Nach dem Aus für die Steuerfreiheit
Lebensversicherung: Auszahlen lassen

Die Deutschen lieben ihre Versicherungen. Allein 2003 zahlten sie 68 Milliarden Euro Beiträge in Kapitallebensversicherungen ein. Sie setzten ihre Unterschriften unter 57 Millionen solcher Verträge, unter 17 Millionen Rentenversicherungen.Glaubt man den Prognosen mancher Versicherungsmanager, dürfte damit bald Schluss sein.

In neun dürren Textzeilen Juristendeutsch verkündete der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundestag das Ende der steuerfreien Kapitallebensversicherung. Ein Nachruf auf der Deutschen liebste private Altersvorsorge. In sieben Monaten, zum Jahresanfang 2005, soll es vorbei sein mit dem Prinzip brutto gleich netto für Versicherungskunden. Die Branche rechnet mit einer Art Notblüte im Policenverkauf 2004, ehe im Januar das Geschäft versiegt. Schon klappern Versicherungsvertreter die Haustüren ab und werben für die letzte Chance, sich die Steuervorteile zu sichern.

Doch bevor die Kunden den Füllhalter zücken und das Vertragsformular unterschreiben, sollten sie sich zwei Fragen stellen: Brauche ich einen weiteren Sparplan für die Geldanlage? Und wenn ich einen brauche, ist dann die Kapitallebensversicherung das optimale Produkt für mich? Es stimmt: Eine 2004 abgeschlossene Police ist lukrativer als eine des Jahrgangs 2005. Das Prozedere ist so schmerzlich wie einfach: Am Laufzeitende werden bei allen nach Jahresfrist geschlossenen Verträgen die vom Versicherten eingezahlten Beiträge von der Auszahlung abgezogen. Die Differenz muss der Kunde versteuern. Wie hoch, das hängt von seinem persönlichen Steuersatz ab, also von den Einkünften, die er neben der Versicherung noch erzielt. Die Steuer ist damit eine einmalige Überweisung im Jahr der Auszahlung an das Finanzamt.

Halber Satz

Ein Beispiel: Ein Ehemann bekommt von seiner Lebensversicherung 50.000 Euro ausgezahlt. 35.000 Euro hat er im Laufe der Jahre eingezahlt, unterm Strich ein Plus von 15.000 Euro. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart errechnete, dass der Anleger bei steuerpflichtigen Zusatzeinkünften von 10.000 Euro im Jahr von jenen 15.000 Euro 1864 Euro Steuern zahlen muss. Bei Zusatzeinkünften von 30.000 Euro sind 4008 Euro fällig und bei 50.000 Euro 4694 Euro - das sind 31 Prozent. Singles liegen deutlich höher: Bei 50.000 Euro sonstigem Einkommen will der Fiskus 6290 Euro abhaben - 42 Prozent der Erträge.

Diese hohen Sätze werden zum Glück halbiert, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre läuft, die Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr erfolgt, der Anleger mindestens fünf Jahre Beiträge zahlt und der Todesfallschutz mindestens 60 Prozent der Beitragssumme erreicht. Sind die vier Voraussetzungen erfüllt, spart sich der Anleger Steuern. Der mit seiner Frau zusammen zur Steuer veranlagte Anleger muss bei Zusatzeinkünften von 50.000 Euro statt 4694 Euro 2284 Euro für den Fiskus abzwacken.

Steuervorteil nutzen

Für Topverdiener, die auf jeden Fall eine Lebensversicherung haben möchten, kann es sich aus steuerlicher Sicht lohnen, noch in diesem Jahr abzuschließen und nicht zu warten. Selbständige und Beamte haben zusätzlich den Vorteil, dass sie ihre Beiträge als Sonderausgabenabzug beim Fiskus gelten machen können. Im Gegensatz zu Angestellten die den begrenzten Betrag mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen ausfüllen, haben sie häufig noch Luft für ihre Versicherungsprämien. Vom kommenden Jahr an fällt auch dieses Steuerplus der Kapitallebensversicherung weg.

