Nachgefragt: Reinhold Schnabel
"So weit wie möglich ausnutzen"

Reinhold Schnabel ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Düsseldorf-Essen. Im Interview erklärt er, für wen die Riester- oder die Rürup-Rente interessant ist und welche Anlegevariante gewählt werden sollte.

Handelsblatt:Für welche Menschen ist die Riester- oder die Rürup-Rente interessant?

Reinhold Schnabel: Jeder muss sich die Frage stellen, wie viel laufendes Einkommen er im Alter braucht, um die zu erwartende Rentenlücke auszugleichen, und wie viel Vermögen er zu seiner freien Verfügung haben will – beispielsweise für eine größere Investition im Ruhestand oder um es zu vererben. Auf keinen Fall sollte man seine ganzen Ersparnisse in ein derartiges Rentenprodukt stecken, sonst ist man festgenagelt.

Ist das Riester- oder das Rürup-Produkt vorteilhafter?

Die Riester-Rente ist flexibler. Ihr kann der Sparer beispielsweise zwischenzeitlich für einen Hauskauf Geld entnehmen. Zudem sind bei Rürup augenblicklich nur 60 Prozent der Beiträge von der Steuer befreit. Bei Riester hingegen ist alles absetzbar, und das Finanzamt prüft, ob man mit der staatlichen Zulage oder der Steuerbefreiung besser fährt. Also: Riester so weit wie möglich ausnutzen, dann über eine RürupRente oder eine klassische Lebensversicherung nachdenken.

Sowohl das Riester- als auch das Rürup-Modell funktionieren ausschließlich als Renten. Ist die mangelnde Auszahlbarkeit ein Mangel?

Das ist ein großer Nachteil. Die deutsche Altersvorsorge zeichnet ein großes Misstrauen gegenüber dem Rentner aus. Es herrscht Angst, er könne alles verprassen und dann dem Staat auf der Tasche liegen.

Die Riester-Rente kommt nur für Angestellte und Beamte sowie deren Ehepartner in Frage. Was machen Selbstständige?

Wer selbstständig ist, darf eigentlich nicht riestern. Wenn aber die Ehefrau berechtigt ist, dann hat auch der selbstständige Ehemann das Recht dazu. Ansonsten kommt für ihn die Rürup-Rente oder ein anderes klassisches Lebensversicherungsprodukt in Frage.

Bei Riester kann man zwischen drei verschiedenen Anlagevarianten wählen – Fondssparen, Rentenversicherung oder Banksparplan stehen zur Auswahl. Nach welchen Kriterien fällt die Entscheidung?

Jeder muss wissen, wie viel Risiko er eingehen will. Als Faustregel gilt: Je älter, desto risikoaverser sollte der Sparer vorgehen. Junge Leute können sich also leichter für Fondssparen mit hohem Aktienanteil entscheiden.

Wer seinen steuerlichen Wohnsitz ins Ausland legt, muss die Förderung zurückzahlen

Das ist ein ungelöstes Problem, das erst akut wird, wenn die ersten Riester-Verträge fällig werden – gerade für Gastarbeiter, die im Alter zurück in die Heimat wollen. Da diese Vorschrift möglicherweise gegen EU-Recht verstößt, wird sie aber vermutlich keinen Bestand haben.

Die Fragen stellte Carolyn Braun.

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