Nachgefragt: Wolfgang Scholl
"Der Steuer-Effekt macht es"

Wolfgang Scholl ist Experte der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.. Im Interview erklärt er, ab welcher Einkommenshöhe sich die Betriebliche Altersvorsorge lohnt und warum die Arbeitnehmer noch dieses Jahr reagieren sollten.

Handelsblatt: Herr Scholl, raten Sie Ihren Freunden zu einer betrieblichen Altersversorgung?

Wolfgang Scholl: Das hängt davon ab wie hoch der Arbeitgeberzuschuss ist – je höher, desto mehr würde ich zuraten. Zu bedenken ist aber auch, was beim Arbeitgeberwechsel mit dem Vertrag passiert. Niedrige Abschlusskosten sprechen ebenfalls für einen Vertrag. Wichtig wäre auch die Höhe der Einkommensteuerbelastung (je höher, desto günstiger) sowie die Existenz eines privaten Riester-Vertrags (betriebliche Vorsorge eventuell draufsatteln).

Und was ist, wenn die Firma keinen Zuschuss gibt?

Dann ist häufig die Riester-Förderung attraktiver als die Entgeltumwandlung. Hintergrund ist die Belastung der späteren Betriebsrenten mit Krankenversicherungsbeiträgen, die bei Riester nicht anfallen.

Also die Finger davon lassen?

Nicht unbedingt: Durch den Steuerstundungseffekt und die an Sozialabgabenfreiheit bis 2008 ist auch die reine Entgeltumwandlung ohne Arbeitgeberzuschuss grundsätzlich attraktiv. Allerdings sollte man darauf bestehen, vorab Aufschluss über die Kostenbelastung und die Konditionen für eine später eventuell einmal nötig werdende Beitragsfreistellung zu erhalten.

Welcher Durchführungsweg ist für die Entgeltumwandlung denn der beste?

Pauschalaussagen taugen hier nicht, da man nur die Wahl unter den Alternativen hat, die der Arbeitgeber anbietet. Und da kommt es vor allem auf Abschlusskosten und Kostenregelungen an. Da man alternativ Anspruch auch auf „betriebliches Riestern“ bzw. zusätzlich auf „privates Riestern“ hat, sollte man diese Formen in das Gesamtkonzept einbeziehen.

Ab welcher Einkommenshöhe lohnt sich das Betriebs-Sparen?

Es gibt keine solche Einkommensgrenze. Man profitiert allerdings um so mehr, je höher die Steuerprogression ist. Bei der Direktversicherung sollte der persönliche Spitzensteuersatz erkennbar über 22 Prozent liegen.

Sollte der Arbeitnehmer noch vor Jahresende reagieren?

Ja. Wer sehr hohe Einkommensteuer zahlt und noch keinen pauschalversteuerten Direktversicherungsvertrag hat, muss jetzt handeln. Der erste Beitrag muss noch im alten Jahr fließen, damit die Auszahlung im Alter einkommensteuerfrei ist bzw. bei Verrentung nur der niedrigere Ertragsanteil anfällt.

Bringt 2005 denn auch Vorteile für Betriebsrenten-Sparer?

Sicherlich ist die gesetzliche Verankerung des Rechts auf Übertragung der Anwartschaft bei Arbeitgeberwechsel eine rechtliche Verbesserung. Praktisch bringt dies jedoch kaum Vorteile, da immer nur das gebildete Kapital mitgenommen wird. Dieses kann aber deutlich niedriger als die gezahlten Beiträge sein, weil erhebliche Abschlusskosten davon abgezogen worden sind.

Die Fragen stellte Rita Lansch.

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