Dennoch wollen nach einer aktuellen Umfrage der WirtschaftsWoche nur acht Prozent der Bürger einen Vertrag abschließen, ehe das Steuerprivileg fällt. Denn es bleibt die Frage, ob es überhaupt eine Versicherung sein muss. Markus Becker, Vorstand des Finanzberaters Mercurion, rät: "Von einer einzig steuerlich motivierten Anlage raten wir immer ab - man denke nur an die Ostimmobilien." Mit oder ohne Steuervorteil - auf eine Police kann verzichten, wer bereits genug vorgesorgt hat.

Versorgungslücke immer größer

Das allerdings sind in der Generation unter 40 die wenigsten. Denn die Versorgungslücke wächst. Zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der gesetzlichen Rente wird die Schere für künftige Rentnergenerationen immer größer. Weil immer weniger Arbeitnehmer in die staatlichen Rentenversicherung einzahlen und gleichzeitig die Zahl der rüstigen Ruheständler wächst, reduziert sich die erste Säule der Altersvorsorge auf ein Gnadenbrot. Im Jahr 2050 muss laut Deutschem Institut für Altersvorsorge (DIA) ein Beitragszahler für 1,2 Rentner aufkommen - mit der Folge, dass die Beitragssätze ins Uferlose wachsen. Das DIA rechnet mit einem Satz von 29 Prozent in 2050 - utopisch. Also müssen die Renten weiter schrumpfen. Da viele Unternehmen - wie die Commerzbank - aus Finanznot auch an der zweiten Säule, der Betriebsrente, sägen, lässt sich das Finanzloch im Alter nur mit privater Vorsorge stopfen.

Um die realen Versorgungslücken abzuschätzen, hat der Essener Wirtschaftswissenschaftler Reinhold Schnabel in einer DIA-Studie mit bis zu 1,5 Prozent Wachstum der gesetzlichen Rente gerechnet und die von 2005 an vorgesehene nachgelagerte Besteuerung für Renten berücksichtigt. Nach Schnabels Kalkulation müsste ein Single, der 58.440 Euro brutto jährlich verdient, 2020 in Rente geht und dann über 70 Prozent seines letzten Nettoeinkommens verfügen will, monatlich 662,32 Euro auf die hohe Kante legen - immerhin 13,6 Prozent seines Bruttoeinkommens. Kein Wunder also, dass bei den von der WirtschaftsWoche Befragten unter 30 die Absicht, 2004 eine Lebensversicherung abzuschließen, fast 70 Prozent höher war als bei den 30- bis 50-Jährigen und fünf Mal so hoch wie bei denen über 50.

Verschiedene Versicherungen

Was die Bundesbürger bisher in ihren Sparstrumpf gesteckt haben, reicht zumindest in der jüngeren Generation nicht für einen beschaulichen Lebensabend. Selbst beim beliebtesten Vorsorgeprodukt, der Lebensversicherung, hapert es. Zwar verfügt jeder Deutsche statistisch über eine Lebensversicherung, aber die durchschnittliche Versicherungssumme fällt mit 24.650 Euro für kapitalbildende Policen viel zu dürftig aus. In 30 Jahren bliebe dem Rentner nach Abzug einer Inflation von jährlich 1,5 Prozent nur magere 15.770 Euro - und davon geht noch der neue Anteil für den Fiskus ab. Dann reicht das Geld gerade für ein würdiges Begräbnis.

Zusätzliche Finanzvorsorge ist für viele also bitter nötig - aber in welcher Form? Die beliebten Lebensversicherungen rentieren derzeit durchschnittlich nur mit 4,5 Prozent. Die Krise an den Finanzmärkten hat ihre Spuren hinterlassen. Und jene 4,5 Prozent gelten wohl gemerkt nur für den Sparanteil, der etwa 80 Prozent der monatlichen Prämie ausmacht. Wer den falschen Versicherer wählt, bekommt im schlimmsten Fall nur die garantierte Mindestverzinsung von aktuell 2,75 Prozent auf den Sparanteil.

