Nachgefragt: Tom Friess
"Die Vorsorge beginnt immer jetzt"

Tom Friess gehört zur Geschäftsleitung des VZ Vermögenszentrum. Im Handelsblatt erklärt er, warum die Kapitallebensversicherung eine zweischneidige Sache ist und das Anleger prüfen sollten, ob eine Direktversicherung über den Arbeitgeber in Frage kommt.

Handelsblatt: Zum Jahreswechsel gibt es bei der Altersvorsorge massive steuerliche Änderungen. Was sollten Anleger jetzt noch tun?

Tom Friess: Sie sollten auf jeden Fall noch prüfen, ob eine Direktversicherung über den Arbeitgeber für sie in Frage kommt. Steuerlich ist diese in der bisherigen Form eine der lukrativsten Formen der Vorsorge. Der Staat gewährt auf Beiträge einen ermäßigten Steuersatz, die Überschüsse sind bei der Auszahlung steuerfrei. Diesen doppelten Vorteil wird es ab 2005 nicht mehr geben.

Sollte man nicht auch noch eine Kaptiallebensversicherung abschließen? Da wird doch jetzt intensiv mit Steuervorteilen geworben.

Die Kapitallebensversicherung ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Für stark sicherheitsorientierte Sparer mit einem hohen Steuersatz könnte sie sinnvoll sein. Doch für die meisten anderen lohnt sie nicht. Die geringfügigen Steuervorteile bei einem Abschluss vor 2005 wiegen meist die hohen Gebühren der Anlage nicht auf. Außerdem ist das Kapital so fest gebunden, dass es den Sparer sehr unflexibel macht.

Welche Rolle sollte der Steueraspekt generell bei der Altersvorsorge spielen?

Der Steuervorteil sollte niemals der entscheidende Faktor bei einer Geldanlage sein. Das haben wir bei den Sonderabschreibungsmodellen im Osten gesehen. Auch wenn der Sparer den Höchststeuersatz zahlt, steht er mit gut der Hälfte seines eingesetzten Kapitals voll im Risiko. Übrigens haben die Deutschen nur mäßig hohe Steuersätze. Ein Spitzenverdiener hat in der Schweiz einen höheren Grenzsteuersatz als hier.

Für viele ist das Thema Altersvorsorge so verwirrend, dass sie gar nichts machen. Was raten Sie in solchen Fällen?

Die Altersvorsorge beginnt immer jetzt. Mit regelmäßigem Sparen erreicht man den größten Effekt. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, immer die beste und günstigste Variante des Sparens entdeckt zu haben. Fehler sind auch mal erlaubt. Einmal im Jahr muss die Vorsorge dann auf den Prüfstand: wo sollte ich umschichten, passt die gesamte Vorsorge in ihrer Zusammensetzung zu meinem Profil? Einen Fondssparplan zu unterschreiben und Jahre nicht mehr danach zu schauen, ist keine gute Idee.

Woran erkennt der Anleger denn, ob seine Vorsorge zu ihm passt?

Er sollte Verfügbarkeit, Risiko und Rendite der Anlagen auf seine Lebensumstände abstimmen. Für einen 30-Jährigen, der gerade eine Familie gründet, kommt eine Dauerbindung an einen geschlossenen Schiffsfonds mit ziemlicher Sicherheit nicht in Frage, auch wenn sie hohe Renditen verspricht.

Die Fragen stellte Gertrud Hussla

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%