chef
Wenning lobt und fordert die Ergo

Der Munich-Re-Chef bekennt sich zur Konzerntochter Ergo. Er unterstützt deren Entscheidung, die Altbestände an Lebensversicherungen weiter selbst zu verwalten. Gleichzeitig erhöht er aber auch den Druck.
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MünchenDie Nachricht vom Dienstagabend ist immer noch Top-Thema bei der Munich Re. Deren Erstversicherungstochter Ergo hatte den Verkauf von gut sechs Millionen alter Lebensversicherungs-Policen als gescheitert erklärt. Künftig will man sie mithilfe moderner Technologie selbst verwalten. „Aus Konzernperspektive war dies eine gute und richtige Entscheidung“, kommentierte Munich Re-Chef Joachim Wenning beim Journalisten-Abend des Konzerns am Mittwoch in München die Entscheidung. Der Verkauf hätte für sein Haus nicht zu einer Verbesserung geführt, sondern zu einer Belastung.

Beim Preis waren die Vorstellungen von Ergo und möglichen Käufern wohl weit auseinander gelegen, wie es auch Konzernkreisen hieß. Im Umfeld war außerdem zu hören, dass wohl der politische Druck sehr groß war, die Bestände im eigenen Haus zu belassen. Zu unpopulär erschien es vielen Politikern gerade in Zeiten der Koalitionsverhandlungen, dass erstmals eine solch große Zahl an Policen den Besitzer wechseln sollte.

Wenning bekannte sich eindeutig zum Erstversicherer Ergo, auch wenn der dem Konzern in den vergangenen Jahren häufig Verluste bescherte. „Zum Gruppengeschäftsportfolio gehören die Erst- und die Rückversicherung“, sagte Wenning. Eine Beschränkung auf das Rückversicherungsgeschäft schränke nun mal ein, sagte er. Damit erteilte er allen Spekulationen, die Munich Re könne womöglich doch irgendwann die Lust an Ergo verlieren, eine Absage. Dazu wären aber auch einträgliche Margen nötig. Das Ergo-Strategieprogramm soll dafür pro Jahr eine Verbesserung von 100 Millionen Euro bringen. „Die Kostenseite verbessert sich dort schon jetzt“, sagte Wenning wörtlich. Im dritten Quartal stieg das operative Ergebnis der Ergo im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 80 Prozent auf 111 Millionen Euro.

Für den Konzern sprach er für das operative Ergebnis in den kommenden Jahren die Maßgabe „Zwei Milliarden Euro plus“ aus. Dann würden aber Sprünge im 100 Millionen-Bereich folgen, nicht mehr über 500 Millionen Euro wie früher. Davon ist der Konzern im Moment meilenweit entfernt. Schuld sind die hohen Belastungen durch die Stürme im Golf von Mexiko im Spätsommer. So lief in den ersten neun Monaten ein Verlust von 146 Millionen Euro auf, allein im dritten Quartal lag das Minus bei 1,44 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Rückversicherer wegen dieser hohen Schäden nur einen kleinen Jahresgewinn. Zuvor war von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro die Rede. In den Jahren bis 2015 wurden regelmäßig Gewinne von über drei Milliarden Euro erzielt.

Von solchen Ergebnissen muss man sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich verabschieden. Dass künftig eine Milliarden Euro im Schnitt weniger verdient wird, liegt nach Wennings Ansicht jeweils zur Hälfte an den Niedrigzinsen und zur anderen Hälfte am „Weichmarkt“ in der Rückversicherung. „Keine Strategie wird an diesen externen Faktoren etwas ändern“, sagte Wenning. Allerdings erweisen sich die Niedrigzinsen inzwischen weniger belastend als in den Vorjahren. Grund dafür sind die Zinserhöhungen in den USA. Dort hat die Munich Re viel Geld angelegt.

Trotzdem soll weiterhin eine hohe Dividende gezahlt werden. „Aktionärsattraktivität ist wichtig“, betonte Wenning. Für das vergangene Jahr wurden 1,3 Mrd. Euro ausgezahlt. Dieses Jahr soll es wieder in diese Größenordnung gehen. Sinkende Ausschüttungen gab es bei der Munich Re bislang traditionell auch in schwierigen Jahren nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Aktienrückkaufprogramm, das es bei der Munich Re schon viele Jahre gibt und das nur einmal in Zeiten der Finanzkrise ausfiel. Ein Aktienrückkauf sei zwar kein Versprechen auf Dauer, aber auch in der aktuellen Situation zu 100 Prozent vertretbar, betonte Finanzvorstand Jörg Schneider. „Wo wir wachsen, da können wir das auch finanzieren.“

Klare Vorstellungen dazu hat Konzernchef Wenning bereits. Schwerpunkt sei die organische Weiterentwicklung. „Die digitale Transformation werden wir anführen“, verspricht er. „Bei Kapitalanlagen werde sein Haus künftig etwas mehr Risiko eingehen. Das werde sich aber nur in geringfügig auswirken und sei nicht von strategischer Bedeutung. Spürbar ist indes bereits die Aktienquote im Portfolio gestiegen, sie liegt inzwischen bei 6,5 Prozent.

Auch im klassischen Rückversicherungsgeschäft stehen die Zeichen auf Wachstum. „Im angelsächsischen Raum gibt es beispielsweise gute Geschäftsmöglichkeiten, dazu sehen wir im hochspezifischen Nischenmarkt gute Chancen“, gibt er die Richtung vor.

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