Ein wichtiges Indiz, wie gut die Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden anlegen, ist die Nettorendite ihrer Kapitalanlagen. Gut verdienende Sparer, die die Bequemlichkeit und Sicherheit der Lebensversicherung schätzen und dafür auf eine höhere Rendite verzichten, sollten die Möglichkeit einer Einmalzahlung in Betracht ziehen. Statt 30 Jahre lang Kleckerbeträge abzustottern, können Versicherte auch auf einen Schlag einen großen Betrag einzahlen. Das Geld landet dann auf ein Beitragsdepot, aus dem die gesetzlich vorgeschriebenen fünf Jahresprämien entnommen werden. Die Vertragslaufzeit beschränkt sich auf zwölf Jahre.

Rentenversicherung steuerlich günstiger


Das gleiche Beitragsprinzip lässt sich auch auf eine private Rentenversicherung übertragen. Eine Rentenpolice hat zudem den Vorteil, dass die Auszahlungen im kommenden Jahr mit einem niedrigeren Ertragsanteil zu versteuern sein werden. Nach altem Recht hatte ein 65-jähriger Ruheständler 27 Prozent seiner privaten Rente zu versteuern, künftig sind es nur noch 18 Prozent.

Klingt gut, aber auch hier liegt eine Tücke im Gesetz. Von 2005 an gelten für den zusätzlichen Steuerbonus Sonderausgabenabzug für Vorsorgeaufwendungen einer Rentenversicherung verschärfte Vorgaben. Das war eine Idee von Bert Rürup, dem Sozialversicherungsberater der Bundesregierung. Die neue, bei der Steuer als Sonderausgabe abzugsfähige "Rürup-Rente" sieht vor, dass sich der Kunde nur noch bis zu 20 Prozent des angesparten Kapitals als Einmalbetrag auszahlen darf, den Rest muss er als zwingend als lebenslange Rente nehmen.

Der entscheidende Pferdefuß: Die Ansprüche sind nicht beleihbar, vererbbar und nicht zu veräußern - wer kurz nach dem Rentenbeginn stirbt, hat umsonst gespart, seine Angehörigen bekommen nichts davon.Das schreckt ab, daher rechnet Peter Hanus, Vorstandssprecher des Versicherungsunternehmens Neue Leben, nur mit sehr geringem Interesse der Kunden an der Rürup-Rente. Auch Hans-Peter Schwintowski, Gutachter für die Monopolkommission, sagt voraus: "Die Rürup-Rente mit dem Sonderausgabenabzug wird ein Flop".

Vesicherungen contra Sparverträge

Auch wenn es Versicherungsmanager Hanus sicher nicht gerne hören wird: Jenseits von Rürup, Riester und Steuerbonus gibt es noch andere - mitunter passendere - Formen der privaten Altersvorsorge als die Lebensversicherung.Bisher fiel die Entscheidung, ob Anleger den Aufbau ihrer Altersvorsorge einem Versicherer überlassen oder in die eigene Hand nehmen, meist zugunsten der Profis aus. Doch "eine Lebensversicherung", so der Frankfurter Vermögensverwalter Lutz Gebser, "ist nichts anderes als die Mischung aus Aktien, Festverzinslichen und Immobilienanlagen" - und das könne der Anleger auch selbst zusammenbauen.

Für den Do-it-yourself-Vorsorger fällt die Steuerrechnung anders aus als für jemanden, der nur vor der Frage "Lebensversicherung jetzt oder später" steht. Zwar werden die Erträge der Versicherung künftig zur Hälfte besteuert. Allerdings fällt diese Besteuerung meist ins Rentenalter, wenn der persönliche Steuersatz meist niedriger ist als im Berufsleben.

Bei verzinsten und sicheren Staatsanleihen auf der anderen Seite sind die Zinserträge schon während der Sparphase jährlich zu versteuern und komplett steuerpflichtig, sofern der Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Gegen die Versicherung spricht wiederum: Wer sich seine Altersvorsorge selber gestaltet, spart die Kosten für den Versicherer. Damit kann sein Ergebnis besser ausfallen, als wenn er nach einer langen Vertragslaufzeit den geschmälerten Steuerbonus kassiert hätte.

