Nach der Krise
Deutsche sparen wieder mehr

Die Deutschen legen wieder etwas mehr Geld auf die hohe Kante. Die Sparquote ist im ersten Halbjahr angestiegen, nachdem sie in dem Krisenjahr 2009 gesunken war. Vor allem für die Altersvorsorge wird mehr zurückgelegt. Regional gibt es große Unterschiede.
  • 0

HB DÜSSELDORF. Jeder Deutsche hat im ersten Halbjahr im Schnitt 190 Euro pro Monat auf die hohe Kante gelegt - zehn Euro mehr als im vergangenen Jahr. "Für die privaten Haushalte zusammen ergibt sich ein Sparvolumen von rund 93 Milliarden Euro", teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im Schnitt sparten die Deutschen 11,5 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Eine höhere Sparquote gab es zuletzt in der zweiten Jahreshälfte 2008 mit saisonbereinigt 11,8 Prozent.

Experten führen die im internationalen Vergleich hohe Sparneigung auf steigende Aufwendungen für die Altersvorsorge zurück. "Dafür wird mehr beiseite gelegt", sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. "Es gibt aber noch einen anderen Grund: Das ist die zunehmende Umverteilung." Die höheren Einkommen seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, die niedrigeren nur schwach. "Gespart wird vor allem von den höheren Einkommen, die wegen spürbarerer Zuwächse mehr Geld beiseite legen konnten", sagte Horn.

Damit haken die Deutschen die Krise ab. Nach einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sparten die Bundesbürger im Vorjahr knapp 177 Milliarden Euro und damit knapp 11 Milliarden Euro weniger als noch 2008, teilte der Verband am Dienstag anlässlich des Weltspartages mit. Jatzt wächst wieder die Sparlust.

Nach der Umfrage haben die Bundesbürger sich trotz hoher wirtschaftlicher Unsicherheit beim privaten Konsum nicht besonders zurückgehalten. Zehn Prozent der Befragten erklären, "im Laufe der letzten zwölf Monate ihr Konsumverhalten ausgeweitet zu haben".

Die privaten Ausgaben seien mit minus 0,2 Prozent deutlich weniger zurückgegangen als die verfügbaren Einkommen, die um 1 Prozent schrumpften. Ausschlaggebend dafür seien durch die Abwrackprämie geförderte Autokäufe gewesen. Das Netto-Geldvermögen der Deutschen stieg innerhalb von 10 Jahren auf knapp 3140 Milliarden Euro (1999: knapp 1977 Euro).

Die privaten Ausgaben seien mit minus 0,2 Prozent deutlich weniger zurückgegangen als die verfügbaren Einkommen, die um 1 Prozent schrumpften. Ausschlaggebend dafür seien durch die Abwrackprämie geförderte Autokäufe gewesen. Das Netto-Geldvermögen der Deutschen stieg innerhalb von 10 Jahren auf knapp 3140 Milliarden Euro (1999: knapp 1977 Euro).

Den Haushalten standen 2009 laut Verband insgesamt rund 186 Milliarden Euro einschließlich Vermögensübertragungen wie Spar- und Eigenheimzulagen sowie Investitionszuschüsse zur Vermögensbildung zur Verfügung, gut 4 Milliarden Euro mehr als 2008. Dennoch ging die Sparquote von 11,7 auf 11,1 Prozent zurück. Wirtschaftsforschungsinstitute gingen von einer ähnlichen Sparquote für 2010 aus, hieß es.

Bei Geldanlagen habe für die Sparer erneut Sicherheit im Vordergrund gestanden, so der Verband. Anlagen in Finanzprodukten stiegen um 21 Milliarden Euro auf 147 Milliarden Euro. Damit hätten die Brutto-Geldanlagen den höchsten Stand in diesem Jahrzehnt erreicht.

Erstmals seit 2006 haben die Bundesbürger nach der Umfrage auch wieder ihre Wertpapieranlagen aufgestockt. Knapp 26 Milliarden Euro flossen in diese Anlage, nachdem es in den Vorjahren eine Flucht aus diesen Papieren gegeben habe.

Nach der Erhebung haben 61 Prozent der Deutschen ihr Spargeld in eine Lebensversicherung gesteckt, ebenso viele in eine Rentenversicherung. Befragt wurden 2000 Menschen im Alter ab 14 Jahren.

Kommentare zu " Nach der Krise: Deutsche sparen wieder mehr"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%