Nachgerechnet

Wie Versicherer mit Rürup-Renten abkassieren

Die Rürup-Rente erlaubt es Selbstständigen, steuerbegünstigt fürs Alter zu sparen. Doch manchmal ist es eine Vorsorge für den Vertreter. Der Kunde dagegen sitzt in der Falle.  
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Bei der Rürup-Rente hilft Rechnen

Bei der Rürup-Rente hilft Rechnen

Carsten Röller*), 31 Jahre alt, hat sich sehr gewundert. Seit 2006 zahlt er in seine Rentenversicherung „Gerling Basisrente Dynamic“ ein, insgesamt rund 12.000 Euro bis jetzt. Doch laut Bescheid wurden gerade mal gut 6.000 Euro als Guthaben angesammelt. 301 Euro monatlich zahlt Röller künftig, die Beiträge steigen regelmäßig. Doch lohnt sich das für ihn, oder sorgt er hier eher für andere vor? Berechnen können Versicherte das auch selbst, wenn sie alle Daten haben. 

Was hat er überhaupt abgeschlossen? Röller bekommt als Selbstständiger im Alter keine staatliche Rente. Deshalb hat ihm ein Vertreter zu dem Vertrag geraten, zu einer Rürup-Rente. Das heißt, der Staat hilft mit Steuererleichterungen in der Ansparphase, die im Lauf der Jahre immer höher werden. Doch von möglichen Steuererleichterungen sollte sich kein Sparer blenden lassen. 

Die HDI gibt nach Rückfrage Auskunft. Über 5.500 Euro Provision hat Röller bis jetzt bezahlt. Stolze 6,75 Prozent der gesamten Beitragssumme, die er in den vielen Jahren bis zur Rente einzahlt. Üblich sind eher vier Prozent.

Mit jeder Beitragserhöhung kassiert die Versicherung erneut Provisionen. Dazu kommen die Verwaltungskosten. Bei Rürup-Renten ist die Verwaltung aufwendiger, da sie besonders stark reglementiert sind. Für Röller betragen die Verwaltungskosten inzwischen über 300 Euro im Jahr. 

Teure Zusatzversicherung
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22 Kommentare zu "Nachgerechnet: Wie Versicherer mit Rürup-Renten abkassieren"

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  • Bei meinem persönlichen Rechner kommen bei 4 Prozent Verzinsung und Zahlung von 190 Euro monatlich über 35 Jahre ein Endkapital von ca. 173600 Euro raus. Aber Abgeltungssteuer ist da nicht berücksichtigt.

  • Also Mike ...

    zu a) 4 % Rendite sind mit einer Festverzinsung sicherlich nicht darstellbar. Mit anderen Investments sicherlich schon.

    zu b) Steuern werden erst fällig, wenn Gewinne realisiert werden. Jährlich muss man nur zahlen, wenn man mit festverzinsten Produkten arbeitet.

    zu c) Frau Hussla hat geschrieben, dass es bei gleicher Leistung auch billiger geht. Das bedeutet, dass es mit gleichem Kapitaleinsatz eine höhere Leistung gibt.

    Sicherlich sind die Berechnungen in dem Artikel sehr grob. Die Tendenz stimmt jedoch. Ich kann in dem Artikel also weder Unfähigkeit noch Dilletantismus erkennen. Finanztest kommt übrigens zu ähnlichen Ergebnissen.

  • Frau Hussla
    Sie haben sich leider als unfähig erwiesen. Sie haben es immer noch nicht realisiert das
    a.) 4% Rendite derzeit aufgrund des Zinsumfeldes nicht darstellbar sind
    b.) während der Laufzeit beim "freien Sparen" jedes Jahr Steuern anfallen die im Versicherungsmantel nicht anfallen
    c.) Bei einer Berufsunfähigkeitsvers. nicht nur allein der Preis das einzige Kriterium
    ist, sondern auch das Rating der Vers., die Leistungsquote der Vers. und die Vertragsbedingungen (s. hierzu auch Stiftung Warentest)

    Tun Sie sich selbst einen Gefallen und übertragen die Kolumne an jemand der sich mit der Materie auskennt und dem nicht so dilletantische Fehler unterlaufen

  • Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare.