Korsett der Lebensversicherung

Der eigenverantwortliche Vorsorger ist zudem flexibler, über sein Vermögen zu verfügen. Die Lebensversicherung ist ein Korsett, das manchem schnell zu eng wird: Etwa die Hälfte der Verträge wird vorzeitig und mit hohen Verlusten aufgelöst. Bei vielen anderen Anlageformen bleibt der Anleger liquide. Er kann Beiträge erhöhen, aussetzen, umschichten - inklusive der Gefahr, ständig vor der Zeit in die eigene Alterskasse zu langen und die Vorsorge nach und nach zu verfrühstücken.

Wer sich für eine Vorsorgeform entscheidet, muss abwägen: Steht sie für Sicherheit, ist die Rendite meist mau. In dem derzeit niedrigen Zinsumfeld kann ein Anleger risikolos meist nicht mehr als drei Prozent Zinsen erwarten. Mit der höheren Sicherheit ist dann oft eine höhere Steuerlast verbunden. Die Flexibilität, über das Geld zu verfügen, ist ebenfalls je nach Vorsorgeform eingeschränkt.

Zur Auswahl stehen: Investmentfonds

Wer sich nicht selbst um die Auswahl guter Anleihen oder Aktien kümmern will, kann das einer Fondsgesellschaft überlassen. Die deutsche Fondsbranche verwaltet mehr als einer Billion Euro für Privat- und Großanleger. Über mehrere Jahre gerechnet, ließen sich mit Fonds gute Ergebnisse erzielen - auch wenn Aktienfonds fast immer schlechter liefen als die Börse selbst. Ein Sparplan, in den monatlich 20 Jahre 50 Euro eingezahlt wurden, machte aus der Gesamteinzahlung von 12.000 Euro mit dem besten Fonds, dem DWS Intervest, ein Vermögen von 30.782 Euro. Wer allerdings in den vergangenen vier Jahren einen Sparplan begonnen hatte, sitzt teilweise noch im Minus. Das ist die Crux bei Investmentfonds.

Zwischenzeitliche oder auch anhaltende Verluste können sowohl bei Aktien- wie auch bei Rentenfonds die Rendite verhageln. Und trotzdem: Viele Vermögensberater empfehlen, einen Teil der Altervorsorge in Aktienfonds zu investieren, um langfristig die Chance zu nutzen, auf eine hohe Rendite zu kommen. Je nach Risikobereitschaft und Lebensalter sollten es mindestens 30 Prozent des monatlichen Sparbetrages sein. Die Fonds muss der Anleger sorgsam auswählen und beobachten.

Risikobereitschaft abschätzen

Brauchbare Produkte für jahrelanges Vorsorgesparen sind international gemischte Aktienfonds und europaweit gestreute Portfolios. Bei der Auswahl des Fondsanbieters rät der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber, auf Gesellschaften zu setzen, die über mehrere Jahre eine ordentliche Leistungsbilanz vorweisen - zum Beispiel DWS und Dit oder die US-Anbieter Franklin Templeton und Fidelity. Mischfonds, die sowohl in Aktien wie in Anleihen anlegen, sind ein Kompromiss für Anleger, die das Börsenrisiko eingrenzen wollen. Wer es gänzlich scheut und auf die entsprechenden Chancen verzichten will, für den sind Rentenfonds, die in Staatsanleihen investieren, eine Alternative.

Die Fondsanbieter erhoffen sich von 2005 an größere Stücke vom Kuchen Altersvorsorge, sobald das Steuerprivileg für die Lebensversicherung fällt. Viele Versicherer haben sich daher gewappnet und eigene Fondsgesellschaften gegründet. Oder gekauft, so wie die Allianz, die mit der Dresdner Bank auch Deutschlands viertgrößte Fondsgesellschaft Dit an Land zog. Die Hamburg-Mannheimer lässt sich unter anderem von der Münchner Meag mit Fonds versorgen, die Aachener Münchner setzt auf AMB Generali Asset Managers.

