Nach Expertenberechnungen werden Sparbeiträge von Arbeitnehmern doppelt besteuert
Rürup-Rente lohnt sich für viele nicht

Mit der steuerlichen Förderung privater Vorsorge will der Staat seine Rentenkassen entlasten. Doch das jüngste Modell staatlicher Hilfe für freiwillige Sparer, die im Juni verabschiedete Steuerentlastung für private Leibrenten (Rürup-Rente), belastet Arbeitnehmer in den Anfangsjahren doppelt

DÜSSELDORF. Expertenberechnungen ergeben: Die Beiträge zur privaten Vorsorge wirken in der mehrere Jahrzehnte dauernden Übergangsphase nur eingeschränkt steuermindernd. Im Alter sind die zusätzlich erworbenen Einkünfte dagegen relativ hoch zu versteuern. Besonders jüngere Arbeitnehmer spüren diesen Effekt. Regierungsberater Bert Rürup machte gegenüber dem Handelsblatt fiskalische Gründe für die steuerliche Asymmetrie geltend.

„Ich glaube, dass die Rürup-Rente ein Flop wird“, sagt Klaus Jaeger von der Freien Universität Berlin, der eine Reihe von Modellfällen durchgerechnet hat. Auch der unabhängige Versicherungsberater Michael Kronenberg meint: „Die Rente ist ungerecht und vor allem für Jüngere unattraktiv.“

Die Grundidee der Rürup-Rente ist, während einer bis 2040 dauernden Übergangsphase die Beiträge zu einer Privatrente in allmählich steigendem Umfang steuerlich freizustellen. Gleichzeitig sollen nach Eintritt des Rentenalters die daraus entstandenen Einkünfte zu schrittweise steigenden Prozentsätzen besteuert werden, bis sie voll der Einkommensteuer unterliegen. Doch Modellrechnungen ergeben: Die Vergünstigungen in der Ansparphase machen die hohen Steuersätze zur Rente nicht wett.

„Die Doppelbelastung tritt in der Übergangsphase bis 2040 immer auf“, errechnete Jaeger. Wer etwa 2005 einen Vertrag abschließt, kann im ersten Jahr zunächst nur 60 Prozent seiner Beiträge zur privaten und gesetzlichen Altersvorsorge geltend machen. Zweite Einschränkung: Die Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Rente werden vor der steuermindernden Summe voll abgezogen. Das sieht in der Praxis so aus: Ein 30-jähriger Single mit 40 000 Euro Jahreseinkommen zahlt gemeinsam mit seinem Arbeitgeber pro Jahr 8 000 Euro in die Rentenkasse. Er ergänzt diese Summe auf 10 000 Euro mit 2 000 Euro privaten Rentenbeiträgen. Von dieser Summe können 60 Prozent steuermindernd geltend gemacht werden, also 6 000 Euro. Davon gehen nochmal die Arbeitgeberbeiträge zur Rente in Höhe von 4 000 Euro ab. Bleiben 2 000 Euro als steuermindernde Beiträge von 6 000 Euro, die der Single von seinem versteuerten Einkommen in die private und gesetzliche Altersvorsorge bezahlt hat. Geht er 2040 in Rente, werden seine Renteneinkünfte aber zu 100 Prozent versteuert.

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