    Die Angaben sind auf- und abgerundet, damit es im Text und auch im Online-Video verständlicher ist.
    Genau hat er eine Netto-Sparrate von 193,62, die Berufsunfähigkeitsversicherung schon abgezogen, er hat
    einen Rückkaufswert von 6007 Euro und noch eine 35-jährige Laufzeit.
    Wenn Sie das in Zinsen-berechnen.de eingeben, kommen Sie auf seine Rendite von 3,7 Prozent.
    Das ist freundlich gerechnet, würde man seine Provisionszahlungen aus der Anfangszeit mit berücksichtigen und über die ganze Laufzeit gehen, würde die Rendite sehr viel schlechter aussehen.


    Freies Sparen: Geben Sie die gleichen Daten in den gleichen Rechner ein,
    erhalten Sie nach Abgeltungssteuer bei vier Prozent Rendite ein Kapital von 198 538 Euro.
    Ohne Anfangskapital sind es 174 834 Euro. Hier ist mir tatsächlich ein Fehler unterlaufen, ich hätte“mit Anfangskapital“ schreiben müssen. Dass er absolut nicht mehr an das Geld kommt, hat mir erst im Nachhinein die Versicherung bestätigt.
    Insgesamt sind aber die Daten so vorsichtig gerechnet,( nur zwei Prozent Kapitalverzinsung im Alter beim Entnahmeplan),
    dass das Ergebnis im Wesentlichen so bestehen kann.

    Nehmen wir die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
    Die gleiche BU würde er separat bei einem günstigeren Anbieter für rund 60 Euro kriegen.

    Geben Sie in den Sparrechner mal 193 plus 40 Euro gesparte BU ein, insgesamt 233,62 Euro, dann sind Sie beim freien Sparen bei einem Endkapital von 210 953,32. Ohne Anfangskapital und nach Abgeltungssteuer. So kann man hin- und herrechnen, es wird immer ein Ergebnis rauskommen, das das Ergebnis im Wesentlichen bestätigt.

    Die Steuersätze sind in den Rechnern vor Rentenbeginn standardmäßig mit 45 Prozent und nach Rentenbeginn mit 35 Prozent berücksichtigt. Da jeder Fall anders ist, und keiner in die Zukunft schauen kann, sind sie so auch in diesem Fall beibehalten, obwohl der Leser einen deutlich niedrigeren Grenzsteuersatz hat.

  • Also wenn ich mal rechne : 31 Jahre zahlt 300 EUR monatlich bis 67 = noch 36 Jahre lang .
    300x12x36+6000= 135.600 davon hat er dann in der Ansparpahse 30 % per Steuererklärung zurück erhalten = 40.680 EUR . Nettoinvestition 94.920 EUR . Wozu die Aufregung ??

  • das Produkt ist sicher nicht das beste aber die Stratiegie ist schon hilfreich. Hieer wurde mal wieder bewusst schlecht gerechnet = das liest sich ja in Bild Zeitungs manier auch besser . Die laufenden Steuerrückerstattungen sind ja in die eigene Liquidität gelaufen und reduzieren die Investition deutlich. Das kann mit einer dubiosen Sparanlage wie hier als Gegenbeispiel vorgerechnet werden nicht vergliechen werden. Außerdem nur die garantierte Rente wird es ja auch nicht geben - obwohl ich insbesondere bei diesem Anbieter auch nicht zuviele Überschüsse erwarten würde. Aber die Rente wird dann auch lebenslang gezahlt - die Langlebigkeit ist ein Vorteil . er wird mindestens 90 Jahre = die Rente 23 Jahre lang bekommen.

  • Sehr geehrte Frau Hussla,

    ich persönlich bin stark dafür, Finanzprodukte genau unter die Lupe zu nehmen und Kunden adäquat über Vor- und Nachteile von Vorsorge- und Finanzprodukten zu beraten. Selbst für Branchenkenner ist der Vergleich zwischen verschiedenen Produkten und Anbietern nicht immer leicht. Gerade deshalb sehe ich Ihren Rat, die Versicherung aufzugeben und privat zu sparen allerdings als sehr pauschal und kritisch. Folgende Aspekte wurden nicht berücksichtigt:

    Würde der Kunde privat sparen wollen, so könnte er die Beiträge nicht steuerlich absetzen. Bei einem deutschen Durchschnittsverdienst von unterstellt 30000 € würde dies bei einer durchschnittlichen Ansetzbarkeit der Beiträge zu einem möglichen Nettoaufwand von ca. 135 € monatlich (und nicht 190€) für einen vergleichbaren privaten Sparprozess führen. (lediglich vorsichtige Schätzung, da nähere Angaben zum Kunden fehlen). Bei einer unterstellten Rendite von 4 Prozent (wo ist dies bei gleichzeitiger Beitragsgarantie derzeit möglich?) erhielte der Kunde nach 36 Jahren mit den 6000 € ca. 153000 € vor Steuer. Nach Abgeltungssteuer verblieben noch ca. 130000 €. Wie hoch eine hieraus zukünftig zu realisierende lebenslange Rente wäre ist heute überhaupt nicht absehbar. Ein Auszahlungsplan bietet nicht die Sicherheit, lebenslang gezahlt zu werden. Wer weiß heute schon, wie unsere Lebenserwartung in 2047 aussieht? Bei der Aussparache eines GARANTIERTEN Rentenfaktors muss gewährleistet sein, dass diese unter allen Umständen erfüllbar ist. Wie hoch der tatsächliche Rentenfaktors ist, lässt sich erst im Jahr 2047 beurteilen.

    Für Selbstständige ist eine Grundabsicherung im insolvenzgeschützten Bereich meiner Meinung nach überaus sinnvoll. Dies kann der private Sparplan nicht bieten. Auch kann es sinnvoll sein, dass ein Kunde gerade nicht vorzeitig über die Altersvorsorge verfügen kann, damit er im Alter nicht mit leeren Händen dasteht.

    Insgesamt wurde hier m.E. zu pauschal und oberflächlich geurteilt.

  • @Bernd. Vielen Dank für Deinen langatmigen Kommentar. Nochmal für diejenigen die etwas weiter denken können. Der Steuervorteil fliesst nicht in den
    Vertrag, sondern über jährlich weniger zu zahlende Einkommensteuer. Der 31. jährige könnte somit die ersparten Steuern in einen Ansparplan mit einbringen und die Rente am Ende der Laufzeit wäre somit höher. Die Berechnungen von
    Frau Hussla sind nicht korrekt. Zumal in ihrem Video ganz klar ersichtlich ist, dass der Haken bei dem Steuerabzug in den Rechnertools nicht gesetzt wurde. Bei Ansparverträgen die nicht im Versicherungsmantel eingebettet sind, greift jedes Jahr die Abgeltungssteuer! Nie und nimmer kommt man auf einen Ansparbetrag von TEUR 200,0. Somit wäre bei einer Alternative auch die Rente weitaus geringer.

  • Ich weiss nicht wie die immer auf diese Zahlen kommen. Wenn man 190,- mtl. 35 Jahre anlegt und am Ende sollen 200.000,- Eur nach Steuern raus kommen, benötige ich eine Wertentwicklung nach Kosten von über 6,2 % bei Investion in einen Fonds (andere Anlagen geben das kaum her)Wenn ich die 190,- in eine gute Fondspolice investiere bekomme ich später (bei 3,5 % in der Rentenphase) ca. 1000,-EUR lebenlang nach Steuern. Aus einen Entnahmeplan mit Kapitalverzehr bis zum 100 Lebensjahr erhalte ich nach Steuern aber weniger als 800,- Eur . Was ist nun der bessere Weg? Durch die ständigen merkwürdig aufgestellten Berechnungen von Journalisten und s.g. Verbraucherschützern wird der Bürger nur verunsichert, legt wahrscheinlich gar nichts zurück und landet später in der Altersarmut.

  • Keine Fragen, die Gebühren, Nebenkosten, etc. bei allen Finanzprodukten sind intransparent und zu hoch.
    Leider greift der Artikel jedoch nur eine Komponente der angesprochenen Versicherung auf: die Altersvorsorge. Allein hierzu taugt das Produkt sicher nicht.
    Die zweite Komponente ist jedoch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Angenommen der Versicherte wird ein Jahr nach Versicherungsbeginn berufsunfähig (die Anforderungen sind bei Versicherungen deutlich niedriger als beim Staat), dann wird er sicherlich beitragsfrei gestellt und erhält eine monatliche Rente bis er in die Rente eintritt (67 Jahre). Es ist nicht unrealistisch, dass er 800 € im Monat erhält, was ohne Dynamisierung nach 35 Jahren 336.000 € ausmacht. Dafür hat er in dem Beispiel lediglich 3.612 € eingezahlt.

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