Bisher kamen viele dieser Töchter nur mühsam ins Geschäft, etwa wenn eine Lebensversicherung fällig wurde und der Vertreter zur Neuanlage der Gelder riet - natürlich zur hausinternen. Künftig dürften die Fondsgesellschaften stärker in den Blickpunkt rücken. Denn steuerlich ist ein Sparplan mit Aktienfonds die attraktivste Variante. Kursgewinne sind nach einem Jahr steuerfrei - und Dividendenerträge werden nur zur Hälfte besteuert. Zwar ist immer wieder eine so genannte Abgeltungssteuer im Gespräch, mit der jährlich ein Teil der Erträge pauschal versteuert werden könnte. Doch das ist Zukunftsmusik.

Immobilien. Der Klassiker neben der Lebensversicherung

Die eigenen vier Wände gelten für viele als Traumlösung des Vorsorgeproblems - im Alter nie mehr Miete zahlen. Doch der Traum vom Eigenheim engt Vorsorgesparer früh ein. Oft lässt ihnen die monatliche Zins und Tilgung der Hypothek keine finanzielle Luft für zusätzliche Formen der Altersabsicherung. Das Haus oder die Wohnung, selbstgenutzt oder vermietet, muss bis zur Rente abbezahlt sein. Zusätzlich müssen Immobilieneigentümer Rücklagen für teure Reparaturen zur Seite gelegt haben.

Vorteil: Der Rentner hat im Alter Substanz, die er vererben kann. Zu welchem Wert allerdings, ist vielfach fraglich. Denn wie sich die demografische Entwicklung auf den Immobilienmarkt auswirkt, ist unsicher. Die Deutsche Bank Research prognostizierte jüngst, dass sich die Renditen von Wohnimmobilien wegen der abnehmenden Bevölkerung in vielen Lagen verschlechtern werden. Das trifft Topstandorte in den Großstädten voraussichtlich weniger als die Reihenhäuser in der Provinz.

Riester-Verträge interessanter als gedacht

Wer bereit ist, sich mit einem Vertrag mindestens bis zum 60. Lebensjahr zu binden, der schlägt bei der viel geschmähten Riester-Rente zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Staat honoriert das Sparen mit Zulagen oder einem Steuerabzug. Die Besteuerung funktioniert - wie auch bei Lebensversicherungen künftig - mit einer nachgelagerten Besteuerung im Rentenalter. Um die komplette Zulage zu erhalten, müssen Sparer im Jahr 2004 zwei Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens in einen Riester-Vertrag einzahlen, maximal 1050 Euro im Jahr. Die Eigenleistung steigt in Etappen bis 2008 auf dann vier Prozent des Einkommens und maximal 2100 Euro. Wer weniger anlegt, erhält auch die Zulagen nur anteilig.

Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften haben jeweils eigene Produkte für die Riester-Rente gestrickt. Wer mit Investmentfonds riestert, dem müssen die Gesellschaften garantieren, dass er seine Einzahlungen ohne Verlust herausbekommt. Das angesparte Vermögen kann an Ehepartner vererbt werden, bei Rentenbeginn darf sich der Sparer 20 Prozent des Vermögens auf einen Schlag auszahlen lassen. Entscheidender Nachteil der Riesterei ist ihre bürokratische Monstrosität und Unflexibilität.

Rentenversicherung als Alternative

Für welche Vorsorgeform sich der Sparer auch entscheidet, die große Herausforderung ist es dann, im Rentenalter aus dem Vermögen einen komfortablen monatlichen Betrag zu ziehen, die die Rentenlücke füllt und das Vermögen nicht im Nu aufzehrt. Schon das Vorhaben, monatlich 400 Euro aus einem Vermögen von 50.000 Euro zu entnehmen, entpuppt sich beim Nachrechnen als wackelig. Bei einer Rendite von vier Prozent nach Steuern reicht das Vermögen für diese Rentenhöhe nur 14 Jahre lang. Für viele ist daher eine Rentenversicherung mit Einmaleinzahlung die sichere Alternative, um tatsächlich bis zum Lebensende eine Rente zu bekommen. Da atmet die Versicherungsbranche auf.Versorgungslücke.

Kommende Rentnergenerationen müssen erheblich mehr privat sparen, um ihren Lebensstandard auch im Alter zu halten. Je höher das Einkommen, desto kleiner wird der Anteil der gesetzlichen Rente an den Alterseinkünften sein. Grund dafür ist die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung, die Beiträge nur bis zum Limit von derzeit 5150 Euro monatlich berechnet. Wie groß die Lücke für gut verdienende Arbeitnehmer sein könnte, hat der Wirtschaftwissenschaftler Reinhold Schnabel von der Uni Mannheim für das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) anhand von zwei Musterhaushalten berechnet.

Dazu traf er folgende Annahmen: Das angestrebte Versorgungsniveau liegt bei 70 Prozent des Nettoeinkommens. Alle Beträge sind inflationsbereinigt mit einer Rate von 1,5 Prozent pro Jahr. Das angesparte Kapital verzinst sich real mit drei Prozent pro Jahr. Die Sparbeiträge fließen bis zum Renteneintrittsalter von 65 Jahren. Die Einkommen wachsen bis 2009 um 1,2 Prozent, danach um 1,5 Prozent. Von 2005 an gilt die nachgelagerte Besteuerung für Alterseinkünfte.

Mit Fondspolicen in Rente gehen

Das Ende der Steuerfreiheit für die Lebensversicherung trifft auch deren börsenorientierte Schwester, die fondsgebundene Lebensversicherung. Sie war bisher für vermögende Anleger interessant, die ihren Sparerfreibetrag bereits mit anderen Anlageformen ausgeschöpft hatten. Das Prinzip: Vom monatlichen Beitrag deckt ein Teil die Kosten des Versicherers, der Rest wandert in Investmentfonds. Versicherungskritiker würden es begrüßen, wenn das Steuerende 2005 den Fondspolicen den Todesstoß versetzte. Sie monieren die hohen Kosten und die Intransparenz. Ihr Rat: Einen Fondssparplan und eine Risikolebensversicherung separat abschließen.

Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaft in Ulm ermittelte jüngst, dass Fondspolicen-Anleger im günstigsten Fall zu 84 Prozent von der Wertentwicklung des in den Versicherungsmantel verpackten Aktienfonds profitieren - der Rest geht für Kosten drauf. Im schlechtesten Fall bleiben dem Anleger nur 44 Prozent.

Versicherer propagieren Rentenpolicen

Die Branche stellt sich auf härtere Zeiten ein. "Das Geschäft wird sich künftig stärker auf die Rentenpolice konzentrieren", erwartet Frank Breiting, Versicherungsexperte der Unternehmensberatung Tillinghast Towers Perrin. Dabei überlässt der Anleger zu Rentenbeginn das Vermögen dem Versicherer und bekommt eine lebenslange Rente. Ein Steuervorteil gegenüber einem normalen Sparplan bleibt erhalten, wenn der Anleger Rentenfonds in die Fondspolice packt.

Norbert Ras, Deutschlandchef des Versicherers Legal & General, rechnet ein Beispiel für die von 2005 an geltende Regel vor: Ein Anleger mit einem zu versteuernden Einkommen von 35.000 Euro und ausgeschöpftem Sparerfreibetrag zahlt bis zu seinem 60. Lebensjahr 20 Jahre 1000 Euro jährlich. Bei einer angenommenen Rendite von fünf Prozent zahlt er bei Fällligkeit einer Fondspolice 2638 Euro Steuern, bei einem normalen Sparplan mit Rentenfonds über die gesamte Laufzeit 5062 Euro. Das spräche für eine Fondspolice mit Rentenfonds, denn dann würden nur 2638 Euro Steuern fällig.

Allerdings fehlen bei der Berechnung die produktspezifischen Kosten. Die langfristige Rendite der Rentenfonds kann die hohen Kosten mancher Policen nicht immer wettmachen - und der Steuervorteil wäre aufgezehrt. "Teure Fondspolicenanbieter werden es künftig schwerer haben", erwartet Ras. Ob das so ist, entscheiden die Vermittler im Vertrieb. Für die sind Policenprovisionen interessanter als der Verkauf eines Fondssparplans.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 024 vom 03.06.2004 Seite 104

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